Institutional Money, Ausgabe 3 | 2025
D ie Entstehung des passiven Investierens war ein Meilenstein, vereinfachte es doch den Markt be- ziehungsweise Assetklassenein- und -austritt und verbilligte das Halten des Exposures beträchtlich. Basis war William Sharpes bahnbrechende Erkenntnis, dass dann, wenn Aktienkurse sämtliche Informationen zur Gänze widerspiegeln, der Investor das Marktportfolio halten sollte. Nischenprodukte wurden Anfang der 1970er-Jahre auf den Markt gebracht. Mit der Einführung des Vanguard 500 im Jahr 1976 durch Jack Bogle wurden aus Nischenprodukten Mainstream. Research Affiliates befasst sich bei der Analyse des Siegeszuges passiven Investierens ausschließlich mit klas- sischen kapitalisierungsgewichteten Indexstrategien trotz der Existenz vieler anderer Formen des regelbasierten systemati- schen Investierens.Mit dieser Dominanz passiver Geldanlage gehen jedoch unbeabsichtigte Folgen einher. So hat der Auf- stieg passiver Indexprodukte den Aktienmarkt neu gestaltet. Die Billionen, die in marktkapitalisierungsgewichtete Pro- dukte fließen, haben das Co-Movement von Aktien im sel- ben Index, also die Synchronizität, erhöht, die Diversifizie- rung verringert und die Preisfindung untergraben. Unbeabsichtigte Folgen Passive Produkte sind unabhängig von fundamentalen In- formationen wie Umsatzwachstum, erwarteten Gewinnen, Innovationsaktivitäten oder der Wettbewerbsposition inner- halb einer Branche. Sie allokieren ausschließlich auf der Grundlage des Marktpreises und der jüngsten Dynamik, die sich in der Marktkapitalisierung niederschlägt. Chris Bright- man,Campbell R.Harvey und Forrest Henslee von Research Affiliates haben untersucht, welche Risiken und Marktver- zerrungen durch die zunehmende Dominanz passiver, kapi- talisierungsgewichteter Investmentstrategien entstehen, ins- besondere in Bezug auf Preisbildung, Diversifikation und systemische Stabilität. Zwei Überlegungen haben Investoren verständlicherweise dazu veranlasst, zunehmend in passive Produkte zu investieren: (1) das Versagen des aktiven Ma- nagements und (2) die wesentlich niedrigeren Gebühren für Indexfonds. Laut einem Bericht von S&P hat nur ein Drittel der aktiven US-Aktienmanager ihre Benchmarks übertrof- fen, und in keiner Kategorie haben in den letzten 15 Jahren mehr als die Hälfte ihre Benchmark geschlagen. In Bezug auf die Gebühren hat ein Bericht von Charles Schwab durchschnittliche vermögensgewichtete Gebühren von 0,09 Prozent für passive Fonds dokumentiert, was deutlich unter den 0,64 Prozent für aktive Fonds liegt. Passives Investieren dominiert also bereits die Kapitalallokation. Darüber hinaus gibt es gute Gründe für die Annahme, dass der Anteil passiv gemanagter Assets noch weitaus höher liegt, da viele insti- tutionelle Investoren sehr benchmarknah agieren und mit Was der weitere Vormarsch passiver Anlagen wie ETFs oder passiver Spezialfonds wirklich bedeutet, damit beschäftigt sich das amerikanische Analysehaus Research Affiliates. Riskante Passivität Passiv schlägt aktiv in der Allokation Der Anteil von ETFs und Co. ist schon größer als der aller aktiven Fonds. In den letzten gut 30 Jahren konnten passive Investments in den USA die aktiven in Fondsform nicht nur einholen, sondern sogar schon übertreffen. Quelle: Research Affiliates, Morningstar 53 % 47 % Anteile I 2013 I 2009 I 2005 I 2001 I 1997 0 % 25 % 50 % 75 % 100 % I 2025 I 2021 I 2017 I 1993 194 N o . 3/2025 | institutional-money.com PRODUKTE & STRATEGIEN | Passive Investments FOTO: © RESEARCH AFFILIATES » Strukturelle Verzerrungen bieten eine Chance, von Marktineffizienzen zu profitieren. « Chris Brightman, Partner, CEO und CIO von Research Affiliates, Newport Beach, Kalifornien
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