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02.09.2014, 18:59 Uhr

Wer nimmt ein fünfzigjähriges Spanien-Risiko in die Bücher? (Kommentar)

Spanien hat erstmalig Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 50 Jahren verkauft und macht es Frankreich nach, das schon 2005 und 2010 jeweils 50-jährige Bonds an den Mann brachte. Spanien versucht angesichts historich tiefer Renditen seiner Benchmark-Bonds den Appetit von Investoren auf längerfristige Staatspapiere für sich zu nutzen. 

 

Das Finanzministerium veräußerte eine Milliarde Euro des Vierprozenters mit einer Laufzeit bis zum Oktober 2064 in einer Privatplatzierung, wie es am späten Montag in einer schriftlichen Mitteilung erklärte. Die Rendite zehnjähriger spanische Anleihen war am 27. August auf 2,083 Prozent gefallen, dem niedrigsten Wert seit Beginn der Datenerhebung durch Bloomberg News im Jahr 1993. Erst im Mai hatte Spanien beim Debüt von inflationsgeschützten Anleihen 5 Milliarden Euro eingesammelt. Das spanische Wachstum könnte in diesem Jahr 1,5 Prozent und im kommenden Jahr zwei Prozent erreichen, zeigen Prognosen der Regierung. Die Arbeitslosigkeit verharrt weiter nahe dem Rekordhoch von 26 Prozent. Zudem haben sich die öffentlichen Schulden seit 2007 mehr als verdoppelt. Sie liegen jetzt bei knapp 100 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Arrangiert wurde die Emission von Banco Bilbao Vizcaya Argentaria SA (BBVA) und CaixaBank SA, berichtet Bloomberg. So weit, so schlecht.....

 

Wer kauft?

 

Es gibt die Greater Fool-Theorie, die besagt, dass Investoren wissenden Auges schlechte Qualität zu hohen preisen kaufen in der Hooffnung, einen noch Dümmeren zu finden, dem man die Papiere später mit Gewinn weiterverkaufen kann. Das erinnert stark an die Tulpenzwiebelhysterie in Amsterdam vormehr als 300 Jahren. Auch LDI (Liability Driven Investments) könnten daran Schuld tragen, denn ein Matching der Duration von Anlagekapital und Verpflichtungen (Asset-Liability-Matching) wird von vielen Investorenund ihren Beratern als Königsweg angesehen. Dieser Ansatz findet auch dank Solvency II  immer mehr Anhänger, schließlich privilegiert das neue Regelwerk für die Versicherer diesen Gleichlauf im Hinblick auf das Vorhalten von Kapital. Man denke nur an die Lebensverischerer mit hoher Duration bei den Verpflichtungen.

 

Wo bleibt der Hausverstand?

 

Was dabei auf der Strecke bleibt, ist die praktische und kaufmännische Vernunft, eine Residualgröße, die von heftiger Schwindsucht befallen scheint. Sie ist vernebelt von homogener Ausbildung (MBA/ CFA et al) und einem regularischen Tsunami, der auf die gepeinigten Normadressaten herniederprasselt. Die Nachfolger werden dann die Suppe auszulöffeln haben, vielleicht agieren manche im Stil der Marquise de Pompadour à la "Après nous le déluge!"

 

Moral Hazard, wohin das Auge reicht...

 

Noch schlimmer als diese Form des "Moral Hazard" ist aber, dass dieses Emittieren von Ultra-Langläufern anmutet, als wollten die Staaten ihre Schulden gar nicht zurückzahlen, indem sie die Rückzahlung gleiich vorweg auf den St. Nimmerleinstag verschieben. Darauf sollte man sich jedenfalls seinen Reim machen. Wer heute noch Lebensversicherungen abschließt, braucht eine gehörige Portion Gottvertrauen. (kb)

Kategorie: Märkte