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16.04.2014, 18:03 Uhr

Das war die Feri Frühjahrstagung 2014 - inklusive Fotogalerie

Zur bereits 27. Frühjahrstagung hatte die Feri Euro Rating Services AG in der vergangenen Woche geladen. Rund 230 Teilnehmer aus dem Umfeld von Banken und Fondsgesellschaften, aber auch aus Wirtschaftsprüfung, Beratung und Versicherungen waren der Einladung nach Frankfurt gefolgt.

Redaktionelle Anmerkung: Die Highlights respektive Impressionen dieser Veranstaltung finden Sie in einer Fotogalerie HIER.

 

Axel_AngermannDen Auftakt zu dem insgesamt attraktiv gestalteten Referatsprogramm machte Axel D. Angermann (Bild links), Feris Head of Economics & Capital Markets, der den Zuhörern mit zehn Thesen zur künftigen Entwicklung von Volkswirtschaften und Kapitalmärkten die Position der Feri Euro Rating Services erläuterte.

 

Angermann geht davon aus, dass die US-Wirtschaft die entscheidende Triebkraft für das globale Wachstum im Jahr 2014 sein wird, allerdings werde sich das hohe Wachstum in den Folgejahren nicht fortsetzen. Von daher sieht der Ökonom für US-amerikanische Aktien auch weiterhin ein positives Potenzial, das aber von der aktuell hohen Bewertung begrenzt wird. „Eine Abschwächung des Wachstums und die Geldpolitik bergen Rückschlagsrisiken", erläuterte Angermann.

 

Schuldenkrise im Euroraum rückt wieder nach vorn

 

Mit Bezug auf den Euroraum erwartet er, dass die anhaltend schwache Wachstumsdynamik die Schuldenkrise wieder in den Vordergrund rücken wird. Zudem erschwere Deutschland mit anhaltend hohen Leistungsbilanzüberschüssen die wirtschaftliche Erholung im Euroraum, während gleichzeitig die aktuelle Politik der Großen Koalition nicht die richtigen Anreize für eine stärkere Binnennachfrage setze. Von daher sieht Angermann das Potenzial für Euroland-Aktien angesichts einer hohen Bewertung und des fehlenden Wachstumsmoments eher als begrenzt, deutsche Aktien hätten zwar noch positives Potenzial, seien aber angesichts der hohen Bewertung zunehmend rückschlagsgefährdet.

 

Emerging Markets: Ansteckungsgefahr für Industrieländer

 

Was die Emerging Marktes angeht, ging Angermann in seinem Vortrag davon aus, dass die Wachstumsdynamik der Schwellenländer - bei deutlichen Unterschieden zwischen den einzelnen Ländern - insgesamt begrenzt bleiben wird. Zudem bestehe die Gefahr einer Ansteckung der Industrieländer. Insgesamt geht Angermann davon aus, dass trotz einer aktuell moderaten Bewertung die Underperformance von Schwellenländeraktien angesichts der verhaltenen Wachstumsdynamik und signifikanter Risiken vorerst anhalten wird. „Ob die Trendumkehr gelingt, hängt stark von strukturellen Entwicklungen in den einzelnen Ländern wie auch von China ab", erklärte Angermann. Die Länderdifferenzierung werde damit immer wichtiger.

 

Die globale Inflation wird mindestens in den kommenden zwei Jahren niedrig bleiben, wie der Ökonom weiter ausführte, und die Geldpolitik weltweit bleibe bis auf weiteres sehr expansiv. Einen Anstieg der Rohstoffpreise erwartet Angermann vorerst nicht. „Der Ölpreis dürfte sich - vorbehaltlich kaum prognostizierbarer geopolitischer Krisen - weiterhin tendenziell seitwärts bewegen", erklärte der Feri-Experte. „In der Preisentwicklung für sonstige Rohstoffe dürften Negativfaktoren weitgehend eingepreist sein, das Aufwärtspotenzial erscheint bis auf weiteres dennoch begrenzt." Gold behalte zwar seinen Charakter als Versicherung gegen globale Krisen, sei aber bei steigenden Realzinsen unattraktiv, erklärte Angermann. Von daher erlaube das aktuelle Niveau des Goldpreises zwar temporäre Preisanstiege in Zeiten erhöhter Unsicherheit und der Angst vor globalen Krisen. Ein Umfeld generell steigender Realzinsen werde aber das Erholungspotenzial grundsätzlich begrenzen.

