Institutional Money, Ausgabe 3 | 2025

Auch die Fondsgröße hält er eher für ein softes Selektions- kriterium: „Was das Fondsvolumen betrifft, glaube ich, dass bei ETFs die gleichen Guidelines wie für traditionelle Fonds gelten. 100 Millionen Euro sollten es nach ein paar Jahren schon sein. Bei kleineren Fonds fragt man sich, warum sonst keiner die Strategie mag,wie gut die Idee wirklich war“,meint Schantorenko. Die Gefahr, dass bei kleinen Fonds eine Zu- sammenlegung mehrerer Fonds erfolgen kann, hält er nicht für gravierend: „In dem Fall haben Investoren ein Sonder- kündigungsrecht, und ETFs haben im Regelfall ausreichend Liquidität, um das Engagement zu beenden“, beruhigt er. Dirk Auersperg sieht die Fondsgröße hingegen als wich- tigen Faktor an. „Je größer ein ETF ist, desto wohler fühlt sich der Investor damit. Das liegt nicht nur an den erzielba- ren Skaleneffekten, sondern ein Produkt mit paar Milliarden hat auch einen gewissen Flagship-Charakter“. Primär- oder Sekundärmarkt Marie Keil-Mouy sieht bei der Fondsgröße einen wichtigen Bezug zum Handel: „Bei großvolumigen Fonds gibt es im Regelfall eine gute Liquidität; die Handelsaktivitäten von Käufern und Verkäufern gleichen sich hier oft aus. Das gibt den Investoren die Möglichkeit, über den Sekundärmarkt, also die Börse, zu gehen. Institutionelle Kunden sehen an ihrem Bloomberg-Terminal, wie breit die Spreads im Sekun- därmarkt stehen, und können die Handelskosten verglei- chen.“ Sie leitet den institutionellen Vertrieb für Franklin Templeton in Deutschland und erklärt, was es mit der Alternative zum Börsenhandel auf sich hat: „Wenn es für einen ETF nicht genügend Liquidität gibt, stellen die Mar- ket Maker an den Börsen nur für Ticketgrößen, die für viele institutionelle Investoren zu klein sind, attraktive Geld-Brief- Spannen.“ Die Alternative ist der Weg über einen Autho- rized Participant (AP), der sich mit Creation and Redemp- tion von Anteilen beschäftigt. „Auch hier zahlt der Investor die durch ihn verursachten Tradingkosten, indem er beim Kauf die Creation-Gebühr beziehungsweise beim Verkauf die Redemption-Gebühr trägt. Diese Gebühren variieren je nach Handelspannen im Underlying“, so Keil-Mouy. Auch auf den Handel kommt es an Auch beim Börsenhandel selbst ist einiges zu beachten. „Alle ETFs, die an der elektronischen Börse Xetra in Frank- furt gehandelt werden, werden auch in Stuttgart oder in München, bei Gettex, gehandelt. Insofern stehen Investoren in Deutschland mehrere Börsenpreise von miteinander in Konkurrenz stehenden Market Makern zur Verfügung, und zwar während des gesamten Handelstages“, sagt Thomas. Er weist daraufhin, dass professionelle Investoren meistens gute Kontakte zu mehreren Banken beziehungsweise Handels- partnern haben, die dann auch außerbörsliche ETF-Anteils- preise zur Verfügung stellen können, imOTC-Handel. „Die- se bilateralen Kurse können Profis dann mit den Kursen ver- gleichen, die auf Xetra oder anderen Börsen gestellt werden“, meint Thomas und ergänzt: „Messen lassen müssen sich ETF-Investoren immer an den offiziellen, veröffentlichten ETF-Anteilspreisen. Die meisten Systeme berichten die Kur- se vom Börsenschluss um 17.30 Uhr.“ Ziel: Das gesamte Angebot Was das Timing für den Handel betrifft, sollten Investoren dann handeln, wenn die meisten Börsen offen sind; dann sind auch die Währungen bekannt. In Euroland ist das in der Regel zwischen 9.00 und 17.30 Uhr. „Vielleicht sollte man seine Trades nicht direkt amMorgen durchführen, aber auch nicht erst am eigenen Feierabend, also außerhalb der offiziel- len Handelszeiten. Thomas vergleicht den Börsenhandel von ETFs mit der Handelssituation auf dem Flohmarkt: „Da kommen Sie am besten gleich in der Früh,weil Sie dann das gesamte Angebot vorfinden. Auf jeden Fall sollten Sie dann handeln,wenn die meisten Händler da sind, sprich die meis- ten Anleihen- und Aktienmärkte offiziell geöffnet sind.“ Für den Handel von globalen Aktien-ETFs hält er das Zeitfenster von 15.30 bis 17.30 Uhr für europäische Investo- ren für optimal. „Da sind sowohl die US-Börse als auch die europäischen Börsen offen“, so Thomas. „In Krisenzeiten kann natürlich alles völlig anders sein. Dann können die Spreads schnell fünfmal so hoch sein wie zu normalen Zeiten“, warnt Thomas. Er weist auch darauf hin, dass selbst zwischen volumenstarken ETFs auf bekannte Indizes wie DAX, Euro Stoxx und MSCI World die Spreads zwischen ETFs mit identischen Indizes, aber teils unterschiedlichen Produktmerkmalen leicht um 50 bis 100 Prozent vonein- Selektionskriterien für ETFs Es gibt große qualitative Unterschiede, auch bei den ETFs, die sich auf ein und denselben Markt beziehen. Harte Selektionskriterien • Konkrete Benchmark für den Markt • Index marktkapitalisiert oder equal weight? • Ausschüttend oder thesaurierend? (steuerliche Implikation) • Währungsgehedgt oder nicht? • Kosten und steuerliche Behandlung (besonders bei US-Bezug) Hygienefaktoren beziehungsweise Soft-Fact-Selektionskriterien • Fondsgröße • Swap-basiert oder voll- beziehungsweise teilreplizierend? • Werden Wertpapierleihgeschäfte getätigt? • ESG-Bezug? 202 N o . 3/2025 | institutional-money.com PRODUKTE & STRATEGIEN | ETF-Selektion FOTO: © AMUNDI » Steuerlich sind direkt replizierende ETFs mit Domizilland Irland sowie Swap-basierte ETFs am effizientesten. « Dirk Auersperg, Amundi, Head of Asset Management and Solution Sales, ETFs, Deutschland, Österreich und Osteuropa

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