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Was Europäer von japanischen Investoren lernen können

"Diversifikation ist eine der Lektionen aus Japan", sagt Dr. Udo von Werne, CEO von Nikko Asset Management in Deutschland, im Interview mit INSTITUTIONAL MONEY-Redakteurin Anke Dembowski.

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Dr. Udo von Werne

Von japanischen Investoren läßt sich womöglich das eine oder andere lernen, denn sie arbeiten in ihrer Heimat schon seit über 20 Jahren im Niedrigzinsumfeld. Institutional Money fragt Dr. Udo von Werne, CEO von Nikko Asset Management, wie japanische Institutionelle Investoren anlegen, und welche Schlüsse Investoren aus Europa aus den Erfahrungen daraus eventuell ziehen können.

IM: Haruhiko Kuroda, Chef der Bank of Japan, ließ im April die Niedrigzinsen unverändert. Was bedeutet das für den japanischen Anleihen-Markt?

Dr. Udo von Werne: Die Bank of Japan (BoJ) hat die Zinsen im April erwartungsgemäß nicht verändert. Die Reaktion am japanischen Anleihenmarkt war dementsprechend ruhig. Die BoJ hat deutlich gemacht, dass sie für 10-jährige japanische Staatsanleihen (JGBs) ein Zinsziel von 0 Prozent beibehalten wird, es sei denn, es gibt ein klares Zeichen für Inflation. Falls die Teuerungsrate steigt, könnte die BoJ die Zinsen auf 10-jährige JGBs um 20-30 Basispunkte anheben.

IM: Und wie sieht es mit japanischen Aktien aus? Die BoJ und einige Pensionsfonds kaufen seit Monaten massiv heimische Aktien. Sorgt vielleicht nur dieser Nachfrage-Schub nach japanischen Aktien für den derzeitigen Aufwind am Aktienmarkt?

UvW: Die BoJ hält weiterhin an ihrem Kaufprogramm in Höhe von rund 6 Billionen Yen oder umgerechnet 48 Milliarden Euro pro Jahr fest. Dies trägt zwar zur Unterstützung der Nachfrage bei, erklärt aber nicht allein den jüngsten Anstieg japanischer Aktien. Weitere Gründe liegen in der - im Vergleich zu den USA und Europa - relativ günstigen Bewertung, einem anhaltenden Gewinnwachstum sowie nachhaltigen Reformen im Bereich „Corporate Governance“, die sich positiv auf das Shareholder Value-Denken auswirken.

IM: In den volkswirtschaftlichen Lehrbüchern steht, dass geldpolitische Maßnahmen nur am kurzen Ende wirken können. Aber die BoJ will die gesamte Zinskurve steuern. Sie will die Rendite der 10-jährigen Anleihen bei null Prozent fixieren. Welche Auswirkungen hat das auf die Anleihen-Märkte der Region?

UvWDie Wirtschaftstheorie besagt, dass die Zentralbanken üblicherweise nur das kurze Ende der Zinsstrukturkurve beeinflussen können. Allerdings hält die BoJ rund 40 Prozent aller im Umlauf befindlichen JGBs und hat daher erheblichen Einfluss auf die Zinsen von Papieren mit einer Laufzeit von bis zu 10 Jahren. Die BoJ würde eine leichte Versteilung der Zinskurve bevorzugen, insbesondere am extrem langen Ende (20-jährige bis 30-jährige JGBs), da sie die Renditen für langfristige Anleger (Lebensversicherungen und Pensionsfonds) steigern möchte. Sie hat aber weniger Kontrolle über Papiere mit diesen Laufzeiten.

IM: Wie investieren stark regulierte japanische Investoren wie etwa Lebensversicherer? Und was können institutionelle Anleger von den Erfahrungen der japanischen Investoren im dort seit vielen Jahren bestehenden Niedrigzinsumfeld lernen?

UvW: Eine Lektion aus Japan ist, dass institutionelle Anleger ihren „Home Bias“ überwinden und nach geeigneten Alternativen zu heimischen Anlageklassen Ausschau halten. Institutionelle Anleger in Japan haben sich angepasst, indem sie in Staats- und Unternehmensanleihen aus anderen Regionen investiert und ihre Anlagen damit diversifiziert haben. Ein Beispiel sind asiatische Unternehmensanleihen. Das Fremdwährungsrisiko wird gegenüber dem Yen abgesichert.

IM: Besonders innerhalb der asiatischen Anleihemärkte sind ausländische Investoren noch immer stark unterrepräsentiert, obwohl die Region, gerade vor dem Hintergrund anhaltender Niedrigzinsen, einen Blick wert ist: Welche Renditen sind hier möglich?

UvW: Anfang Juni betrug die Rendite des JP Morgan Asia Credit Index (JACI) - der Index ist die Benchmark unseres UCITS-konformen Fonds für asiatische Unternehmensanleihen im Bereich Investment Grade in USD - rund 3,8 Prozent. Sichert man das US-Dollar-Risiko gegenüber dem Euro ab, bleibt eine Rendite von knapp 2 Prozent. Die Rendite von Euro-Unternehmensanleihen mit vergleichbarer Schuldnerqualität liegt derzeit unter einem Prozent. Weitere Merkmale, die es bei asiatischen Unternehmensanleihen hervorzuheben gilt, sind die im Vergleich zu den USA und Europa niedrigeren Ausfallraten und die niedrige Volatilität.

IM: Wie erfolgt bei Ihnen die Länder-, Branchen- und Titel-Selektion im Bereich Asia Credit?

UvW: Unser Team für asiatische Unternehmensanleihen verfolgt einen umfassenden Ansatz, in dem „top-down“ und „bottom-up“-Elemente kombiniert werden. Die Länder- und Sektorallokation ist das Ergebnis einer „top-down“ Makroanalyse, in die fundamentale Faktoren, Bewertungsindikatoren sowie technische Analysen einbezogen werden. Die Titelselektion erfolgt „bottom-up“ auf der Basis eines proprietären Modells, das wir „Internal Credit Rating“ nennen. Jeder Schuldner wird nach qualitativen und quantitativen Aspekten in einem Scoring Modell bewertet. Diese Bewertung erfolgt unabhängig von den externen Rating-Agenturen, die im asiatischen Raum nur einen geringen Teil des Universums abdecken.

IM: Wie gehen Sie mit dem Währungs-Risiko um, aus Sicht eines Euro-Investors?

UvW: Bei asiatischen Hartwährungsanleihen ist die Referenzwährung üblicherweise der US-Dollar. Für Euro-Investoren bieten wir eine in Euro gehedgte Anteilsklasse an.

IM: Wir danken für das Gespräch. (ad)

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