Institutional Money, Ausgabe 3 | 2025

gleichbaren ETF-Konzepten verglichen. Dies gilt für passive und für aktive ETFs. „Nur falls ein ETF in allen zentralen Bewertungsbereichen überzeugt, kann er als ein qualitativ überdurchschnittlich guter ETF bewertet werden“, sagt Tho- mas und weist darauf hin, dass fast in jedem Anlagesegment rund 20 bis 25 Prozent der ETFs außergewöhnlich liquide, präzise und transparent ihre Vergleichsindizes nachbilden. Die wichtigste Frage ist natürlich, welcher Markt abge- deckt werden soll. „Diese Entscheidung ist nicht einfach. Was heißt schon dieser oder jener Markt?“, fragt Oleg Schan- torenko, Client Portfolio Manager beim Asset Manager DJE. „Insbesondere im Bereich der Emerging Markets gibt es mehrere Benchmarks für einen Markt, die sich teilweise stark unterscheiden. Nehmen Sie China: Hier gibt es A- Shares, B-Shares, inklusive oder exklusive Hongkong. Oder wenn Sie Asien beziehungsweise Asien/Pazifik abdecken wollen, dann stellt sich die Frage, ob inklusive Japan oder ohne, inklusive Australien oder ohne, und so weiter.“ Strategisch, taktisch und interims Welcher Markt ausgewählt wird, hängt unter anderem davon ab, wie der Anleger ETFs verwendet. „Institutionelle Investoren setzen ETFs sowohl strategisch als auch taktisch ein“, beobachtet Dirk Auersperg, der bei Amundi den Bereich Asset Management und Solutions Sales für ETFs & Indexing in Deutschland, Österreich und Osteuropa leitet. „Bei den großen, effizienten Märkten werden sie für die stra- tegische Asset Allocation eingesetzt, und bei kleineren Märk- ten bietet die große Auswahl an ETFs den Investoren die Möglichkeit, teilweise sehr granular vorzugehen, was die Region oder die Branche betrifft.“ Er beobachtet, dass ETFs oft auch temporär eingesetzt werden, „beispielsweise um schon mal taktisch imMarkt zu investieren, bevor die Suche nach einemManager beginnt, was oft zwei bis drei Monate dauert. Mit einem ETF können Investoren schnell Markt- Exposure aufbauen“, meint Auersperg. Dabei sind passive Manager meistens nicht enttäuscht, wenn Gelder wieder abfließen. Neben der Wahl der Marktes sind weitere Überlegungen anzustellen, bevor man zur konkreten ISIN gelangt. Schan- torenko nennt einige: „Bezieht sich der ETF auf einen Index, der marktkapitalisiert oder gleichgewichtet ist? Ist der Fonds ausschüttend oder thesaurierend? Das hat nämlich steuerliche Implikationen. Ein wichtiges Kriterium ist auch, ob der ETF währungsgehedgt ist oder nicht.“ Er verweist darauf, dass institutionelle Investoren nicht gern Währungs- risiko nehmen, weil Währungs-Exposure an sich oft keine Risikoprämie bietet, sondern erst einmal nur einen zusätz- lichen Layer an Volatilität. „Insbesondere im Fixed-Income- Bereich achten Investoren darauf, dass die Volatilität des Währungsrisikos nicht die Volatilität der unterliegenden Assetklasse übersteigt“, beobachtet Schantorenko. Ein weiteres Kriterium ist der ESG-Bezug. „Viele institu- Bei der Selektion von ETFs wird eine möglichst geringe Abweichung zum Ursprungsindex angestrebt. Investoren schauen auch darauf, wie innovativ das Thema oder der Investmentansatz ist. Bei der hohen Anzahl der angebotenen ETFs müssen sich die Anbieter bei jedem neuen Fonds fragen lassen, warum der Markt ihn benötigt. N o . 3/2025 | institutional-money.com 199 ETF-Selektion | PRODUKTE & STRATEGIEN FOTO: © DARIAREN | STOCK.ADOBE.COM » Swap-Verträge als hauptsächlicher Bestandteil des Portfolios sind nicht jedermanns Sache. « Oleg Schantorenko, Client Portfolio Manager und Deputy Head of Institutional Clients bei DJE

RkJQdWJsaXNoZXIy ODI5NTI=