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Alarmzeichen: Europäischem Rückgrad der Wirtschaft geht die Luft aus

Eine Umfrage zeigt, dass EU-KMUs offenbar wieder größere Probleme bei der Aufrechterhaltung von stabilen Cash Flows haben. Das könnte im Extremfall einen negativen Dominoeffekt auslösen, bestenfalls jedoch "nur" das Wirtschaftswachstum belasten.

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Während die Anleger dank der  positiven Daten aus Europa Mut schöpfen, gibt es eine Entwicklung, die ihnen zu denken geben sollte, berichtet "Bloomberg News". Denn eine wachsende Zahl von kleinen Unternehmen in Europa beschwert sich, dass sie mit unverhältnismäßigen Verzögerungen bei der Bezahlung ihrer Arbeit zu kämpfen haben. Größere Teile des Sektors wollen strengere Vorschriften, um dem Problem zu begegnen.

Kunden wollen längere Zahlungsziele
Der European Payment Report 2017 des schwedischen Schuldeneintreibers Intrum Justitia AB zeigt, dass 61 Prozent der befragten 10.486 kleinen und mittelständischen Unternehmen ("KMUs) angeben, Gegenparteien würden ihnen längere Zahlungsfristen abverlangen als ihnen lieb sei. Im vergangenen Jahr waren es nur 46 Prozent gewesen.

Die Entwicklung sorge für eine "zunehmende Besorgnis", erklärte Mikael Ericson, Chief Executive Officer von Intrum Justitia, in einem Telefoninterview. "Das beeinträchtigt ganz klar sowohl das Wachstum als auch die Investitionen in europäische Unternehmen."

Zwischen Solvenz und Konkurs
Die Umfrage legt nahe, dass Europa dem Ziel nicht gerecht wird, kleinere Unternehmen vor Liquiditätsproblemen zu schützen, die aus verspäteten Zahlungen erwachsen. Mit dem Erlass der EU-Richtlinie zur Bekämpfung des Zahlungsverzugs 2011 hatte die EU erklärt, dass Europa als Ganzes durch Zahlungsverzögerungen in Mitleidenschaft gezogen werde, und dass bei den in Europa wichtigen KMUs Störungen im Cashflow den Unterschied zwischen Solvenz und Konkurs ausmachen könnten.

Eine hohe Anzahl der befragten Unternehmen erklärte dem Bericht zufolge, dass sie strengere Zahlungsvorschriften befürworten würden, um das zu bekämpfen, was Intrum Justitia als eine "sich verschlechternde Zahlungskultur" beschreibt. Etwa 40 Prozent der Unternehmen würden eine neue Gesetzgebung begrüßen, während etwa 30 Prozent für einen neuen, freiwilligen Verhaltenscodex wären.

Öffentliche Hand ist kein Vorbild
Die Zahlungsverzugsrichtlinie sieht als Höchstgrenze eine Frist von 60 Tagen vor, solange es keine andere ausdrückliche Vereinbarung gibt und sich dies nicht grob nachteilig auswirkt. Öffentliche Stellen müssen von ihnen beschaffene Waren und Dienstleistungen innerhalb von 30 Tagen zahlen - nur im extremen Ausnahmefall sind 60 Tage möglich. Doch gerade der öffentliche Sektor stach mit einer verschlechterten Zahlungsmoral in der Umfrage heraus.

Die durchschnittliche Zahlungsdauer des öffentlichen Sektors in Europa stieg in der Umfrage von 2017 auf 41 Tage, verglichen mit 36 Tagen im Vorjahr. In Griechenland betrug der Zeitraum im Schnitt sogar 103 Tage, während es in Italien und Portugal 98 Tage waren. Ericson sagte, diese Zahlen "sollten für die europäischen Regierungen eine beunruhigende Nachricht sein, weil ihre eigenen Behörden die Anstrengungen behindern, das Wachstum und den Stellenaufbau anzukurbeln".

Das Schwert "Niedrigzinsen" ist stumpf geworden
Die Umfrage zeigt auch, dass die niedrigen Zinsen ihre Wirksamkeit verloren haben. Nur 13 Prozent der befragten Unternehmen sagten, dass die niedrigen Fremdkapitalkosten bei ihnen zu höheren Investitionen geführt hätten. Keinen Einfluss auf ihr Investitionsverhalten meldeten dagegen 81 Prozent.

Da vier von fünf Unternehmen der Ansicht sind, dass niedrige Zinsen nicht zu höheren Investitionen ermuntern, dreh sich Ericson zufolge nun alles um den Cashflow. "Schon frühzeitig einen stabilen Cashflow zu gewährleisten" sei nun "wichtiger" als Investitionen in Wachstum, sagte er. (aa)

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