Institutional Money, Ausgabe 3 | 2025
mene Versicherer ihre Investitionen in privat platzierte Anleihen im Vergleich zu Nicht-PE-Versicherern um 6,37 Prozentpunkte erhöhen. Der durchschnittliche Bestand an privat platzierten Anleihen in der untersuchten Stichprobe beträgt 10,39 Prozent. Dies bedeutet, dass PE-Akquisitionen den Bestand an privat platzierten Anleihen der Lebensver- sicherer um etwa 61 Prozent erhöhen. Und sie erhöhen ihren Bestand an privat platzierten strukturierten Anleihen im Schnitt um etwa 117 Prozent. Die grafische Darstellung dieser Zusammenhänge im Zeitablauf illustriert die Doppel- grafik „Auswirkungen der PE-Übernahme auf LV-Investments“ . Mehr Risiko und mehr Ertrag Da die Risikobewertung von privat platzierten strukturierten Anleihen undurchsichtiger sein kann als die von öffent- lichen Anleihen, deuten die Daten darauf hin, dass von PE- Gesellschaften übernommene Versicherer ihre privaten Anleihen auf solche mit undurchsichtigerer Kreditqualität ausrichten. Weitere Analysen zeigen, dass sich der Anstieg privater Anleihen auf die von PE-Gesellschaften übernom- menen Lebensversicherer konzentriert, die nach der Über- nahme die Asset Manager der PE-Mutter nutzen. Konkret untersuchen Leverty, Schmit und Kim die Perfor- mance, das Kreditrisiko und die Emittentenkonzentration der Anleihenportfolios von Lebensversicherern. Dabei finden sie belastbare Belege dafür, dass von Private-Equity- Gesellschaften übernommene Lebensversicherer eine signi- fikante Verbesserung ihrer Erträge aus der Anleihentangente verzeichnen. Höhere Risiken Diese Ertragsverbesserung kann jedoch mit einem erhöhten Risiko einhergehen. Versicherungsaufsichtsbehörden legen besonderenWert auf das Kreditrisiko, und das regulatorische Kapital basiert weitgehend auf der Bonität von Anleihen. Die drei Autoren stellen fest, dass von Private-Equity-Ge- sellschaften übernommene Lebensversicherer das Gesamt- kreditrisiko ihrer Anleihenportfolios erhöhen – sowohl hin- sichtlich der gewichteten durchschnittlichen regulatorischen Kapitalanforderungen als auch hinsichtlich der Bestände an Anleihen mit einem Rating unterhalb von Investment Grade. Als Nächstes wurde das Kreditrisiko der Anleihen- portfolios analysiert, indem die Diversifikation der Emitten- ten untersucht wurde. Die Forscher maßen die Konzentra- tion der Emittenten pro Versicherer im Vergleich zum Bran- chendurchschnitt. Ihre Analyse zeigte, dass PE-Übernahmen zwar die Bestände an privaten Anleihen signifikant erhöhen, aber die Diversifikation der Anleihenemittenten nicht ver- bessern. Im Gegenteil: Die Übernahmen führen zu einer deutlichen Erhöhung der Emittentenkonzentration von Unternehmensanleihen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass PE-Akquisitionen das Kreditrisiko der Anleihenport- folios der übernommenen Versicherer nicht reduzieren. Diese Ergebnisse sind wiederum stärker ausgeprägt, wenn Lebensversicherer nach den Akquisitionen PE-verbundene Vermögensverwalter nutzen. Befürchtungen teilweise bestätigt Die US-Lebensversicherungsbranche bietet ein einzigartiges Umfeld, um die Auswirkungen von Private-Equity-Über- nahmen auf Portfoliounternehmen zu untersuchen. Die Branche verwaltet ein beträchtliches Vermögen, nämlich mehr als sieben Billionen US-Dollar, und ist daher für Pri- vate-Equity-Fonds attraktiv, die über komparative Vorteile in der Vermögensverwaltung verfügen. Wie die Forschungs- arbeit von Leverty, Schmit und Kim zeigt, gehen die Ge- samtbetriebskosten von Lebensversicherern nach einer Über- nahme durch einen Private-Equity-Investor zurück, während andere anlagebezogene Ausgaben steigen, sodass die Kosten der Anlagefunktion insgesamt nicht sinken. Damit erweisen sich allzu pessimistische Befürchtungen der Marktaufseher zwar als eher übertrieben; die Tatsache, dass hier tendenziell höhere Risiken eingegangen werden, weist jedoch darauf hin, dass die Entwicklung weiterhin genau beobachtet wer- den sollte. Zukünftige Forschung kann die langfristigen Vorteile und Kosten dieser operativen Veränderungen untersuchen, bei- spielsweise ihre Auswirkungen auf das Konsumentenwohl und die finanzielle Lage der Versicherer. Zwar stammen die Ergebnisse aus der US-amerikanischen Lebensversicherungs- branche, die Erkenntnisse und Implikationen gelten jedoch auch für andere Finanzintermediäre, die anfällig dafür sind, Übernahmeziele von Private-Equity-Gesellschaften zu wer- den. Untersuchenswert wäre des Weiteren, wie sich im Asset Management eines von PE übernommenen Versicherers komplexere Privatmarktanlagen wie Private Equity und Infrastruktur über die Zeit entwickeln. Schön wäre auch ein Follow-up, um zu sehen, ob sich der Trend zu Private-Equi- ty-Eignern von Versicherungsgesellschaften auch in dieser Dekade fortsetzt. DR. KURT BECKER 112 N o . 3/2025 | institutional-money.com THEORIE & PRAXIS | Versicherungsinvestment FOTO: © UNIVERSITY OF WISCONSIN-MADISON, UNIVERSITY OF WISCONSIN-MADISON » Bei einem Drittel der übernommenen Versicherer werden die internen Investmentteams vollständig abgebaut. « Kyeonghee Kim, Assistant Professor, Department of Risk Manage- ment/Insurance am Florida State University’s College of Business » Durch die Auslagerung des Asset Managements sinken die Kosten für das Investmentmanagement allerdings nicht. « Tyler Leverty, Associate Professor for Risk and Insurance an der University of Wisconsin-Madison
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