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23.01.2015

Fondsmanager im Diskurs: Wie sollen sich Institutionelle dieses Jahr positionieren?

Alkier_WolfgangNigel_BlanshardDieser, aber auch anderen interessanten Fragen stellten sich namhafte Fondsmanager bei einer hochkarätig besetzten Paneldiskussion im Rahmen des ARC Outlooks 2015 in Wien. Moderator Dr. Wolfgang Alkier (Bild links), Geschäftsführer und Gesellschafter von Absolute Return Consulting (ARC), einem auf professionelle Marktteilnehmer spezialisierten Third Party Marketer sowie Investment Advisor aus Wien, eröffnete die Diskussionsrunde mit der Frage an den bekannten Dachfondsmanager Nigel Blanshard (Bild rechts), Managing Partner von Culross Global Investment Management, ob institutionelle Investoren 2015 direktionales Long-Exposure eingehen oder besser auf Long-/Short-Strategien setzen sollen.

 

Long, Short - oder beides?

 

Angesichts steigender Notierungen steige laut Blanshard das Risiko von Long-Positionen, Long-/Short-Ansätze werden daher immer interessanter. Gerade wegen der höheren Kurse sind auf der Short-Seite viele Chancen entstanden. Blanshard betonte, dass institutionelle Investoren bei der Mandatierung von L-/S-Managern unbedingt darauf achten müssten, dass ihre Manager nicht ähnliche oder gar gleiche Strategien verfolgten und damit unerwartete Klumpenrisiken entstünden. Auch gäbe es viele L-/S-Fonds, die trotz gegenteiliger Ankündigungen eine relativ hohe Volatilität zeigen würden. Daher sei eine sorgfältige Portfolio- und Strategieanalyse unbedingt notwendig. Des Weiteren sei zu verifizieren, ob bislang gezeigte Renditen tatsächlich Alpha aus einer Long-/Short-Strategie sind oder nur Beta, was bei einer zukünftigen Marktkorrektur wieder abgegeben werde müsse. „Die nächste Marktkorrektur wird das aufzeigen", sagte Blanshard. Nur jene Investoren, die ihre Hausaufgaben ordentlich gemacht haben, können bei den nächsten Marktturbulenzen ruhig schlafen.

 

Florian_GröschlRobert_SimpsonAuch ARC-Geschäftsführer Florian Gröschl (Bild rechts) warnte vor einer zunehmenden Gefahr direktionaler Investments, räumte aber ehrlicherweise ein, dass er als Fondsmanager des Absolute-Return-Fonds mahi546 diesbezüglich etwas voreingenommen sei und Absolute-Return-Strategien bevorzugt. Emerging Market Debt-Experte Robert Simpson (Bild links) von Insight Investment brach seinerseits eine Lanze für Absolute Return Ansätze, wie beispielsweise für den Absolute Insight Credit Fund und argumentierte, dass Fondsmanager bei Schwellenländeranleihen aufgrund zahlreicher Länder mit unterschiedlicher Wirtschaftsentwicklung auf beiden Seiten des Marktes Geld verdienen können: „Währungsschwankungen ermöglichen aktiven Fondsmanagern ein breites Spielfeld, daher ist bei gerade bei Emerging Market Debt ein Absolute Return-Ansatz empfehlenswert."

 

Eduardo_UgoliniAber nicht nur bei Schwellenländeranleihen ist Long-Only nicht immer die beste Wahl, auch bei klassischen OECD-Staatsanleihen wird die Luft angesichts steigender Kurse immer dünner. Investoren haben hohe Buchgewinne in den Büchern, die sie bei einer Zinswende realisieren möchen. „Wenn die Bond-Rally endet und Investoren im großen Stil aussteigen, kommt im Fixed Income Bereich die Stunde der Long-/Short-Manger", prophezeite Edoardo Ugolini (Bild links), Senior Portfolio Manager bei Zest Asset Management. Er persönlich würde nicht mehr in Bonds, sondern nur mehr in dividendenstarke Aktien investieren.

