Institutional Money, Ausgabe 3 | 2025

D as Wachstum des europäischen ETF-Marktes ist beachtlich. „In den vergangenen Jahren konnte der ETF-Markt jedes Jahr um rund 20 Prozent zulegen. Von solchen Wachstumsraten können aktive Asset Manager nur träumen“,meint Markus Thomas vom Berliner Analyseunternehmen Xenix. „In unserer ETF-Datenbank füh- ren wir über 3.000 europäische ETFs. Deutschland ist in jeder Hinsicht der führende ETF-Markt Europas; hier sind aktuell mit rund 2.600 ETFs die meisten Produkte gelistet, darunter sind auch etwa 300 aktiv verwaltete ETFs“, so Tho- mas. Zum Volumen der langfristig ausgerichteten Publi- kumsfonds in Deutschland steuern ETFs mittlerweile 14 Pro- zent bei, so die Zahlen des Analyseunternehmens Broad- ridge; in Österreich sind es zehn Prozent. Tatsächlich hat sich der Fondsmarkt dynamisch zugunsten von ETFs entwickelt, und aktive Asset Manager wie beispielsweise AGI wachsen weniger stark als Häuser, die auch passive Produkte anbieten, etwa die DWS mit ihrem ETF-Anbieter Xtrackers. Aktuelle Absatzzahlen lassen nicht erwarten, dass sich daran kurzfristig etwas ändert: Von den geschätzten Nettoverkäufen im ersten Halbjahr 2025 flossen in Deutschland 59 Prozent und in Österreich 72 Prozent in ETFs (siehe Tabelle „ETFS weiten ihren Anteil deutlich aus“) . Dies berücksichtigt noch nicht die passivenMandate, die viele Indexfonds- und ETF-Anbieter zu- sätzlich für institutionelle Anleger verwalten. „Das sind dann keine börsengehandelten Fonds, sondern indexierte passive Mandate, die individuell zum Beispiel für Altersvorsorgein- stitute verwaltet werden. ETF-Anbieter bieten solche Index- mandate ab Volumina von 50 bis 100 Millionen Euro an. Das sind Substitute für ETFs, die in ETF-Statistiken nicht berücksichtigt werden“, erklärt Thomas. Dominiert wird der europäische ETF-Markt von milliar- denschweren ETFs auf die führenden US- und Weltaktien- indizes, aber etliche traditionelle und auch neue Fondsan- bieter versuchen,mit sogenannten aktiv verwalteten ETFs ei- ne Aufholjagd beziehungsweise den Markteintritt. ETF-Spe- zialist Thomas gibt zu bedenken, dass nur die wenigsten ak- tiven ETFs wirklich konzentrierte aktiv verwaltete Portfolios sind, in der Mehrzahl der Fälle handle es sich eher um „Indexpicker“, die meist mit quantitativen Methoden versu- chen, die Performance eines Vergleichsindex zu übertreffen. Thomas spricht in solchen Fällen auch von „semiaktiven ETFs“, die in den meisten Fällen keine Marktdiversifikation bieten, höhere TERs aufweisen und auch noch volumen- schwächer sind. Große qualitative Unterschiede bei ETFs Die weiter steigende Beliebtheit der ETFs dürfte neben den bekannten Vorteilen wie Kosteneffizienz, Transparenz und fortlaufende Handelbarkeit an den Börsen auch durch ihre scheinbare Unkompliziertheit begründet sein. Da die Mehr- zahl der ETFs einen Index markt- oder faktorgewichtet nachbildet, könnte man meinen, dass es bei der Selektion von ETFs lediglich auf die Auswahl des passenden Index ankomme – und vielleicht noch auf die Kosten. Das ist laut Aussage der Xenix-Spezialisten aber ein Irrtum. „Nur den Index und die TER-Kosten eines ETF zu betrachten, reicht bei Weitem nicht. Es gibt große qualitative, aber auch Per- formanceunterschiede selbst bei ETFs, die sich auf ein und denselben Marktindex beziehen“, erklärt Thomas. Pro ETF, den Xenix in seiner Datenbank führt, sammeln die Berliner Spezialisten bis zu 300 Datenpunkte. Alle wesentlichen As- pekte des ETF werden bewertet. Daraus ergibt sich ein qua- litatives Rating zwischen einem Stern (niedrigste Bewer- tung) und fünf Sternen (beste Bewertung). Die ETFs wer- den jeweils mit ihrem Vergleichsindex beziehungsweise ver- ETFs suggerieren, dass man mit ihnen unkompliziert und billig eine Vielzahl von Märkten abbilden kann . Doch sie sind kein One-Solution-Konzept, sondern es gibt zahlreiche Selektions- kriterien, nach denen Investoren den passenden ETF finden können. Nur scheinbar einfach 198 N o . 3/2025 | institutional-money.com PRODUKTE & STRATEGIEN | ETF-Selektion FOTO: © XENIX » In unserer ETF-Datenbank führen wir über 3.000 europäische ETFs. Deutschland ist in jeder Hinsicht der führende ETF-Markt. « Dr. Markus Thomas, Inhaber und Geschäftsführer des Berliner ETF-Analysehauses Xenix

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