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LIBOR-Umstellung: Emittenten wollen Investoren über den Tisch ziehen

Die Abkehr vom Referenzzinssatz LIBOR wird von einigen Emittenten dazu genutzt, Investoren unvorteilhafte Kreditbedingungen aufs „Auge zu drücken“ – teilweise sogar rückwirkend. Die Franklin Templeton Group erklärt, wie sie zum Wohle ihrer eigenen Investoren auf diese Entwicklung reagiert.

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Mark Boyadjian, Franklin Templeton: „Unerhörterweise sind in Kreditverträgen für Neuemissionen auch Klauseln zu lesen, die dem Emittenten erlauben, den Referenzsatz LIBOR ohne die Zustimmung anderer Kreditgeber zu ändern. Überdies standen diese Passagen nicht in den Vertragsentwürfen, die den Anlegern übermittelt wurden. Sie wurden erst den Schlussfassungen der Kreditverträge hinzugefügt.“
© Franklin Templeton

Nachdem „Institutional Money“ Anfang des Monats darüber berichtete, dass dem LIBO (London Interbank Offered Rate) eine ungewisse Zukunft bevorsteht, geht es dieses Mal auf die unmittelbaren Auswirkungen auf die Investoren. Denn bei der Schaffung neuer Kredite besteht die Gefahr, dass Investoren über den Tisch gezogen werden.

LIBOR-Umstellung ist machbar
Die Franklin Templeton Fixed Income Group, ein wichtiger Player am Markt für Bank Loans, deren Verzinsung bekanntlich auf dem LIBOR basiert, glaubt, dass angesichts der ständigen Kündbarkeit dieser Art von Krediten die meisten Emittenten die Änderungen beim LIBOR wie einen Teil des Refinanzierungsprozesses behandeln und ihre Kreditverträge deutlich vor dem Termin anpassen dürften. Und sie sollten in der Lage sein, die sich abzeichnenden Ersatzlösungen zu berücksichtigen.

Anlegerrechte werden verwässert
„Unsere Bedenken sind jedoch unmittelbarer. Es gibt Versuche, die Anlegerrechte in Bezug auf den Referenzzinssatz (LIBOR) aufgrund der Unklarheit über die Zukunft des LIBOR-Satzes zu verwässern“, warnt Mark Boyadjian, Senior Vice President und Director der Floating Rate Debt Group von Franklin Templeton.

So hätten einige Unternehmen ihren Kreditverträgen für Neuemissionen Passagen hinzugefügt, die es ihnen erlauben, ohne die Zustimmung aller Kreditgeber einen Ersatzzinssatz für den LIBOR zu wählen. „Aus unserer Sicht ist es eine Grundregel des Kreditgeschäfts, dass jeder betroffene Kreditgeber einer vorgeschlagenen Verringerung des Zinssatzes für einen Kredit zustimmen sollte“, moniert Boyadjian völlig zurecht.

Alarmierender Trend
Boyadjian und seine Kollegen halten dies für einen alarmierenden Trend. Zustimmende Kreditgeber könnten auf Basis anderer Erwägungen Maßnahmen ergreifen, die nicht im Interesse der nicht zustimmenden Kreditgeber liegen. Diese Erwägungen könnten das sonstige Geschäft des Emittenten, künftige Geschäftsmöglichkeiten oder Beteiligungen an anderen Teilen der Kapitalstruktur betreffen, die ihnen einen Anreiz geben, die Vergütung für vorrangig besicherte Kredite zu verringern.

„Unerhörterweise sind in Kreditverträgen für Neuemissionen auch Klauseln zu lesen, die dem Emittenten erlauben, den Referenzsatz LIBOR ohne die Zustimmung anderer Kreditgeber zu ändern. Überdies standen diese Passagen nicht in den Vertragsentwürfen, die den Anlegern übermittelt wurden. Sie wurden erst den Schlussfassungen der Kreditverträge hinzugefügt“, führt Boyadjian weiter aus, um anzufügen: „Die Rechtmäßigkeit und die Redlichkeit eines solchen Vorgehens sind fragwürdig, doch wir verfolgen gegenüber dieser Entwicklung einen proaktiven Ansatz. Wir suchen in den Entwürfen von Kreditverträgen jeglicher Neuemissionen, in denen wir eine Anlage erwägen, nach diesen Passagen. Als Bedingung für eine Anlage fordern wir die Zustimmung zu jeglichen Änderungen am LIBOR oder dem Referenzzinssatz“


Veranstaltungshinweis: Franklin Templeton ist einer der vielen namhaften Sponsoren am 11. Institutional Money Kongress Ende Februar 2018 in Frankfurt. Wenn Sie wissen wollen, zu welchem Thema die US-Gesellschaft ihren Workshop hält, klicken Sie HIER.

 


Sekundärmarktpapiere bevorzugt
In diesem Umfeld geben Boyadjian und sein Team nach wie vor Anlagen am Sekundärmarkt gegenüber Neuemissionen den Vorzug. In der Vergangenheit bot der Sekundärmarkt beste Gelegenheiten. Nun scheint er auch für die Unsicherheit in Bezug auf Vertragspassagen Abhilfe zu schaffen.

Es sei laut Boyadjian gut möglich, dass sein Haus aufgrund „dieser unerhörten Klauseln“ von Investments in ansonsten attraktiven Neuemissionen Abstand nehmen. „Wir gehen lieber auf Nummer sicher und schützen unsere Anleger vor einseitigen Klauseln in Kreditverträgen und vor unvorhersehbaren Änderungen der Regeln, die das Renditeprofil der Anlage beeinträchtigen. Wir sind der festen Überzeugung, dass sich der Leveraged-Loan-Markt wie in der Vergangenheit schlussendlich gegenüber den sich ändernden Vorschriften als robust erweisen wird“, erklärt Boyadjian abschließend. (aa)

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