Institutional Money, Ausgabe 3 | 2025

und quantifizierten die daraus resultierenden Auswirkungen auf die Wirksamkeit von Desinvestitionen bei der Verbesse- rung der aggregierten Nachhaltigkeitsperformance. Leere Versprechungen Nicht nachhaltige Unternehmen können ihre ESG-Ratings aufblähen, indem sie künftige Verbesserungen der nachhal- tigen Leistung versprechen, ohne diese Versprechen dann auch zu erfüllen. ESG-Ratings gleichen die aktuelle Nach- haltigkeitsperformance mit der versprochenen zukünftigen Nachhaltigkeitsperformance ab. Das Versprechen zukünf- tiger Verbesserungen der Nachhaltigkeitsperformance ist zunächst kostengünstig, da es in erster Linie die Erstellung eines ambitionierten Nachhaltigkeitsberichts beinhaltet. Im Gegensatz dazu sind die Einhaltung dieser Versprechen und die tatsächliche Verbesserung der Nachhaltigkeitsperfor- mance eine substanzielle und kostspielige Anstrengung. Aus Investorensicht können Unternehmen aufgrund von Infor- mationsasymmetrien ihre ESG-Ratings aufblähen. Aus Sicht der ESG-Ratingagenturen bleibt die Inflation von ESG-Ra- tings aufgrund von Agency-Problemen und Überwachungs- kosten wahrscheinlich unentdeckt. Darüber hinaus gehen Clementino und Perkins 2020 sogar so weit zu sagen, dass sich ESG-Ratingagenturen mit Unternehmen zusammen- tun, um Nachhaltigkeitsratings durch zusätzliche – kosten- pflichtige – Workshops zur Ratingmethodik aufzupumpen. Auch wenn Bams und van der Kroft dieses Argument des unlauteren Zusammenwirkens von Ratingagenturen und Corporates nicht unbedingt unterstützen, gehen sie den- noch davon aus, dass nicht nachhaltige Unternehmen ihre ESG-Ratings kosteneffizient aufbessern können, indem sie optimistisch bezüglich ihrer zukünftigen Nachhaltigkeits- performance berichten, ohne diese Versprechen in die Tat umzusetzen.Die beiden Autoren nehmen an, dass vor allem nicht nachhaltige Unternehmen ihre ESG-Ratings auf- blähen, weil eine umfassende ESG-Berichterstattung für nachhaltige Unternehmen aufgrund von Informationslecks kostspieliger ist. Die beiden Autoren entwickelten ein zweistufiges Verfah- ren, um die beiden notwendigen Bedingungen zu überprü- fen, unter denen Unternehmen ihre ESG-Ratings durch lee- re Versprechungen über zukünftige Nachhaltigkeitsperfor- mance aufpumpen können. Eine Voraussetzung dafür, dass Unternehmen ihre ESG-Ratings aufblähen können, ist, dass die ESG-Ratings Versprechen über zukünftig verbesserte Nachhaltigkeitsperformance beinhalten. Außerdem sollten diese Versprechen in Zukunft nicht eintreten.Dabei verwen- den sie eine nichtparametrische Rangordnungsmethode, die die versprochene und die realisierte Nachhaltigkeitsperfor- mance der Unternehmen trennt, um diese beiden Bedin- gungen zu überprüfen.Die Forscher entwickelten eine neue Methode. Sie verglichen 7.232 Unternehmen anhand von 169 Nachhaltigkeitskriterien über 17 Jahre hinweg. So konn- ten sie zwischen leeren Versprechen und tatsächlichen Ver- ESG-Ratings sind wie alle anderen Ratings ein unverzichtbares Werkzeug in der professionellen Vermögensverwaltung. Und ähnlich wie andere Bewertungsmethoden bilden sie die Realität häufig nicht korrekt ab. Für Investoren bedeutet diese Erkenntnis, dass auf derlei Benotungen kein finaler Verlass ist. N o . 3/2025| institutional-money.com 159 ESG-Divestments | THEORIE & PRAXIS FOTO: © SOMYUZU | STOCK.ADOBE.COM

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