Institutional Money, Ausgabe 3 | 2025

ergibt Sinn, scheint sich die Finanzforschung doch grosso modo darüber einig zu sein, dass bei Unternehmen mit großer Kapitalisierung nahezu perfekte Marktinformation vorherrscht.Hier einen Wissensvorsprung zu erarbeiten, den man in Alpha ummünzen kann, erscheint de facto unmög- lich. Ein solches versucht man durch einen leicht erhöhten Faktoreinsatz herauszukitzeln. Bei Mid Caps besteht eine erhöhte Chance auf Informationsungleichgewichte, die bei entsprechender Marktkenntnis durch aktives Management ausgenützt werden kann. Kurzfristige Risikowahrnehmung Hinsichtlich der Risikoverortung zeigen sich vor diesem Hintergrund einige Verschiebungen.Mit 88 Prozent nennen die befragten Staatsfonds und Zentralbanken geopolitische Spannungen als größtes Risiko für das kommende Jahr (sie- he Chart „Geopolitik lang, und kurzfristig als Hauptrisiko wahr- genommen“, links) . Kein anderes Thema erreicht annähernd diese Dominanz. Ob Ukraine, Naher Osten oder die Rivali- tät zwischen den USA und China – geopolitische Konflikte werden nicht mehr als Randphänomen betrachtet, sondern als Kernfaktor bei der Entwicklung von BIP-Wachstum, In- flation und Finanzmarktstabilität. An zweiter Stelle rangie- ren Teuerung und Geldpolitik mit 64 Prozent. Damit bleibt das Inflationsgespenst in den Köpfen der Fondsmanager präsent, selbst wenn die offiziellen Preissteigerungsraten zu- letzt zurückgegangen sind. Die Befragten fürchten weniger die aktuelle Teuerung, sondern vielmehr eine strukturell er- höhte Grundinflation, die die Spielräume der Notenbanken einschränkt und Bewertungsmodelle dauerhaft verändert. Besonders bemerkenswert erscheint der Anstieg der Sor- gen um die Finanzmarktvolatilität: Während 2024 nur 28 Prozent der Befragten diese Gefahr nannten, sind es nun 59 Prozent. Die abrupte Zinswende der vergangenen Jahre, die Schwankungen an den Anleihenmärkten und die Fragilität der Liquidität haben Spuren hinterlassen. Fondsmanager rechnen mit erratischen Ausschlägen, die selbst konservative Portfolios treffen können. Ebenfalls hohes Risikopotenzial wird den Folgen des Ukrainekriegs, der Gefahr einer weite- ren Eskalation imNahen Osten sowie Lieferkettenstörungen und Rohstoffpreisrisiken zugeordnet. Diese Werte zeigen, dass geopolitische Krisen nicht nur politisch, sondern auch unmittelbar ökonomisch wirken. Demgegenüber erscheint das Pandemierisiko fast vernachlässigbar – das Kapitel Covid-19 ist für die Fonds zwar nicht vergessen, aber in der Risikomatrix deutlich nach unten gerutscht. Langfristige Risikoquellen Für den Zehnjahreshorizont zeichnet sich in manchen Aspekten eine andere Wahrnehmungsschattierung ab: Auch hier dominieren die globale Fragmentierung und Protektio- nismus mit 76 Prozent der Rückmeldungen. Institutionelle Investoren sehen die Gefahr einer Weltordnung, die sich in Blöcke aufspaltet und Handels- sowie Kapitalflüsse nach- haltig verändert. Das Risiko wird als strukturelle Bedrohung eingeschätzt, die weit über eine kurzfristige Marktvolatilität hinausgeht. An zweiter Stelle folgt jedoch bereits der Klimawandel. Damit rückt die ökologische Transformation wieder stärker ins Blickfeld – und zwar als systemische Herausforderung, die Geschäftsmodelle, Kapitalallokationen und ganze Bran- chen revolutioniert. Stark zugenommen hat auch die Sorge um die Staats- und Privatschulden, die inzwischen 57 Pro- zent der Befragten umtreibt. Die über Jahre aufgebauten fis- kalischen Belastungen werden zunehmend als Hemm- schuh für künftiges Wachstum und als Quelle makroöko- nomischer Instabilität wahrgenommen. Demografie und technologische Risiken wie Cyberattacken rangieren im Mittelfeld. Zentralbanken reagieren auf Risiken Die zunehmende globale Unsicherheit veranlasst Zentral- banken dazu, ihr Reservemanagement auf eine neue Basis zu stellen. Es geht längst nicht mehr nur um die quantita- Selektiv aktiv Besonders im Aktien-Mid-Cap-Bereich sollte das aktive Engagement zunehmen. Deutlich mehr Kontrolle über ihre Portfolios scheinen institutionelle Investoren ange- sichts der globalen und multiplen Verwerfungen ausüben zu wollen. Das gilt vor allem für den Mid-Cap-Bereich im Aktiensegment. Interessant auch das Faktor-Exposure: Das wandert aus dem Mid-Cap-Bereich in den Large-Cap-Bereich hinein. Dort wiederum sollte es auch vermehrt zu passiven Strategien kommen. Quelle: Invesco Global Sovereign AM Study, 2025 Large Medium Small Large Medium Small Anleihen Aktien 31 52 13 4 37 47 14 2 36 24 36 4 50 15 25 10 34 14 34 34 14 34 57 43 75 5 20 172 N o . 3/2025 | institutional-money.com PRODUKTE & STRATEGIEN | Staatliche Investoren » Geopolitische Spannungen, anhaltender Inflationsdruck und fragmentierte globale Handelsmuster werden nun als dauerhafte Elemente erkannt, die langfristige Anlage- strategien prägen, statt als zyklische Gegenwinde. « Rod Ringrow, Head of Official Institutions bei Invesco

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