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James Tomlins, M&G: "Vorbildlich sind nur 5,5 Prozent der Unternehmen"

Der Co-Fondsmanager des M&G (Lux) Global High Yield ESG Bond Fund, James Tomlins, stellt sich anlässlich der Fondslancierung sechs kritischen Fragen hinsichtlich der Anlagestrategie und insbesondere der praktischen Umsetzung eines ESG-Ansatzes im Sub-Investmentgrade-Universum.

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James Tomlins, M&G: "Wir denken, dass eine ESG-Strategie mit Hochzinsanleihen ein neues und eigenes Profil bieten kann."
© M&G

Vor kurzem hat M&G den M&G (Lux) Global High Yield ESG Bond Fund aufgelegt. Das Fondsmanagement verfolgt eine Strategie, die Hochzinsanleihen weltweit nach ihrem Beitrag für Umweltschutz, sozial verantwortliches Handeln und gute Unternehmensführung – kurz ESG – auswählt. Co-Fondsmanager James Tomlins, der gemeinsam mit Steven Isaacs den Fonds betreut, erläutert im Interview das Investmentkonzept und die Methodik in der Praxis.

IM: Hochzinsanleihen und Nachhaltigkeit scheinen auf den ersten Blick nicht unbedingt zusammenzupassen – warum setzt M&G auf diese Kombination?
Tomlins: Immer mehr Investoren wollen nachhaltig investieren und in den letzten Jahren ist die Research-Abdeckung nach ESG-Kriterien immer besser geworden. Endlich können wir auch den globalen Hochzinsmarkt konsequent einem Nachhaltigkeitsfilter unterziehen. Die meisten nachhaltig orientierten Anleihefonds konzentrieren sich aber noch auf Emittenten mit Investment Grade. Wir denken, dass eine ESG-Strategie mit Hochzinsanleihen ein neues und eigenes Profil bieten kann.

Wie unterscheidet sich dieser Ansatz von einer konventionellen globalen Hochzinsstrategie?
Tomlins: Die Konzentration auf den Faktor Nachhaltigkeit bedeutet, dass wir das investierbare Universum einschränken. Wir haben uns für einen dreistufigen Prozess entschieden, der die Stärken und Schwächen der gängigen ESG-Methoden ausgleicht. Darüber hinaus verzichten wir auf CDS-Indizes – die oft zur Verbesserung der Liquidität eingesetzt werden – da diese teilweise mit unseren ESG-Kriterien in Konflikt geraten könnten. Stattdessen halten wir tendenziell mehr Cash, um eine ausreichende Liquidität im Fonds zu gewährleisten.

Welche Nachhaltigkeitsfilter wenden Sie an?
Tomlins: Startpunkt unserer Überlegungen ist das Geschäftsmodell der Emittenten. Als erstes schließen wir Unternehmen aus, die gegen die Prinzipien des UN Global Compact verstoßen und sich in Bezug auf Menschenrechte, Arbeits- und Umweltschutz sowie Korruption unethisch verhalten.

Danach wenden wir ein negatives Sektor-Screening an und filtern Unternehmen heraus, die Umsätze mit Tabak, Alkohol, Pornografie, Glücksspiel, Kohle Rüstung und Waffen erzielen.

Auf der dritten Stufe werden die ESG-Schlusslichter einzelner Branchen ausgesiebt.

... und wie funktioniert das?
Tomlins: Hier arbeiten wir mit MSCI zusammen, dem nach unserer Einschätzung führenden Anbieter von ESG-spezifischem Research mit einer klaren und messbaren Methodologie. Die Bewertung der ESG-Performance eines Unternehmens erlaubt nur einen begrenzten branchenübergreifenden Vergleich.

Einige Industriezweige sind an Aktivitäten beteiligt, die in erster Linie die Umwelt betreffen, bei anderen stehen etwa Cybersicherheit, Produktsicherheit oder Arbeitsrechte im Vordergrund. Daher vergleichen wir mit einem branchenadjustierten Rating die Standards und Leistungen eines Unternehmens mit denen seiner Branche.

Die Rangliste reicht von Branchenführern (MSCI-Rating 7,1-10) über Unternehmen mit durchschnittlichem ESG-Standard (ESG-Rating 2,9-7,1) bis hin zu den Schlusslichtern – diese weisen ein ESG-Rating unter 2,9 auf.

Warum verfolgen Sie nicht einfach einen „Best-in-Class“-Ansatz?
Tomlins: Tatsache ist, dass das globale Hochzinsuniversum im Durchschnitt niedrigere ESG-Standards als die Investment-Grade- oder Staatsanleihenmärkte aufweist. Als vorbildlich werden nur 5,5 Prozent der Unternehmen eingestuft. Wenn wir uns nur auf die jeweils Branchenbesten konzentrieren würden, könnten wir mit nachhaltigen Hochzinsanleihen kein ausgewogenes Portfolio aufbauen.

Aber: Über die Hälfte der Emittenten von Hochzinsanleihen erzielt einen mittleren oder überdurchschnittlichen ESG-Score – und genau diese Unternehmen sind aus unserer Sicht interessant.

Mit drei Filtern fallen viele Emittenten von vornherein aus. Wie wirkt sich dies auf das Anlageuniversum aus?
Tomlins: Unternehmen, die gegen die Prinzipien des UN Global Compact verstoßen, machen rund 3,5 Prozent des globalen Hochzinsmarktes aus. Das Sektor-Screening grenzt weitere acht Prozent der Emittenten aus, wobei Rüstung und Waffen sowie Glücksspiel hier den größten Anteil haben. Am stärksten wirkt sich der Ausschluss der ESG-Schlusslichter aus – das betrifft rund 22 Prozent des Hochzinsmarktes. Der potenziell verfügbare Markt liegt jedoch bei immerhin 1,2 Billionen US-Dollar und mehr als 2.200 Anleihen weltweit. Dieses ESG-Hochzinsuniversum ist sowohl geografisch als auch aus Branchensicht breit diversifiziert, so dass für ein attraktives Portfolio ausreichend Alternativen zur Verfügung stehen.

Wir danken für das Interview. (aa)

 

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