Institutional Money, Ausgabe 3 | 2025
tive Ausweitung der Bestände, sondern auch um die quali- tative Modernisierung von Risikorahmen, Liquiditätsarchi- tektur und operativer Flexibilität. Laut der Studie planen 64 Prozent der Zentralbanken eine Aufstockung der Reserven, 53 Prozent streben zugleich eine breitere Diversifikation an. Damit setzt sich der bereits 2024 erkennbare Trend be- schleunigt fort – ein klarer Bruch mit den Jahren zuvor, in denen die Akkumulation weitgehend stabil geblieben ist. Zugleich haben in den vergangenen drei Jahren 72 Pro- zent ihre Risikomanagementprozesse angepasst und 62 Pro- zent ihre Standards zur Reserveadäquanz neu definiert. Ein Vertreter einer Notenbank meint gegenüber Invesco: „Die schwierigen letzten drei Jahre haben uns dazu ver- anlasst, unsere Reservehöhen neu zu bewerten. Wir haben erkannt, wie entscheidend starke Puffer sind, um externe Schocks abzufedern.“Tatsächlich sind die Auswirkungen der jüngsten Volatilität bereits sichtbar. Einige Zentralbanken mussten zur Stabilisierung ihrer Währungen am Devisen- markt eingreifen und Reserven aktiv einsetzen. Andere wie- derum haben Liquiditätsrahmen überarbeitet, kurzfristige Anlagen erhöht, Sicherheitenanforderungen neu justiert oder Swap-Linien verstärkt, um im Ernstfall schneller hand- lungsfähig zu sein. Zweifel am noch alternativlosen Dollar Parallel dazu rückt der Dollar in den Fokus – diesmal aller- dings nicht als sicherer Hafen, sondern als potenzielles Risiko. Steigende Staatsschulden, anhaltende Defizite und die politi- sche Polarisierung nähren Zweifel an der Stabilität der US- Währung. Laut der Studie sehen inzwischen 72 Prozent der Zentralbanken die US-Fiskaldynamik als Risiko für den Dol- lar-Ausblick – ein markanter Anstieg gegenüber demVorjahr. Trotz aller Vorbehalte gibt es aus Sicht der befragten Investoren aber noch keine echte Alternative. Der Dollar- anteil an den weltweiten Reserven ist zwar von rund 60 Pro- zent im Jahr 2022 auf 58 Prozent im Jahr 2024 gesunken, doch kein Währungsraumwar in der Lage, diese Lücke ent- scheidend zu füllen. Kleine Zugewinne verteilen sich auf mehrere Devisen, ohne eine kritische Masse zu erreichen. Dazu ein europäischer Zentralbanker: „Selbst wenn man diversifizieren will, sind die meisten anderen Staatsanleihen- märkte schlicht zu klein.Wer ein großes Portfolio verwaltet, stößt sofort an seine Grenzen.“ In der Praxis bleibt der US-Dollar also das Rückgrat der globalen Reserven – auch wenn die Zweifel an seiner lang- fristigen Rolle zunehmen. Besonders intensiv richtet sich der Blick derzeit auf den Renminbi. 82 Prozent der befragten Zentralbanken erwarten, dass seine Bedeutung in den kom- menden zehn Jahren steigen wird – beinahe doppelt so viele wie noch im Vorjahr. Das deutet auf wachsendes Vertrauen in die Resilienz der chinesischen Wirtschaft und auf die stra- tegische Bedeutung Pekings hin. Die Dynamik zu einem potenziellen Dollar-Nachfolger zu werden, verschiebt sich damit – trotz nach wie vor bestehender Hindernisse – weg vom Euro, hin zum Renminbi. HANS WEITMAYR Geopolitik lang- und kurzfristig als Hauptrisiko wahrgenommen Erwartungen für das kommende Jahr (links) und die nächsten zehn Jahre (rechts) Geopolitische Verwerfungen in ihren unterschiedlichen Ausformungen stellen für institutionelle Investoren sowohl langfristig als auch kurzfristig die größten Risikoquellen dar. Bemerkenswerterweise haben hier aber die langfristigen Sorgen leicht abgenommen. Kurzfristig stellen Inflationsszenarien die zweitstärkste Befürchtung dar – langfristig ist es der Klimawandel. KI wird langfristig inzwischen ebenfalls als potenzieller Risikofaktor identifiziert, während Pandemiebefürchtungen langsam vom Radar verschwinden. Quelle: Invesco Global Sovereign AM Study, 2025 Steigende geopolitische Fragmentierung / Protektionismus Klimawandel & Transitionsrisiken Hohe staatliche und private Verschuldung Disruption des Arbeitsmarktes durch KI und Automatisierung Cyberrisiken und technologische Disruption Demografische Effekte Globales pandemisches Event Geopolitische Verwerfungen behindern Handel & Wachstum Hohe Inflation und restriktive Geldpolitik Exzessive Volatilität an den Finanzmärkten Auswirkungen des Russland-Ukraine-Konflikts Unterbrechungen der Lieferketten Auswirkungen des Nahostkonflikts Wiederkehr von Covid-19 oder einer Virusvariante 83 88 73 64 28 59 50 43 50 43 45 43 19 9 86 76 70 63 39 57 30 40 37 33 35 31 27 16 N o . 3/2025 | institutional-money.com 173 Staatliche Investoren | PRODUKTE & STRATEGIEN » Die schwierigen letzten drei Jahre haben uns dazu veranlasst, unsere Reservehöhen neu zu bewerten. Wir haben erkannt, wie entscheidend starke Puffer sind, um externe Schocks abzufedern. « Zitat eines befragten Notenbankers im Rahmen der Invesco-Studie
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy ODI5NTI=