Institutional Money, Ausgabe 3 | 2025

A merikas Private-Equity-Firmen haben in den letz- ten 15 Jahren eindeutig das Lebensversicherungs- geschäft für sich „entdeckt“.Die PE-Investitionen in diese Branche stiegen von 23 Milliarden US-Dollar im Jahr 2009 (0,69 Prozent des gesamten investierten Vermögens der US-Lebensversicherer) auf rund 578 Milliarden US-Dollar im Jahr 2023 – das waren zehn Prozent des investierten Ver- mögens. Dieser „Boom“ wird von der Aufsichtsbehörde durchaus kritisch beobachtet: Der langfristige Horizont von Lebensversicherern, so die Bedenken, weiche vom traditio- nell kurzfristigen Horizont, den man PE-Firmen unterstellt, ab. Darüber hinaus haben Private-Equity-Unternehmen den Ruf, regulatorische Kontrollen zu umgehen. Anhand eines neuartigen Datensatzes, der die von einem Private-Equity- Unternehmen übernommenen Lebensversicherer identifi- ziert, untersuchen Tyler Leverty und Joan Schmit von der University of Wisconsin-Madison sowie Kyeonghee Kim von der Florida State University, ob und wie sich die Eigen- tumsverhältnisse von Private-Equity-Unternehmen auf die Geschäftstätigkeit und das Risikoverhalten von Lebensver- sicherern auswirken. Die primäre Datenquelle sind die jährlichen Jahres- abschlüsse der Lebensversicherer, die bei der National Asso- ciation of Insurance Commissioners (NAIC) eingereicht wurden. Sie erfassen den Namen des Versicherers, die NAIC- Identifikationsnummer (auf Ebene der berichtenden Ein- heit und der Versicherungsgruppe) sowie die Organisations- form aus den Daten des Jahresabschlusses. Darüber hinaus erfasst man die Finanzinformationen jedes Unternehmens (Bilanz, Gewinn-und-Verlust-Rechnung, risikobasierte Kapi- talquoten, Anleihenbestände) und Prämien/Rückstellungen nach Geschäftsbereichen. Die Übernahme von Unternehmen durch Private-Equity- Firmen folgt oft einem typischen Muster: Geschäftsbereiche werden auf Optimierungspotenzial geprüft, um das Unter- nehmen zu restrukturieren und es nach einigen Jahren mit Gewinn weiterzuverkaufen. Ein zentraler Ansatzpunkt bei Lebensversicherern ist dabei die Kapitalanlage. Um die Aus- wirkungen solcher Übernahmen auf das Asset Management und andere Bereiche zu untersuchen, haben Tyler Leverty, Joan Schmit und Kyeonghee Kim ein aktuelles Forschungs- papier verfasst. Ihre Stichprobe umfasst 649 US-Lebensver- sicherer im Zeitraum 2011 bis 2020. Eine Hypothese wäre beispielsweise zu analysieren, ob mehr Investments an Privatmärkten von Private-Equity- geführten Versicherern getätigt werden. Dabei reicht die Palette von Privatplatzierungen (Private Placements) bei Anleihen und Aktien bis zu Private Debt, Private Equity, Private Real Estate und nicht gelisteter Infrastruktur. Zu- allererst untersuchten die Kapitalmarktforscher, ob sich die Allokation in privat platzierten Anleihen erhöhte. Auf- sichtsrechtlich sind diese trotz höherer Intransparenz und Was ändert sich am Asset Management einer Lebensversicherung , wenn diese von Private-Equity-Gesellschaften übernommen und kontrolliert wird? Bleibt alles beim Alten oder stellen die neuen Eigentümer eine Gefahr dar? Eine Analyse. Gefährliche Eigentümer? Eigentümerstruktur von US-Lebensversicherern Private-Equity-(PE)-Eigner im letzten Jahrzehnt auf dem Vormarsch Entwicklung des prozentualen Anteils des Vermögens der US-Lebensversiche- rungsbranche nach Eigentümerstruktur. „PE“ sind Lebensversicherer im Besitz von Private Equity, „Private Nicht-PE“ private Lebensversicherer, einschließlich Lebensver- sicherer auf Gegenseitigkeit und private Aktienlebensversicherer, die nicht im Besitz von Private Equity sind. „Öffentliche Nicht-PE“ bezeichnet börsennotierte Lebensversicherer, die sich nicht im Besitz von Private Equity befinden. Quelle: Studie 0 % 10 % 20 % 30 % 40 % 50 % 60 % 70 % I 2016 I 2015 I 2014 I 2013 I 2012 I 2020 I 2019 I 2018 I 2017 I 2011 Anteil des Vermögens 108 N o . 3/2025 | institutional-money.com THEORIE & PRAXIS | Versicherungsinvestment

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