Institutional Money, Ausgabe 3 | 2025
F aktorstrategien sind wissenschaftlich fundiert. Die prominentesten von ihnen – Value, Size und Mo- mentum – wurden schon vor mehr als 30 Jahren nachgewiesen. Bis heute werden diese und andere Effekte in Kapitalmarktmodelle integriert, um einen möglichst großen Teil der Renditen zu erklären. Damit steigt auch ihre Bekanntheit immer weiter. Verpackt als weitgehend standar- disierte Smart-Beta-Produkte sind sie längst Investoren zu- gänglich.Nach Angaben des Researchhauses ETFGI erreich- te das weltweit in Smart-Beta-ETFs investierte Vermögen Ende Juli mit 2,1 Billionen US-Dollar ein neues Rekord- hoch. Der Juli war dabei schon der 26. Monat in Folge mit Nettomittelzuflüssen. Insgesamt gibt es ETFGI zufolge in- zwischen 1.491 Smart-Beta-ETFs von 236 Anbietern. Diese sind an 50 Börsen in 40 Ländern weltweit notiert. Allerdings hat die Smart-Beta-Medaille noch eine andere Seite. In den vergangenen Jahren dürften sich die wenigs- ten Anleger darüber gefreut haben, hier investiert zu sein. Denn die meisten systematischen Faktorstrategien per- formten viel schlechter als erwartet. Dafür gab es vor allem einen Grund: den starken Rückgang der relativen Bewer- tungen. Entscheidende Bewertungen Im Februar 2016 veröffentlichten Rob Arnott, Noah Beck, Vitali Kalesnik und John West von Research Affiliates ihr bemerkenswertes Paper „How Can ,Smart Beta‘ Go Hor- ribly Wrong?“. Damals waren systematische Faktorstrategien gerade in aller Munde. Doch das Paper schlug einen pessi- mistischen Ton an. Den Autoren zufolge war zu beobach- ten, dass steigende Bewertungen den größten Teil der histo- rischen Überrenditen vieler Faktoren ausmachten. Da die Bewertungen aber nicht endlos steigen können, war nicht damit zu rechnen, dass sich dieser Erfolg dauerhaft fortsetzt. Im besten Fall würde es zu einer zunehmenden Abflachung der Überrenditen kommen, schrieben die Studienautoren damals. Für wahrscheinlicher hielten sie es aber, dass eine Mean Reversion der hohen Bewertungen einsetzt. Das wiederum hätte zur Folge, dass die zukünftigen Renditen unterdurchschnittlich ausfallen. Viele Investoren würden sich dann nicht mehr smart fühlen, so die damalige Einschätzung. Nach acht schlechten Jahren könnten systematische Faktorstrategien künftig wieder liefern. Angesichts sehr niedriger relativer Bewertungen stehen die Chancen für ein Comeback gut, so ein Autorentrio von Research Affiliates. Zweite Chance für Smart Beta Gegenwind oder Rückenwind Relative Performance und relative Bewertung des U.S. RAFI Fundamental Index Langfristig tendieren die relative Performance und die relative Bewertung dieses Index dazu, auseinanderzulaufen. Das bedeutet, dass die Strategie strukturelles Alpha erzielt. Kurzfristig verlaufen die beiden Linien aber oft parallel. Das heißt, dass Bewertungsände- rungen die relative Performance dominieren. Das kann sich negativ auswirken wie in den letzten acht Jahren (siehe Pfeile), aber auch positiv wie 2001/2002. Zukünftig rechnet Research Affiliates ebenfalls wieder mit Rückenwind vonseiten der relativen Bewertung. Quelle: Beck, N. / Nguyen, Q. / Liu, X. (2025), How Can „Smart Beta“ Go Horribly Right?; Research Affiliates 0,38 0,75 1,50 0,5 1,0 2,0 I I I I I ´70 I ´65 ´80 ´75 ´90 ´85 ´00 ´95 ´10 ´05 ´20 ´25 ´15 I I I I I I I Vermögenszuwachs relativ zur Benchmark Relative Bewertung Relative Bewertung (2017-2024) Relative Performance (2017-2024) 134 N o . 3/2025 | institutional-money.com THEORIE & PRAXIS | Smart Beta FOTO: © RESEARCH AFFILIATES (2) » Die relativen Bewertungen der meisten Smart-Beta-Strategien sind nahe ihrer Allzeittiefs. « Que Nguyen, Chief Investment Officer Equity Strategies, Research Affiliates
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