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DVFA: Vordringen passiver Investments vergrößert Aktivisten-Einfluss

Eine Umfrage zur Jahreswende unter 100 Investment Professionals ergab, dass diese überwiegend positive Effekte sehen, wenn Aktionäre sich aktiv in die Unternehmensführung einmischen.

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DVFA-Vorstandsvorsitzender Stefan Bielmeier
© DZ Bank

Stada, Gea, Grammer - you name it - sind nur einige Namen deutscher Aktiengesellschaften, bei denen im vergangenen Jahr die Interventionen von sogenannten „aktivistischen Investoren“ für Schlagzeilen gesorgt haben. Die in der DVFA e.V. organisierten Investment Professionals in Deutschland halten es grundsätzlich für richtig, wenn Investoren durch Änderungen im Management, Geschäftsmodell oder in der Konzernstruktur den Wert des Unternehmens steigern wollen.

Gegengewicht zum Vordringen von ETF & Co. 

In einer aktuellen Umfrage des Verbandes begrüßen 60 Prozent ein über die bloße Ausübung des Stimmrechts hinaus gehendes Engagement von Investoren – zumal als Gegengewicht zum Vordringen des passiven Investments. Vorstandsvorsitzender Stefan Bielmeier kommentiert: „Eigentum schafft Verantwortung. Nur, wenn die Mehrheit der Aktionäre schweigt, erlangen die Aktivisten einen Einfluss, der weit über ihre Abstimmungsmacht hinausgeht oder den langfristigen Interessen aller Aktionäre schadet.“

Worauf sollen Aktivisten denn genau Einfluss nehmen? 

Wenn es um die einzelnen Aktionen von aktivistischen Investoren geht, sind sich die von ihrem Verband befragten deutschen Analysten, Fondsmanager, Banker und Vermögensverwalter ziemlich einig: 85 Prozent sagen, dass Aktionäre auf die Besetzung des Aufsichtsrats Einfluss nehmen sollten; bei Veränderungen im Vorstand stimmen noch drei Viertel von ihnen zu. In Sachen Vorstandsvergütung begrüßen zwei Drittel der Befragten eine aktive Rolle der Aktionäre, etwas weniger (63 Prozent), wenn es darum geht, konkrete Maßnahmen zur Steigerung der Rendite vorzuschlagen. Die Regeln für die Unternehmensführung zu verändern, sehen mehr als drei Viertel der Befragten (77 Prozent) als Aufgabe für aktive Aktionäre.

Motivlage: Spin-off und M&Am gefolgt von Renditesteigerung

Als Motiv für die Kampagnen von aktivistischen Aktionären sehen die Befragten vor allem die Steigerung des Unternehmenswertes durch Spin-offs oder andere M+A-Aktivitäten (80 Prozent). Eine allmähliche und längerfristige Steigerung der Rendite für alle Aktionäre halten zwei Drittel der Umfrageteilnehmer für das Anliegen von Aktivisten. Keine Rolle spielt nach Ansicht der Investment Professionals, die Ausrichtung des Unternehmens an ökologischen und sozialen Kriterien durchzusetzen. Auch den oft genannten Vorwurf, dass aktivistische Aktionäre sich öffentlichkeitswirksam positionierten, um von Shortpositionen zu profitieren, teilen die Befragten mehrheitlich nicht (26 Prozent).

Mehrheit sieht positive Einflüsse von Shareholder Aktivism ausgehen

Dementsprechend sehen die Investment Professionals vor allem positive Effekte, wenn Aktionäre sich aktiv bei den Unternehmen einmischen. 51 Prozent sind der Meinung, dass Aktivisten positive Impulse setzen für die Entwicklung eines Unternehmens; nur 19 Prozent stimmen dem nicht zu. So befürchten die Kapitalmarktexperten auch nicht, dass die Aktienkultur insgesamt unter der Einmischung von Aktivisten leiden könnte; nur 17 Prozent sehen diese Gefahr. Lediglich bei der Wahl ihrer Mittel sollten sie nach Ansicht der Investment Professionals vorsichtig sein und keine Informationsasymmetrie erzeugen. Das Lancieren von exklusiven Informationen über bevorzugte Medien halten nur ein Viertel (27 Prozent) für adäquat, noch weniger das allmähliche Anschleichen an ein Unternehmen durch die Vermeidung von Meldeschwellen; 59 Prozent halten das für ein „No Go“.

Anders das Meinungsbild der Profis bei der öffentlichen Forderung nach der Neubesetzung von Organen oder beim Beantragen von Sonderprüfungen und ähnlichen Verfahren. Dies halten 62 Prozent bzw. 61 Prozent für ein adäquates Vorgehen von aktivistischen Aktionären.

Image des Unternehmens ist im Auge zu behalten

Geteilter Meinung sind die befragten Kapitalmarktteilnehmer, wenn es um das Ausnutzen von Rechten geht, die speziell zum Schutz von Kleinaktionären eingeführt wurden. Das Anfechten von Squeeze Outs oder die Überprüfung von Abfindungen halten 34 Prozent von ihnen für ein legitimes Mittel, 47 Prozent finden, dass solche Aktionen dem Unternehmen schaden.  Überhaupt sei das Image des Unternehmens stets im Auge zu behalten, kommentierten die Befragten in ihren Antworten. Konstruktive Diskussionen zwischen Vorstand und Investoren seien öffentlichen Auseinandersetzungen immer vorzuziehen; Gegenanträge oder Sonderprüfungsanträge auf Hauptversammlungen sollten immer die „ultima ratio“ sein.

Taugliche Abwehrmaßnahmen

Gefragt, wie Unternehmen Kampagnen von Hedgefonds oder anderen aktivistischen Investoren generell verhindern könnten, geben die Investment Professionals einen klaren Rat: Transparenz und eine regelmäßige, ehrliche und offene Kommunikation des Vorstands mit den Aktionären entziehe ihnen die Grundlage. Für den Fall, dass es dennoch zu Kampagnen, etwa von Shortsellern, komme, sollte der Vorstand stets eine Kommunikationsstrategie in der Schublade haben, so ihre Empfehlung. (kb)

 

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