Institutional Money, Ausgabe 3 | 2025
strategie hindeutet. Darüber hinaus deutet die FEVD auf einen zunehmenden Einfluss des S&P 500 auf PE über längere Zeiträume hin, was die Sensitivität von PE gegen- über breiteren wirtschaftlichen Mustern widerspiegelt. PE und VC sind keine Zwillinge Obwohl auch Hedgefonds und der S&P 500 Einfluss auf VC haben, zeigt Venture Capital seine eigene ausgeprägte Reaktionskurve. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeu- tung von Hedgefonds als Proxy für alternative Anlagen und die Rolle des S&P 500 bei der Erfassung langfristiger Markt- trends, die die PE- und VC-Renditen beeinflussen. Das CVAR (Cointegration Vector Autoregressive Model) kombiniert Variablen in ihren langfristigen Niveaus und kurz- fristigen Dynamiken und ermöglicht so eine umfassende Analyse wirtschaftlicher Zusammenhänge. Dieser Ansatz ad- ressiert die Einschränkungen des UVAR-Modells, das sich tra- ditionell auf einzelne Zeitreihen konzentriert, ohne langfristi- ge Gleichgewichtsbeziehungen zu berücksichtigen. Die CVAR-Ergebnisse zeigen eine unmittelbare und signifikante Reaktion auf Schocks im PE/VC-Indexniveau. Diese Indizes können sich jedoch schnell an veränderte Marktbedingungen anpassen und stabilisieren sich typischerweise innerhalb von zehn Quartalen,wobei der anfängliche Schock nur einen dau- erhaften Effekt auf das Preisniveau hat. Das CVAR-Modell konzentriert sich auf unmittelbare Auswirkungen und lang- fristige Markteffekte. Insgesamt deutet die verallgemeinerte Impulsantwortfunktion (GIRF) darauf hin, dass sowohl PE als auch VC von unmittelbaren Schocks in Finanzindikatoren beeinflusst werden, aber eine hohe Fähigkeit aufweisen, lang- fristig das Gleichgewicht wiederherzustellen. Darüber hinaus erstellen Mi und Masih Persistenzprofile (siehe Grafik „Persistenzprofile“) für die Auswirkungen system- weiter Finanzschocks auf PE und VC. Das veranschaulicht die unmittelbaren und langfristigen Auswirkungen hypo- thetischer zentraler Störungen im Finanzsystem auf PE- und VC-Indizes. PE zeigt eine intensive, aber kurze Reaktion und erholt sich aufgrund seiner Verbindung mit reiferen, diver- sifizierten Unternehmen und der Nutzung von Leveraged Buy-outs rasch. Diese schnelle Stabilisierung spiegelt die Widerstandsfähigkeit von PE wider. Im Gegensatz dazu zeigt VC eine weniger intensive anfängliche Reaktion, erleidet aber über einen längeren Zeit- raum erhöhte Auswirkungen, was seinen Investitionsschwer- punkt auf junge, wachstumsstarke Unternehmen (Early Stage) widerspiegelt. Die längere Erholungsphase von VC wird durch den begrenzten Einsatz von Fremdkapital, die hohe Risikobereitschaft der Anleger und die Abhängigkeit von Growth- und Exit-Strategien beeinflusst, wodurch VC empfindlicher auf Markt- und Regulierungsänderungen reagiert. Schließlich führen Mi und Masih die GIRF-Analyse im Rahmen des Vektor-Fehlerkorrekturmodells (VECM) durch. Diese Analyse verfolgt die Auswirkungen eines Schocks von einer Standardabweichung auf jede der kointegrierten Vari- ablen im System und berücksichtigt dabei sowohl die kurz- fristige Dynamik als auch den Fehlerkorrekturmechanismus. In Übereinstimmung mit den vorherigen Ergebnissen zeigt die VECM-Analyse, dass PE- und VC-Märkte relativ wider- standsfähig gegenüber Schocks sind. Praktische Auswirkungen Diese Studie bietet mehrere praktische Implikationen für institutionelle Anleger. Mittels autoregressiver Ansätze wer- den sowohl kurzfristige Reaktionen als auch langfristige Gleichgewichtsanpassungen analysiert. Die Ergebnisse deu- ten darauf hin, dass sowohl Private Equity als auch Venture Capital eine inhärente Widerstandsfähigkeit gegenüber makroökonomischen und marktbasierten Schocks aufwei- sen, was für strategische Asset-Allocation-Überlegungen wert- voll ist. Für Investoren ist die Fähigkeit von Private Equity und Venture Capital, sich nach anfänglichen Schocks schnell zu stabilisieren, besonders wichtig. Dabei reagieren die beiden Assetklassen unterschiedlich. Zwar reagieren PE und VC kurzfristig sensibel auf Schocks, insbesondere gegenüber Aktienmärkten, Hedgefondsrenditen, Anleihen- renditen und Liquidität. PE weist dabei aber eine stärkere unmittelbare Reaktion auf als Venture Capital, ist jedoch gleichzeitig in der Lage, rasch wieder ein Gleichgewicht zu erreichen, was ein Zeichen langfristiger Resilienz von Private Equity darstellt. Erklärt wird dies unter anderem mit der Reife der PE-Portfoliofirmen und der Nutzung von Leverage bei PE. VC hingegen reagiert schwächer auf kurzfristige Marktbewegungen, benötigt aber eine längere Anpassungs- phase, was insofern verständlich ist, als sich die Portfolio- firmen in einem frühen Stadium ihrer Entwicklung befin- den und diese stärker von Wachstum und Exit-Szenarien abhängig sind. Auf lange Sicht erweisen sich beide Asset- Kategorien als robust gegenüber externen Schocks. Die Resultate der Varianzzerlegung zeigen, dass über mehrere Jahre US-Aktien und Hedgefonds einen wachsenden Anteil der Renditeentwicklung von PE und VC erklären. Andere Variablen wie Renten, Rohstoffe oder makroökonomische Indikatoren haben einen vergleichsweise geringen, wenn- gleich nicht vernachlässigbaren Einfluss auf die Renditen von Private Equity und Venture Capital.Den Ivy-League-Uni- versitäten mit ihren hohen PE- und VC-Allokationen kom- men diese Studienergebnisse argumentativ sicher gelegen. DR. KURT BECKER 122 N o . 3/2025 | institutional-money.com THEORIE & PRAXIS | Private Equity und Venture Capital » Andere Variablen wie Bonds, Rohstoffe oder Makro-Indikatoren haben im Vergleich geringen Einfluss auf PE- und VC-Renditen. « Michelle Mi, Assistentin an der Business School der University of Queensland, Australien
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy ODI5NTI=