 

Ungelöste Strukturprobleme

 

Insgesamt ging Angermann in seinem Referat davon aus, dass die ungelösten Strukturprobleme in den meisten Regionen für die Zukunft eine erhöhte Volatilität und temporär ausgeprägte Rückschläge in den Märkten erwarten lassen. „Die Märkte bleiben von einer fortlaufenden Liquiditätszufuhr abhängig", erklärte der Ökonom. „Die sich aus der allmählichen Änderung der Geldpolitik in den USA ergebende Verunsicherung birgt eine zunehmende Gefahr von Rückschlägen." Der insgesamt fragile weltwirtschaftliche Aufschwung und die zahlreichen Wachstumsrisiken lassen aus seiner Sicht erwarten, dass die letzte Phase des aktuellen Investmentzyklus deutlich volatiler sein wird als bisher.

 

In der Asset Allocation seien eine hohe Flexibilität und antizyklisches Vorgehen nicht nur notwendig, sondern von geradezu entscheidender Bedeutung, schloss Angermann seinen Vortrag, ein Ausblick, den die anschließende Podiumsdiskussion, in der die Feri-Thesen auf den Prüfstand gestellt wurden, im Prinzip durchaus betätigt hat.

 

Tobias_SchmidtUnter der Moderation von Tobias Schmidt (Bild links), Sprecher des Vorstands der Feri Euro Rating Services AG, diskutierten Stefan Keitel, CIO der Berenberg Bank, André Köttner, Fondsmanager bei Deutsche Asset & Wealth Management sowie Gert Waltenbauer, Geschäftsführer der KGAL Gmbh & Co. KG und Heinz-Werner Rapp, CIO der Feri AG zum Teil durchaus kontrovers über einzelne Aspekte aus ihrer jeweiligen Perspektive.

 

Umsetzung in die Praxis

 

Am Nachmittag ging es in die praktische Umsetzbarkeit der Erkenntnisse aus der Arbeit der Feri Euro Rating Services. In drei Symposien („Konjunkturtagung", „Investment Symposium" und „Credit Symposium") präsentierten Spezialisten der Feri Euro Rating Services die Sichtweise und entsprechende Lösungsvorschläge ihres Unternehmens.

 

Christian_MichelIm Investment-Symposium Anbieter und Produkte erläuterte Christian Michel (Bild links) anhand von Beispielen aus einer Feri-Studie, dass institutionelle Investoren eine durchaus stark differenzierte Wahrnehmung zur Anbieter-Kompetenz im Investmentbereich aufweisen.

 

„Aktien- und Rentenfonds mit Fokus auf die europäischen Märkte sind dabei aktuell für Investoren und Anbieter von großer Bedeutung", erläuterte Michel und betonte, dass nur eine Top-down-Analyse der Anbieter in einem systematischen und transparenten Prozess das Kompetenzprofil zur weitergehenden Analyse herausarbeiten könne. Nach den Erkenntnissen aus der Arbeit der Feri Euro Rating Services sind demnach aktuell Invesco, Threadneedle und Fidelity besonders gut im Wettbewerb positioniert.

 

Sachwerte unterrepräsentiert

 

Mit speziellem Blick auf das Thema Sachwert-Investments wies Michel darauf hin, dass Sachwerte in der Asset Allokation institutioneller Investoren mit derzeit rund 15 Prozent noch unterrepräsentiert sind. Allerdings wollen die Investoren nach Feri-Erkenntnissen den Anteil bis Ende 2016 deutlich erhöhen. „Liquiditäts- und Fungibilitätsrisiken sind aus Sicht der Anbieter von Sachwertstrategien ein Hauptgrund für institutionelle Investoren nicht in Sachwerte zu investieren", erläuterte Michel den Hintergrund." (hh/aa)

 

 

Kategorie: Märkte