Institutional Money, Ausgabe 3 | 2025
(Ex-post-)Preise dieser Aktien, die zukünftigen (Ex-ante-)Ren- diten sind jedoch niedriger. Ummit der Auswahl von ESG-konformen Aktien erfolg- reich zu sein, muss man ihre zu erwartenden Renditen be- ziehungsweise die zukünftige Cashflows korrekt prognosti- zieren. Für diesen Zweck entwickelten die Forscher drei neue ESG-Kennzahlen – jeweils eine für die Bereiche Um- welt, Soziales und Unternehmensführung. Im Test mit histo- rischen Daten ermöglichten diese Kennzahlen die Prognose zukünftiger Unternehmens-Cashflows und Aktienrenditen. Im ersten Schritt widmete man sich dem Thema „Umwelt- schutz“ und konstruierte dafür eine branchenadjustierte Kennzahl für die CO 2 -Effizienz von Unternehmen. Aus der Perspektive, in der Kohlenstoffemissionen ein Maß für die Effizienz sind, betrachtete man Emissionen als indirektes Spiegelbild der in der Produktion eingesetzten Ressourcen. Das Branchen-Benchmarking wurde angewandt, weil die Branche eine entscheidende Determinante für die Kohlen- stoffemissionen ist. In einer Branche mit geringen Gesamt- emissionen müsste ein Unternehmen größere Änderungen in seinen zugrunde liegenden Geschäftsabläufen vorneh- men, um seine Emissionen um einen bestimmten Betrag zu senken. Jeden Monat sortieren die Autoren US-Aktien basie- rend auf der Rentabilität von CO 2 -Emissionen von Januar 2015 bis Dezember 2023 in Quintile. Die Aktien stammen aus dem Russell-3000-Universum. Die Emissions- und Fun- damentaldaten werden jährlich aktualisiert, und man geht aus Sicherheitsgründen von einer dreimonatigen Verzöge- rung bei der Datenberichterstattung aus. Ang, Garvey und Schwaiger berichten die Ergebnisse einer Regression mit den Long-Short-Renditen des ersten und fünften Emissions- rentabilitätsquintils als abhängigen Variablen und dem Fünf- Faktor-Modell von Fama und French als unabhängiger Variable. Die fünf Faktoren sind Markt, Größe, Value, Ren- tabilität und Investition. Die Ergebnisse zeigen, dass die Portfoliorenditen von nach CO 2 -Intensität (CO 2 -Emissionen zu Umsätzen) sortierten Aktien kein signifikantes Alpha aufweisen, das Vorzeichen stimmt jedoch mit früheren wissenschaftlichen Studien überein, dass Unternehmen mit höherer Emissionsintensität geringere Renditen erzielen. Das Alpha für die Rentabilität von CO 2 -Emissionen ist mit 73 Basispunkten pro Monat positiv (siehe Tabelle „Ertragsprognosen via CO 2 -Emissionspro- fitabilität“) . Interessant ist, dass es signifikante Anti-Value-, Rentabilitäts- und Investitionseffekte gibt. Dennoch besteht mit einem t-Wert von 2,78 eine signifikante Vorhersagbarkeit für Renditen, die die fünf Faktoren von Fama-French über- treffen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Signal für die Rentabilität von CO 2 -Emissionen Unternehmen begünstigt, die imVergleich zu Branchenkollegen mit höhe- rer Rentabilität effizienter sind und weniger CO 2 -Emissionen produzieren. Diese Unternehmen tragen aufgrund ihrer Struktur weniger zumKlimawandel bei.Gleichzeitig weisen sie im Durchschnitt höhere erwartete Überrenditen auf. Im zweiten Schritt wurde der Bereich „Soziales“ untersucht. Hier verwendet das Autorenteam Daten zu Beschwerden über Finanzinstitute, die vomConsumer Finance Protection Bureau (CFPB) zusammengestellt wurden. Die Auswertung Japanische Unternehmen entwickeln sich besser, wenn ihre Führungsteams auch Frauen ent- halten. Gleitender Zwei-Jahres-Rendite-Durchschnitt Marktportfolio mit fünf Branchen-Ausschlüssen minus Gesamtmarktportfolio Das infolge von fünf Branchenausschlüssen ineffiziente Portfolio bedeutet im Durchschnitt eine Underperformance und einen meist signifikanten Tracking Error. Quelle: BlackRock I ‘80 I ‘78 I ‘75 I ‘72 I ‘70 I ‘89 I ‘86 I ‘83 I ‘94 I ‘91 I ‘97 I ‘00 I ‘05 I ‘02 I ‘11 I ‘08 I ‘13 I ‘16 I ‘19 I ‘24 I ‘22 -0,14 -0,12 -0,06 -0,10 -0,08 -0,04 0,02 -0,02 0 0,06 0,04 N o . 3/2025 | institutional-money.com 191 ESG-Integration | PRODUKTE & STRATEGIEN FOTO: © IMTMPHOTO | STOCK.ADOBE.COM » ESG-Faktoren haben nur dann Einfluss auf erwartete Renditen, wenn sie sich auf kurzfristige Cashflows auswirken. « Dr. Katharina Schwaiger, Managing Director und Researcher in BlackRocks Systematic Investment Team
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