Das Fachmagazin für institutionelle Investoren

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:
Ad

Weltwirtschaft am Wendepunkt?

Welche Ereignisse werden die globale Expansion voraussichtlich unterbrechen, und wie können sich die Anleger darauf vorbereiten? Lesen Sie unsere Analyse der weltweiten Wirtschaft und Märkte für die nächsten drei bis fünf Jahre.

Anzeige
| Märkte
twitterlinkedInXING

Entspannte französische Asset Manager: Gelassenheit bei Wahlrisiko

Weit weg von Paris sorgen sich globale Investoren um die Risiken für Anlagewerte aller Klassen, falls die EU-kritische Rechtspopulistin Marine Le Pen die Präsidentschaftswahlen gewinnen sollte. In Paris selbst sieht man das relaxter.

frankreich-flagge.jpg

Die größten französischen Vermögensverwalter, die zusammen ein Anlagevolumen von 2,8 Billionen Euro betreuen, halten an ihren europäischen Aktienpositionen fest. Amundi und Axa IM zählen zu denjenigen, die dem Wahlausgang zuversichtlich gegenüberstehen.

Wie interpretieren die Marktteilnehmer die Dynamik des französischen Wahlverfahrens?

Umfragen sehen Le Pen, die Vorsitzende des Front National, bei der ersten Wahlrunde am 23. April als Gewinnerin - und zwei Wochen später als Verliererin. Französische Fondsmanager halten es für möglich, dass an den Märkten Volatilität aufflackern wird. Sie gehen jedoch auch davon aus, dass am Ende ein gemäßigterer Kandidat das Rennen um die Präsidentschaft machen wird. Daher sagen sie, dass sich Investoren wieder auf die Fundamentaldaten zurückbesinnen sollten: die Konjunkturerholung und stärkere Unternehmensergebnisse. 

Frankreichs Benchmark-Index, der CAC 40, mit einem Börsenwert von 1,1 Billionen Euro, entwickelt sich seit Jahresanfang schlechter als der deutsche Dax. Gleichzeitig hat sich die Renditedifferenz zwischen den zehnjährigen Staatsanleihen beider Länder so stark ausgeweitet wie seit der Staatsschuldenkrise im Euroraum 2012 nicht mehr.

Skeptisches außereuropäisches Ausland

Globale Investoren haben vergangenes Jahr netto 113 Milliarden US-Dollar aus europäischen Fonds abgezogen, und dieses Jahr sind bislang gerademal 1,3 Milliarden US-Dollar wieder zugeflossen, wie aus Angaben von Bank of America Merrill Lynch unter Verweis auf Daten von EPFR Global hervorgeht. Die Stimmung in Bezug auf französische Aktien ist so schlecht wie seit fast zwei Jahren nicht mehr und der französische Aktienindex ist laut BofA der am wenigsten favorisierte.

Fünf große französische Asset Manager und ihre Markteinschätzung

Amundi: Das französische politische Risiko werde überschätzt, sagt Philippe Ithurbide, weltweiter Leiter Research, Strategie und Analyse bei Amundi. Die Gesellschaft betreut ein Anlagevolumen von 1,1 Billionen Euro. "Eine Sache, die ausländische Investoren nicht wirklich verstehen, ist das Zwei-Runden-System bei den französischen Präsidentschaftswahlen", sagt Ithurbide. "Le Pen kann in der ersten Runde vorne liegen, aber die zweite Runde ist wie eine völlig neue Wahl. Für globale Investoren ist das Risiko binär: Wird das Wahlergebnis die EU gefährden oder nicht? Wenn Le Pen verliert, hat der Markt Aufwärtspotential." Amundi ist übergewichtet bei europäischen Aktien, wie Ithurbide gegenüber Bloomberg erläutert. Er verweist auf attraktive Bewertungen und Dividendenrenditen, die zu den höchsten weltweit zählen. Zudem favorisiert der Fondsmanager europäische Unternehmensanleihen.

