Institutional Money, Ausgabe 3 | 2025

ander abweichen können. Insofern können ein guter Tra- ding Desk und die Kommunikation mit demHandel beim Investor den Unterschied zwischen erfolgreich und wenig erfolgreich ausmachen. Bond-Indizes weniger effizient Nach der Einführung von Aktien-ETFs kamen auch Bond- ETFs auf den Markt. Einige der Produkte weisen bereits eine Drei- oder Fünfjahreshistorie auf, was sie leichter investierbar macht. Aber wie sehen die Analyse und der Qualitätscheck bei Anleihen-ETFs aus, die fast ausschließlich festverzinsliche Wertpapiere für Staats- oder Unternehmensanleihen nach- bilden? „Im Prinzip ist die Selektionssystematik hier iden- tisch wie bei Aktien-ETFs, aber die Analyse ist insgesamt schwieriger und aufwendiger. Erstens gibt es weniger Anlei- henindizes, die als Marktstandard gelten könnten. Zweitens können die Ausgestaltungsmerkmale von Anleihen deutlich vielfältiger sein als bei Aktienpapieren. Drittens sind die An- bieter von Anleihenindizes zugeknöpfter, also weniger trans- parent als auf der Aktienseite“, meint Thomas. „Üblicherweise sind Indizes marktkapitalisiert. Das ist ei- ne implizite Schwäche der Anleihen-Benchmark, denn da- durch gewichtet man die größten Schuldner am stärksten. Daher würden gerade im Fixed-Income-Bereich anders ge- wichtete Indizes Sinn machen“, sagt Schantorenko und er- klärt, dass aus diesem Grund im Fixed-Income-Bereich gern Direktbestandsstrategien genutzt werden. „Allenfalls bei Satelliten-strategien für Bonds nehmen die Investoren die Nachteile der Anleihen-Benchmarks in Kauf. High Yields möchten Sie vielleicht passiv abbilden, aber wohl eher nicht die Plain-Vanilla-Bond-Strategien“, gibt Schanto- renko zu bedenken. Auersperg führt die Erfahrung der Asset Manager ins Feld: „Anleihen sind komplexer im Handel und imMarkt- zugang als Aktien, und die großen Asset Manager punkten dann durch ihren effizienten Marktzugang. Daher nutzen Investoren auch schon mal Anleihen-ETFs, die effizient be- preist sind, um ihre taktischen Quoten zu steuern. Als Steuerungsinstrument kommen dann auch breit gestreute ETFs, die den Euro-Corporate- oder Govies-Bereich abde- cken, zum Tragen.“ Auch Marie Keil-Mouy sieht Einsatzmöglichkeiten: „Ren- ten-ETFs haben in der Regel eine recht konstante Duration. Die Indexsystematik gibt die Umschichtungen und die Lauf- zeiten vor. Daher kann es für Investoren sinnvoll sein, einen Renten-ETF ins Portfolio zu nehmen. Bei kleinen Beträgen müssen sie dann nicht lang überlegen, welche Anleihe mit welcher Laufzeit sie in denDirektbestand hineinkaufen sollen.“ Sampling bei Anleihen-ETFs schwierig Der vielleicht bekannteste, aber zumindest marktbreiteste Anleihenindex ist der Global Aggregate Bond Index (GABI) vom Anbieter Bloomberg. Dieser Gesamtindex (aggregate) fasst die investierbare Welt der Staats- und Unternehmensan- leihen zusammen. Aktuell enthält er rund 31.000 festverzins- liche Anleihen von Emittenten aus rund 60 Ländern. Die Anleihen sind in lokaler Währung enthalten und müssen als „gute Schuldner“, also mit Investment Grade, bewertet sein. Aktuell gibt es rund zwei Dutzend Anleihen-ETFs auf diesen Anleihenindex mit seinem gigantischen Umfang.Große Staa- ten und Unternehmen können gleichzeitig Dutzende von Anleihen mit ganz unterschiedlichen Laufzeiten beziehungs- weise Zinsätzen emittieren. Deshalb gibt es gegenwärtig kei- nen voll replizierenden „GABI-Anleihen-ETF“. Die Anbieter bilden mit „nur“ fünf bis 18 Tausend Anleihen den „Global Aggregate“ nach, daraus ergeben sich mehr oder weniger Nachbildungsdifferenzen beziehungsweise Performanceun- terschiede zwischen eigentlich baugleichen Anleihen-ETFs. Bei Anleihen-ETFs gilt es also, die Art und die Genauigkeit der Nachbildungsmethode eines ETF exakt zu analysieren, um feststellen zu können, wie exakt das Sampling ist. Thomas ergänzt: „Angestrebt wird zwar von allen ETF- Anbietern bei passiven Anleihen-ETFs immer eine mög- lichst geringe Abweichung zumUrsprungsindex, aber allein die Art des Samplings kann zu merklichen Abweichungen bei der Laufzeitstruktur, der Zinssensitivität und letztendlich der ETF-Wertentwicklung führen. Daher sind unsere quali- tativen Ratings von Anleihen-ETFs zwar aufwendiger, aber auch spannender.“ Des einen Freud, des anderen Leid Der deutsche Fondsverband BVI sieht den ETF-Boom mit einem lachenden und einemweinenden Auge: „Die Fonds- branche verwaltet zwar ein Rekordvermögen in Deutsch- land von über 4.600 Milliarden Euro, doch die Margen ge- raten immer stärker unter Druck. Der ETF-Boom ist einer der Gründe. Einige aktive Asset Manager bieten inzwischen aktive ETFs an und testen die Resonanz der Anleger“, erklärt ein BVI-Sprecher. Der Margendruck besteht aber nicht nur auf der Einnah- menseite. „Auch die Kosten der Asset Manager steigen, zum Beispiel für den Kauf von Finanzmarktdaten. Diese Ausga- ben haben 2024 weltweit knapp 50 Milliarden US-Dollar erreicht“, ergänzt der BVI-Sprecher. Er verweist darauf, dass die Umsätze der Indexbranche analog zum Erfolg der ETFs angestiegen sind, und die Asset Manager einen Großteil davon zahlen. ANKE DEMBOWSKI 204 N o . 3/2025 | institutional-money.com PRODUKTE & STRATEGIEN | ETF-Selektion FOTO: © FOTOSTUDIO T.W.KLEIN » Bei großvolumigen Fonds gibt es im Regelfall eine gute Liquidität. « Marie Keil-Mouy, Leiterin des institutionellen Vertriebs in Deutschland, Franklin Templeton

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