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Gibt Ray Dalio etwa Bridgewaters Geheimnisse preis?

Diese gelten als eines der bestgehüteten Geheimnisse der Hegdefondswelt. Es sieht so aus, als dächte der Gründer von Bridgewater Associates, Hedgefonds-Urgestein, Ray Dalio, nun ernstlich daran, sein Managementsystem und seine Firmenkultur mit der Welt zu teilen.

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Ray Dalio
© Bloomberg

“Wir denken daran, unsere Algorithmen anderen zur Verfügung zu stellen", sagte Dalio in einem Bloomberg TV-Interview. "Wir überlegen gerade, wie diese zu einer Anzahl anderer Gesellschaften passen."

Radikale Änderung

Dalio, Mastermind des größten Hedegfonds der Welt und Milliardär, hat eine eher ungewöhnlichen Managementansatz entwickelt und diesen in mehrere Computer Apps zusammengefasst. Dazu gehört etwa der "Dot Collector", ein Raster, den die Brigdewater-Mitarbeiter benutzen, um sich gegenseitig - für jeden einsehbar in der Firma - zu raten, aber auch der Schmerzkopf (Pain Button), der dazu verwendet wird, Emotionen wie Ärger oder Frustration aufzuzeichnen. Aber auch Baseball Cards zählen dazu, die eine Auflistung von Stärken und Schächen jedes Mitarbeiters umfassen und ebenfalls von jedermann in der Firma eingesehen werden können. 

Tech-Unternehmen können es kaum erwarten

Mehrere große Technologiefirmen in Silicon Valley seien ganz erpicht darauf, diese Ideen zu implementieren, sagte Dalio im Interview, nannte aber kein Unternehmen beim Namen. Die erste Weitergabe könnte in etwa 18 Monaten erfolgen. In Silicon Valley treffe man oft auf die Auffassung, dass Schwarmintelligenz beim Treffen von Entscheidungen eine Stärke besitze und leistungsorientierte Ideen befördere, sagte Dalio. Traditionelle Organisationsstrukturen seien dadurch stärker herausgefordert. 

Freier Gedankenaustausch ist essentiell

Nach Dalios Ansicht sind viele Unternehmen unredlich oder dysfunktional, da sie Mitarbeiter nicht frei ihre Gedanken äußern lassen und die Entscheidungsfindung oft von Emotionen mitbestimmt oder von interner Firmenpolitik beeinflusst wird.

Die Geheimhaltung wichtiger Firmen-Interna hat Bridgewater zum Gegenstand von Faszination werden lassen, aber auch Skeptiker auf den Plan gerufen. Die Praxis, den Meinungsaustausch der Angestellten aufzuzeichnen und jüngere Mitarbeiter zu ermutigen, auch höherrangige Angestellte öffentlich zu kritisieren, hat einen gewissen Kult-Status erlangt, den Dalio aber zurückweist. Dies sei vielmehr der Grund für den Unternehmenserfolg, den er, Dalio, und sein Unternehmen gehabt habe. Dies sei keine Utopie, sondern gelebte Realität. 

Die Wissenschaft, die sich der Methoden bei Bridgewater angenommen hat, ist voll des Lobes. Robert Kegan, Psychologe und Harvard-Professor an der Graduate School of Education, bezeichnet Bridgewater als eine der wenigen, mit Absicht entwicklungsorientierten Organisationen.

Anregende Mythologie 

Der 68-jährige Dalio hat einige von Bridgewaters Tools in seinem neuen Buch mit dem Titel “Principles” angesprochen, dasss diesen Monat erscheint. Darin schreibt er, teilweise von Joseph Campbells Studien zu vergleichenden Mythologie angeregt worden zu sein, im Besonderen von der Rückkehr des Helden nach bestandenen Abenteuern, wenn dieser die Daheimgebliebenen am Gelernten teilhaben lässt. 

Neues Buch im Handel

Das Buch befasst sich auch mit jenem entscheidenen Moment des Durchbruchs im Jahr 2012, als Ray Dalio realisierte, dass Bridgewater den selben Ansatz beim Treffen von Management-Entscheidungen übernehmen könnte, den es beim Fällen von Investment-Entscheidungen schon jahrelang eingesetzt hatte, nämlich ihn in Computer-Algorithmen zu programmieren. 

"Ich bin zuversichtlich, dass es dasselbe sein kann", sagte Dalio in einer Sitzung des Management Komitees von Bridgewater vom 10. November 2012, dessen Memo den Titel "The Path Out: Systematizing Good Management" trägt. Die einzige Frage sei, ob es schnell genug geschehe und was in der Zwischenzeit passiere, so Dalio damals. 

Dalío tüftelt noch daran, wie er seine Management Tools an den Mann bringen soll. Eine steht aber laut Daio schon fest: Es wird keine Geldmaschine für Bridgewater werden. (kb)

 

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