 

Ebenfalls für Aktien, aber Long-Only, sprach sich Arnaud d‘Aligny, Fondsmanager bei Sycomore Asset Management aus. Beim vielen der Syxomore-Fonds bestehe die Möglichkeit, im Falle überbewerteter Aktien eine sehr hohe Cash-Quote haben zu dürfen. Unterstützung erhielt d'Aligny von Yuichi „Alex" Takayama, Head of Global Business Development bei Tokio Asset Management. Seiner Ansicht nach schlage ein Long-Ansatz langfristig jeden Long-/Short-Ansatz, Investoren müssten nur die damit einhergehenden Schwankungen aushalten können. Dies gelte insbesondere für den japanischen Aktienmarkt, dem Takayama ein besonders gutes Jahr zutraut. Für Japans Aktienmarkt waren - sofern Währungsrisiken abgesichert würden - übrigens fast alle Diskussionsteilnehmer langfristig optimistisch.

 

Mark_ValekBis auf den bekennenden Anhänger der Österreichischen Schule der Nation, Mark Valek (Bild links) von Incrementum, Co-Fondsmanager des Austrian Economics Golden Opportunities Fund. Seiner Ansicht nach löse Gelddrucken im großen Stil nicht die fundamentalen Probleme Japans und anderer Industriestaaten. Falls diese künstlich geschaffenen Blasen einmal platzen sollten, sieht er zahlreiche Opportunitäten auf der Short-Seite, die er mit seinem Absolute-Return-Fonds gerne nutzen möchte. Vor allem mit inflations-sensitiven Assets wie Edelmetalle, Rohstoffe oder auch Inflation-Linked-Bonds werden geduldige Investoren bei steigender Inflation gutes Geld verdienen.

 

Inflation hält nur ein Schläfchen

 

An eine Rückkehr von Inflation glauben auch Blanshard „Die Inflation ist nicht tot, sie hält nur ein Schläfchen" und Ugolini, da Deflation in einem auf Verschuldung basierendem Fiat-Money-System wirtschaftlicher und politischer Selbstmord wäre und nur mit Inflation eine Schuldenreduktion möglich ist. Gröschl wollte sich dieser Meinung hingegen nicht ungeteilt anschließen und argumentierte damit, dass Inflation respektive steigende Konsumentenpreise seit Jahren angekündigt werden, diese aber bislang nicht zu verzeichnen seien.

 

Welche Risiken drohen 2015?

 

Alkier wollte gegen Schluss der durchaus interessanten Diskussion in Erfahrung bringen, welche Risiken dieses Jahr die Märkte erschüttern könnten. Simpson sieht Gefahrenpotenzial durch zu starke oder zu schnelle Zinserhöhungen in den USA, die insbesondere Schwellenländermärkte stark belasten könnten. Gröschl ortet - wohl auch in Hinblick auf das unter Druck stehende Segment US High Yield Bonds - den stark gefallenen Preis des schwarzen Goldes als möglichen „schwarzen Schwan", da diese Verluste irgendwer im Finanzsystem schlucken muss und irgendwann einige größere Unternehmen insolvent werden könnten. Laut Ugolini würden auf staatlicher Ebene Länder wie Russland, Saudi Arabien und Venezuela Probleme bekommen. Er lässt jedenfalls die Finger von russischen Wertpapieren und könnte sich durchaus Aufstände in einigen Öl-exportierenden Ländern vorstellen.

 

Deutschland und Griechenland als Vertreter der europäischen Gläubiger- und Schuldnerstaaten werden auch zukünftig Mitglied der Eurozone sein, meinte Blanshard, da jedes Volk mit dem mittlerweile gewohnten Euroscheinen zahlen möchte. Der starke US-Dollar sollte gegenüber dem Euro zumindest kurzfristig schwächer gehen, da viel zu viele Investoren für den Greenback optimistisch seien und dieser Trade „very overcrowded" ist. (aa)

 

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Kategorie: Märkte

 
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