Institutional Money, Ausgabe 3 | 2025

I n der traditionellen Kapitalmarktforschung gibt es ver- einfachende Annahmen, die kaum hinterfragt werden. Eine davon ist, dass öffentliche Informationen allen Marktteilnehmern gleichermaßen frei zur Verfügung stehen und bei Bekanntwerden quasi sofort eingepreist sind. Das entspricht der mittelstrengen Form der Markteffizienz. Ist diese erfüllt, können Anleger mittels fundamentaler Analyse keine systematischen Überrenditen mehr erzielen. Viele gehen davon aus, dass das in der Praxis weitgehend der Fall ist. Dazu passen auch Studienergebnisse, die große Teile der Überrenditen von Managern auf Zufall oder Glück zurück- führen. Doch es gibt Ausnahmen. Mitunter können kleine Grup- pen vonManagern identifiziert werden, bei denen es Hinwei- se auf eine Beständigkeit der Performance gibt. Mögliche Gründe, warum sie besser abschneiden, sind vorherige Bran- chenerfahrung, fokussierte Wechsel zwischen Aktienauswahl undMarket Timing oder Spezialisierung auf konkrete Regio- nen. Eine weitere Möglichkeit ist der Zugang zu privaten Insiderinformationen. Intuitiv scheint diese Erklärung nach- vollziehbar.Denn viele Investoren fragen sich: Wie sollte sonst ein Vorteil erzielt werden, wenn nur auf Basis öffentlicher Informationen gehandelt wird, die bereits eingepreist sind? Ein Paradoxon Aus Sicht der Effizienzmarkttheorie ist diese Frage berech- tigt. Demnach sollte es eben nicht möglich sein, allein mit öffentlich verfügbaren Informationen eine Überrendite zu erzielen. Doch es gibt ein Paradoxon: Wer sorgt eigentlich dafür, dass die Preise stets so effizient sind, und wie wer- den die dafür verantwortlichen Marktteilnehmer bezahlt? Sie müssten zumindest ihre Kosten und eine Extra-Ren- dite verdienen, um diese Aufgabe zu übernehmen. Andernfalls würde es sich nicht lohnen, überhaupt Zeit und Energie darin zu investieren, für effiziente Kurse zu sorgen. Diese Argumentation bildet den Grundstein des soge- nannten „Informationsparadoxons“. Sanford Grossman und Joseph Stiglitz stellten es im Jahr 1980 in ihrem Paper „On the Impossibility of Informationally Efficient Markets“ vor. Demnach ist es unmöglich, dass die Märkte immer alle verfügbaren Informationen vollständig und angemessen einpreisen. Vor allem die mit der Informationsverarbeitung verbundenen Kosten sowie das Erzeugen zuverlässiger Han- delssignale dürften dabei eine Rolle spielen. Aus diesem Grund scheint es durchaus nachvollziehbar, dass Manager, die bei der Analyse von öffentlichen Daten und dem darauf basierten Handel besonders geschickt sind, Vorteile erzielen können. Neue Studie Es gibt zwar bereits Untersuchungen, die Belege dafür liefern, dass Signale auf Basis öffentlicher Informationen scheinbar Renditen vorhersagen können. Doch bislang war unklar, ob Manager, die in der Praxis mit verschiedenen Einschränkungen konfrontiert sind, ihre Performance durch einen stärkeren Fokus auf diese Inputs tatsächlich hätten nennenswert verbessern können. Doch genau das verdeut- licht nun eine neue Studie. Die vier Forscher Ed deHaan, Chanseok Lee und Suzie Noh (alle Stanford University) sowie Miao Liu (Boston Col- lege) schreiben, dass die geschickte Nutzung öffentlicher Daten wie zum Beispiel Buchhaltungs- und Marktberichte durch erfahrene Manager tatsächlich eine Alpha-Quelle sein kann („The Shadow Value of ,Public‘ Information: Evidence fromMutual Fund Managers“). Der Theorie nach werden öffentliche Informationen sofort eingepreist. Doch in der Praxis ist das nicht der Fall, wie eine neue Studie zeigt. Deshalb kann deren geschickte Analyse ein entscheidender Performancefaktor sein. Von wegen „sofort“ 138 N o . 3/2025 | institutional-money.com THEORIE & PRAXIS | Effiziente Märkte FOTO: © STANFORD GRADUATE SCHOOL OF BUSINESS » Wir hinterfragen, ob öffentliche Informationen frei verfügbar und vollständig eingepreist sind. « Suzie Noh, Assistant Professor of Accounting, Stanford Graduate School of Business, Stanford University

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