Institutional Money, Ausgabe 3 | 2025
A ngesichts der zentralen Rolle, die die Investment- fondsbranche bei der Kanalisierung von Ersparnis- sen in die Wirtschaft spielt, ist es von größter Be- deutung, die Determinanten von Fondsflüssen zu verstehen. In einer umfangreichen wissenschaftlichen Literatur wird die Sensitivität von Fund Flows gegenüber der Wertentwick- lung in der Vergangenheit bei niedriger Frequenz unter- sucht, in der Regel unter Verwendung von jährlichen oder monatlichen Zu- und Abflüssen und Fondsrenditen des Vorjahres. Über die Sensitivität der Fondsströme gegenüber Tagesrenditen ist jedoch relativ wenig bekannt, obwohl moderne digitalisierte Finanzmärkte es ermöglichen, die Fondsperformance mit höherer Frequenz zu bewerten. Samia Badidi, PhD-Kandidatin in Finance an der Tilburg University in den Niederlanden, ihr Betreuer Martijn Boons, Professor in Finance an der Nova School of Business and Economics am Campus de Carcavelos in der Nähe von Lissabon, Portugal, und Rafael Zambrana, Associate Profes- sor of Finance an der University of Notre Dame in Indiana, USA, machten sich daran, diese Lücke auf der Suche nach neuen Erkenntnissen zu schließen. Frühere Untersuchungen zur Sensitivität bei niedriger Fre- quenz gehen davon aus, dass alle Tage gleich sind und dass die Präferenzen der Investoren hinsichtlich der Performance nicht systematisch von Tag zu Tag variieren.Unter dieser An- nahme könnte die Untersuchung der Sensitivität bei hoher Frequenz nur begrenzt neue Erkenntnisse liefern.Wenn sich die Sensitivität jedoch systematisch über die Zeit hinweg ändert, ermöglicht die Identifizierung der sensitivsten Tage leistungsfähigere Tests langjähriger Hypothesen in Bezug auf das Anlegerverhalten, die Anreize für Fondsmanager und de- ren Fähigkeiten. Intuitiv haben Fondsmanager einen Anreiz, gerade dann eine Outperformance zu erzielen, wenn es für die Fondsinvestoren amwichtigsten ist – aber nur diejenigen mit echten Fähigkeiten (Skill) können dies tun und von den daraus resultierenden Fondsflüssen profitieren. Zwei Hypothesen im Test Intuitiv sind möglicherweise nicht alle Tage gleich, da sich die Marktbedingungen im Lauf der Zeit ändern. Samia Badidi, Martijn Boons und Rafael Zambrana untersuchen daher zwei konkurrierende Hypothesen betreffend die zeit- liche Variation. Die erste postuliert, dass rationale Fondsin- vestoren in schlechten Zeiten mehr Wert auf die Fondsper- formance legen. Folglich würde man erwarten, dass die Sen- sitivität der Kapitalflüsse gegenüber der Performance an schlechten Tagen, an denen die Marktrendite niedrig und die durchschnittliche Fondsperformance schlecht ist, stärker ausfällt. Zweitens könnten Fondsinvestoren, in Übereinstim- mung mit der Behavioral Finance zu selektiver Aufmerk- samkeit und dem „Vogel-Strauß-Effekt“ tendieren, wobei sie dann die Fondsperformance seltener beobachten, wenn die Marktrendite niedrig ist. In diesem Fall dürfte man erwarten, dass die Sensitivität der Fondsflüsse gegenüber der Perfor- mance an guten Tagen stärker ist. Wenn Kapitalflüsse unter bestimmten Marktbedingun- gen sensibler als unter anderen reagieren, ergeben sich meh- rere wichtige Folgefragen. Reagieren Kapitalflüsse an den sensibelsten Tagen symmetrisch sowohl auf Out- als auch auf Underperformance, oder ist die Beziehung konvex, wie man es bei niedriger Frequenz beobachten kann? Spiegelt die Reaktion der Kapitalflüsse an sensiblen Tagen „intelli- gentes“ oder „dummes“Geld wider? Um diese Frage zu be- antworten,muss festgestellt werden, ob die Outperformance des Fonds dauerhaft oder lediglich auf Glück zurückzufüh- ren ist. Und wenn die Leistung persistent ist, spiegelt sie echtes Managementtalent wider oder weist sie lediglich auf Wie sensitiv Investoren auf die Tagesperformance von US-Aktienfonds , insbesondere an schlechten Tagen, reagieren, untersucht ein Team von drei Autoren. Schlechte Tage entscheiden 102 N o . 3/2025 | institutional-money.com THEORIE & PRAXIS | Performanceanalyse FOTO: © TILBURG UNIVERSITY » Investoren reagieren auf die Tagesperfor- mance von Fonds, wobei diese Reaktion an schlechten Markttagen besonders stark ist. « Samia Badidi, PhD-Kandidatin in Finance an der Tilburg University in den Niederlanden
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy ODI5NTI=