Institutional Money, Ausgabe 3 | 2025
tionelle Investoren haben ihre eigenen Ausschlusslisten und Dekarbonisierungsziele entwickelt und wollen diese beibe- halten. Investoren, die nicht auf die großen ESG-Standard- indizes setzen wollen, landen bei nachhaltigen Strategien oft bei einem individuellen Mandat“, weiß Auersperg. „Dort spielt dann unter anderem eine Rolle, wie der Tracking Error gegenüber dem Standardindex aussieht.“ Aktive ETFs Aktive ETFs, bei denen das Management von der klassischen Benchmark abweicht, gibt es seit etwa 2008. „Dabei handelt es sich im Regelfall um Enhanced-Strategien, und dahinter steckt Research. Abweichend davon ist unser Ansatz zwar komplett systematisch, aber nicht unbedingt sektor- und fak- torneutral, sodass die Gewichtungen von einzelnen Unter- nehmen und Sektoren recht deutlich vom Benchmark- Gewicht abweichen“, erklärt Schantorenko. Im Januar 2025 hat sein Haus gemeinsam mit der DWS-Tochter Xtrackers den Xtrackers DJE US Equity Research UCITS ETF auf- gelegt, eine aktive US-Strategie. „Bei dieser Strategie wenden wir keine aktive Sektorsteuerung an, sondern es kommt nur unser Bottom-up-Modell zum Tragen. Für die Einzeltitel betrachten wir sechs Komponenten, die jeweils komplett quantifizierbar sind. Daraus bilden wir einen Gesamtscore, und die 50 aus unserer Sicht besten Unternehmen kommen in den ETF. Anschließend nehmen wir quartalsweise ein Rebalancing vor“, umreißt Schantorenko die Strategie und erläutert deren Ziel: „Unser Portfolio ist diversifizierter aufge- stellt als die Benchmark MSCI USA, weil wir die Big Techs nicht so hoch gewichtet haben.“ Im ersten Halbjahr weist der Fonds allerdings eine Under- performance auf. „Es wird immer dann zu einer kurzfristigen Underperformance kommen, wenn die berühmten Magni- ficent Seven gut laufen. Wenn dann aber die Marktbreite wieder zurückkommt, sind wir es, die den Rückenwind ha- ben“, sagt Schantorenko. Dieses Beispiel zeigt: Mit aktiven ETFs wird ein aktives Risiko eingeführt, das gegenüber der Benchmark auch zu einigen Prozentpunkten Abweichung führen kann. Investoren müssen sich also Gedanken machen, ob sie der aktiven Strategie zutrauen, langfristig die Bench- mark zu schlagen. Replikationsmethode Ein weiteres Selektionskriterium ist die Replikationsme- thode, denn sie beeinflusst den Tracking Error. „Die Investoren nutzen Vergleichsportale und gehen dann mit dem Anbieter in den Due-Diligence-Dialog. Neben der TER schauen sie eben auch auf die Qualität beim Tracking. Der S&P 500 ist ein effizienter Markt, da tracken alle ziem- lich gut“, sagt Auersperg und verweist auf einen weiteren Aspekt: die steuerliche Behandlung: „Bei Anlagen mit US- Bezug gibt es aufgrund der Doppelbesteuerungsabkommen Unterschiede bei der Quellensteuerbehandlung. Hier sind direkt replizierende ETFs mit Domizilland Irland sowie Swap-basierte ETFs am effizientesten“, sagt Auersperg. Soft-Fact-Selektionskriterien Schantorenko hält die Replikationsmethode eher für einen Hygienefaktor als für ein hartes Selektionskriterium, ebenso wie die Frage, ob Wertpapierleihe stattfindet oder nicht. „Hier gibt es jeweils Argumente dafür und dagegen.Die Tat- sache, dass Sie bei der synthetischen Abbildung nur ein Col- lateral-Portfolio im Fonds haben, finden manche Investoren einfach ungünstig. Außerdem: Wenn Sie von effizienten Märkten ausgehen, dürfte es den Zusatzertrag nicht geben, wenn er nicht mit einem Zusatzrisiko verbunden wäre“, so Schantorenko, „auch Swap-Verträge als hauptsächlicher Bestandteil des Portfolios sind nicht jedermanns Sache.Ganz abgesehen vom Counterparty-Risiko, das bei Swap-Geschäf- ten natürlich auch existiert.“ ETFs weiten ihren Anteil deutlich aus Insbesondere die Absatzzahlen zeigen, dass ETFs gut dabei sind, ihren Anteil auszuweiten. Österreich: Fondsvolumina (Ende Juni 2025, in Mio. Euro) Renten- Aktien- Gemischte Sonstige Gesamt Geldmarkt- fonds fonds Fonds Fonds langfristige Fonds fonds ETFs 3.426 8.654 0 669 12.750 660 Trad. Fonds 40.992 42.896 23.207 8.667 115.762 2.870 Gesamt 44.418 51.550 23.207 9.336 128.512 3.530 Anteil ETFs (%) 7,71 16,79 0 7,17 9,92 18,70 Österreich: Geschätzter Nettoabsatz (Januar–Juni 2025, in Mio. Euro) Renten- Aktien- Gemischte Sonstige Gesamt Geldmarkt- fonds fonds Fonds Fonds langfristige Fonds fonds ETFs 272 1.854 0 77 2.202 191 Trad. Fonds 764 498 214 –612 865 –229 Gesamt 1.036 2.352 214 –535 3.067 –38 Anteil ETFs (%) 26,25 78,83 0 k. A. 71,80 k. A. Deutschland: Fondsvolumina (Ende Juni 2025, in Mio. Euro) Renten- Aktien- Gemischte Sonstige Gesamt Geldmarkt- fonds fonds Fonds Fonds langfristige Fonds fonds ETFs 26.129 123.384 0 22.586 172.099 17.035 Trad. Fonds 195.669 498.311 184.960 187.893 1.057.834 105.176 Gesamt 221.798 612.695 184.960 210.479 1.229.933 122.211 Anteil ETFs (%) 11,78 20,14 0 10,73 13,99 13,94 Deutschland: Geschätzter Nettoabsatz (Januar–Juni 2025, in Mio. Euro) Renten- Aktien- Gemischte Sonstige Gesamt Geldmarkt- fonds fonds Fonds Fonds langfristige Fonds fonds ETFs 1.798 6.990 0 1.906 10.694 3.549 Trad. Fonds 8.873 –333 648 –1.827 7.360 13.438 Gesamt 10.671 6.657 648 79 18.054 16.987 Anteil ETFs (%) 16,85 k. A. 0 % k. A. 59,23 20,89 Von den geschätzten Nettoabsatzzahlen im ersten Halbjahr 2025 flossen in Deutsch- land 59 Prozent und in Österreich 72 Prozent in ETFs. Am Volumen der langfristig ausgerichteten Publikumsfonds in Deutschland machen ETFs mittlerweile 14 Prozent aus, in Österreich sind es zehn Prozent. Quelle: Broadridge 200 N o . 3/2025 | institutional-money.com PRODUKTE & STRATEGIEN | ETF-Selektion FOTO: © XENIX
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