Institutional Money, Ausgabe 3 | 2025

zeigt, dass geografische Gebiete mit mehr CFPB-Beschwer- den eine höhere individuelle finanzielle Anfälligkeit auf- weisen und mehr Beschwerden, mehr notleidende Kredite (Non-Performing Loans, NPLs) und niedrigere Aktienren- diten von Banken prognostizieren. Und schließlich untersuchen sie die Governance-Proble- matik betreffend einige neuere Maßnahmen des Verwal- tungsrats börsennotierter japanischer Firmen. Dies ist von Interesse, da die Corporate Governance in Japan bis zu den jüngsten Reformen relativ schwach war und die wissen- schaftliche Literatur gemischte Ergebnisse darüber liefert, ob gute Governance die Rendite positiv prognostiziert. Diese jüngste Arbeit gelangt dabei zu dem Schluss, dass so- wohl ein höherer Anteil weiblicher Vorstandsmitglieder als auch eine längere Verweilzeit der Japanerinnen im Vor- stand sowie die Kombination aus beidem eine positive Korrelation mit den künftigen operativen Cashflows der Firmen aufweisen. Diese beiden Diversity-Merkmale eig- nen sich offensichtlich als Governance-Signale (siehe Tabelle „Diversity-Signale“) . Die Cashflows lassen sich also durch Kennzahlen zur Diversität weiblicher Vorstandsmitglieder in Japan voraus- sagen. Diese Vorhersagekraft der beiden Diversity-Merkma- le ist die Basis für die Untersuchung der Prognostizierbar- keit der Rendite. Erneut wird die Long-Short-Quintil-Port- foliobildung der Aktien, dieses Mal auf Basis des Frauen- anteils, der Vorstandszugehörigkeit von Frauen und der kombinierten Frauenquote und Vorstandszugehörigkeit durchgeführt. Die Ergebnisse ähneln denen der Cashflow- Prognose: Die Fünf-Faktor-Alphas sind positiv, aber das Merkmal Frauenquote ist deutlich schwächer als die Vor- standszugehörigkeit. Wie bei den Cashflow-Prognosen er- hält man bessere Resultate, wenn man die beiden Merk- male kombiniert. Die kombinierte Frauenquote und - Amtszeit wartet mit einem Alpha von 42 Basispunkten pro Monat auf. Unterm Strich weckt diese Forschungsarbeit die Hoff- nung, dass mit ESG-konformen Investitionen nicht automa- tisch Renditenachteile einhergehen, entscheidend ist dabei jedoch die Vorgangsweise. Der simple Ausschluss von Bran- chen und Themen schränkt das Anlageuniversum einfach nur ein und kann daher – jedenfalls phasenweise – beträcht- liche Ertragsnachteile mit sich bringen.Wer differenziert vor- geht und aktiv auf die Suche nach ESG-konformen Unter- nehmensstrategien geht, die einenWettbewerbsvorteil bewir- ken können, hat bessere Aussichten. Die in diesem Fall gewählten Auswahlkriterien wie „Beschwerden bei Auf- sichtsbehörden“ oder „Frauenanteil im Topmanagement“ sind dabei vor allem stellvertretend zu betrachten, ob diese etwa bei europäischen Unternehmen ähnliche Ergebnisse zeigen würden, ist offen. Sie zeigen jedoch, dass sich auch für das – aus Analysesicht – sperrige Thema ESG-Konformi- tät intelligente Ansätze finden lassen. Grundsätzlich muss man aber wohl auch nach den Ergebnissen dieser Studie da- von ausgehen, dass jeder Versuch, ESG-konform zu investie- ren, den Investitionsvorgang erschwert und damit die Mög- lichkeit einer Underperformance vergrößert. Fairerweise muss man zugeben, dass die Idee selbst niemals etwas ande- res versprochen hat. DR. KURT BECKER Ertragsprognosen via CO 2 -Emissionsprofitabilität Kein signifikantes Alpha bei CO 2 -Intensität, wohl aber bei CO 2 -Emissionsprofitabilität CO 2 -Intensität = Emissionen/Umsatz Emissionsprofitabilität Variable (t-Werte) (t-Werte) Alpha -0,0017 0,00731 (1,33) (2,78) MKT (Market) -0,0231 0,054 (0,64) (1,13) SMB (Size) 0,000312 -0,00182 (0,87) (1,05) HML (Value) -0,123 -0,207 (2,71) (3,54) RMW (Profitability) 0,0322 0,0843 (1,56) (2,13) CMA (Investments) -0,0031 -0,0043 (1,17) (2,17) Adj. R 2 Bestimmtheitsmaß 0,183 0,271 Das Alpha für die Rentabilität von CO 2 -Emissionen ist mit 73,1 Basispunkten pro Monat signifikant positiv (t-Wert 2,78). Es besteht damit eine signifikante Prognosekraft für Renditen, die die fünf Faktoren von Fama-French übertreffen und damit eine Outperformance erwarten lassen. Quelle: BlackRock Diversity-Signale Mehr Frauen in Japans Vorstandsetagen sind ein wertvolles G-Signal. Koeffizient Koeffizient Koeffizient Variable (t-Statistik) (t-Statistik) (t-Statistik) CFO/Assets 0,832 0,801 0,808 (162) (181) (158) 0,0541 Frauen-Vorstandsquote (2,21) Frauen-Amtszeit 0,0874 (2,88) Quote und Amtszeit komb. 0,103 (3,56) Adj. R 2 Bestimmtheitsmaß 0,78 0,77 0,80 Die ersten beiden Spalten zeigen, dass sowohl der Anteil als auch die Amtszeit weiblicher Vorstandsmitglieder in Japan positiv mit zukünftigen Cashflows korrelieren, mit Koeffizienten von 0,054 beziehungsweise 0,087. Das kombinierte Signal von Anteil und Amtszeit weiblicher Vorstandsmitglieder (3. Spalte) ist statistisch noch signifikanter (t-Wert 3,56). Quelle: BlackRock 192 N o . 3/2025 | institutional-money.com PRODUKTE & STRATEGIEN | ESG-Integration FOTO: © BLACKROCK

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