AXA Investment Managers ist relativ zuversichtlich in Bezug auf das Endspiel, erwartet aber eine holprige Strecke bis zur Wahl. "Es wird sicherlich Volatilitätsspitzen geben", sagt Maxime Alimi gegenüber Bloomberg News. Er ist Investment-Manager bei AXA IM, die 717 Milliarden Euro verwaltet. "Aber die Chancen von Le Pen erscheinen ziemlich gering, und anders als Donald Trump ist sie kein neues Phänomen. Wenn es ihr gelingen sollte, die Wahlen zu gewinnen, steht sie vor der Situation, dass die EU-Mitgliedschaft Frankreichs in der Verfassung festgeschrieben ist. Das zu ändern, ist so etwas wie eine Mission Impossible." AXA IM ist bei europäischen Aktien neutral gewichtet und will ihr Engagement erst erhöhen, wenn die Wahl vorüber ist. "Es könnte passieren, dass sich europäische Aktien in der zweiten Jahreshälfte besser entwickeln als US-Aktien. Das hat es auf nachhaltiger Basis seit 2009 nicht mehr gegeben", sagt Alimi. 

Natixis Asset Management: Für Yves Maillot von Natixis AM mit einem Anlagevolumen von 360 Milliarden Euro sind die Chancen, dass Le Pen die Wahlen gewinnt, gering. Anders als bei der Brexit-Abstimmung oder den US-Präsidentschaftswahlen, seien Le Pens Werte in den Umfragen für die zweite Wahlrunde weit weg von der Fehlermarge. "Globale Investoren sehen eine höhere Wahrscheinlichkeit für ein Le-Pen-Szenario als die jüngsten Umfragen zeigen", sagt Maillot, Leiter Aktien Europa, "das erklärt die leicht unterdurchschnittliche Entwicklung französischer Aktien bislang in diesem Jahr und den Mangel an Zuflüssen in europäische Aktien." Natixis AM ist übergewichtet bei Aktien aus entwickelten Märkten, mit einer Neigung zu europäischen Aktien, aufgrund der positive Dynamik der makroökonomischen Daten der Region.

La Francaise: "Wir teilen die Angst der ausländischen Investoren zu den französischen Wahlen nicht", sagt Pascale Auclair, Managing Director und Investment-Chef bei La Francaise. Die Gesellschaft betreut 60 Milliarden Euro. "Die Situation ist ziemlich volatil und das Ergebnis ist immer noch sehr unsicher, aber unser zentrales Szenario bleibt, dass ein moderater Kandidat obsiegen wird. die politische Unsicherheit ist momentan so hoch, dass es eine Erlösungsrallye geben könnte, wenn die Wahlen vorüber sind." La Francaise ist derzeit übergewichtet bei "Risiko", mit einer neutral bis positiven Haltung zu Aktien allgemein. "Wir warten auf weitere Anzeichen für eine Wende bei den Unternehmensergebnissen, bevor wir unser Engagement in Aktien erhöhen", sagt Auclair. 

BNP Paribas Investment Partners: Thierry Creno ist vorsichtiger. Der Leiter Multi-Asset-Solutions Frankreich bei BNPP IP mit einem Anlagevolumen von 560 Milliarden Euro geht davon aus, dass das politische Risiko noch eine Weile andauern wird. "Die politischen Unsicherheiten in Europa werden nach der Präsidentschaftswahl in Frankreich nicht verschwinden. Es wird wahrscheinlich vor Jahresende noch Wahlen in Italien geben." BNPP IP ist untergewichtet bei Aktien aus entwickelten Märkten und Hochzinsanleihen, übergewichtet bei liquiden Mitteln und wartet auf bessere Gelegenheiten. Der Asset Manager setzt Optionen auf Aktien aus dem Euroraum ein, um Portfolios vor den Wahlen in Frankreich abzusichern. (kb)

twitterlinkedInXING

News

 Schliessen