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Dr. Jens Ehrhardt: Strahlen Probleme am Rentenmarkt auf Aktien aus?

Das Anlagejahr 2018 wird laut Einschätzung von Dr. Jens Ehrhardt, Vorsitzender des Vorstands von DJE Kapital, schwieriger als 2017 werden. Trotzdem können institutionelle Investoren per saldo von steigenden Aktienkursen ausgehen. Probleme könnten jedoch vom Rentenmarkt kommen.

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Dr. Jens Ehrhardt, Vorsitzender des Vorstands von DJE Kapital: "Die USA dürften weiterhin nicht den monetären Rückenwind Europas haben, aber auch noch keinen monetären Gegenwind spüren, der zu einer Börsen-Baisse führen würde."
© Axel Gaube

Nach Dafürhalten von Dr. Jens Ehrhardt, dem Vorsitzenden des Vorstands von DJE Kapital, birgt der Rentenmarkt einige Risiken, die auch auf die Aktienmärkte ausstrahlen könnten. Daher sollten Investoren genau die Zinsentwicklung im Auge behalten, um zu überprüfen, ob Anleihen eines Tages wieder attraktiver als Dividenden- oder Growth-Werte werden. „Solange Anleihen mit ihrer minimalen Rendite allerdings weltweit keine Alternative zu Aktien darstellen - wie es aktuell der Fall ist - dürften die Aktienmärkte per saldo positiv tendieren“, schreibt Ehrhardt, und verweist dabei auf das Angebots-/Nachfrageverhältnis. Denn solange Aktien attraktiver seien als Anleihen und Unternehmen entsprechend Aktienrückkäufe - auch auf Kredit - vornehmen bei gleichzeitig begrenzter Menge an Aktienangebot - etwa durch Neuemissionen oder Kapitalerhöhungen-, dürfte der Börsentrend nach Ansicht Ehrhardts insgesamt aufwärts gerichtet bleiben. Dass die Wall Street im internationalen und im historischen Vergleich überteuert erscheine, spiele dabei keine Rolle.


Redaktioneller Hinweis: Wie es an den Aktien- und Rentenmärkten weitergehen könnte, erfahren institutionelle Investoren am besten am 11. Institutional Money Kongress, der im Februar 2018 im Frankfurter Congress Center stattfindet. Welche namhaften Starreferenten wir engagierten und welche interessanten Workshops und Gruppengespräche angeboten werden, erfahren Sie HIER.


Shiller-KGV ist kein guter Indikator
Ehrhardt weist mit Blick auf die Vergangenheit darauf hin, dass Gewinnbewertungen als Timing-Instrument für die Börsenentwicklung selten funktionierten. „Würde man nach dem Zehn-Jahres-Kurs/Gewinn-Verhältnis des Wirtschaftsnobelpreisträgers Robert Shiller seine Börsenentscheidungen nach der Gewinnbewertung treffen, hätte man schon 2010 alle Aktien verkaufen müssen“, erklärt Ehrhardt.

Die größten Risiken dürften aber nicht am Aktienmarkt, sondern im Fixed-Income-Bereich schlummern. „Sollten die Zinsen wegen guter Konjunktur und steigender Inflation wieder anziehen, dann bringen Anleihen nicht nur völlig unattraktive Zinsen, sondern auch erhebliche Kursgefahren bei länger laufenden Titeln mit sich“, schreibt Ehrhard. Besonders amerikanische Unternehmensanleihen erscheinen dann laut dem DJE-Mastermind gefährdet, da die Zinsen in den USA im historischen Vergleich besonders niedrig sind. „Weil die Bilanzrelationen im Durchschnitt schon heute sehr schlecht sind, ist im Falle einer Rezession die Gefahr für Zahlungsausfälle bei Unternehmensanleihen besonders groß“, warnt Ehrhardt.

Aber auch am Alten Kontinent seien Unternehmensanleihen mit noch tieferen Zinsen unattraktiv und bei Zinssteigerungen sehr gefährlich. „Im Gegensatz zu den USA hat die Europäische Notenbank bisher Unternehmensanleihen für dreistellige Milliardensummen aufgekauft und so nicht nur Regierungen über den Kauf von Staatsanleihen verbotenerweise mit Kapital versorgt. Private Unternehmen sind durch diese Käufe ebenfalls subventioniert worden. Scheinbar sind dies schon Probemanöver, um bei der nächsten Rezession nicht nur insolvente Staaten über Wasser zu halten, sondern auch gefährdete europäische Unternehmen mit Billigst-Krediten zu versorgen, indem die Zentralbank auch Anleihen schlechter Bonität direkt vom Unternehmen kauft“, prognostiziert Ehrhardt.

Private Schuldner müssen liquide bleiben
Wie die Finanzkrise 2007 in den USA gezeigt habe, liegen laut Meinung Ehrhardts die Hauptgefahren für das Finanzsystem in der Zahlungsunfähigkeit privater Wirtschaftsteilnehmer. Rund um den Globus hätten es sich die Notenbanken inzwischen angewöhnt, ihre eigenen überschuldeten Staatsfinanzen durch Aufkauf von Staatsanleihen zu subventionieren.

Nachdem es en vogue geworden sei, Staaten - wie zum Beispiel Japan - unbegrenzt von der Notenbank zu finanzieren, könnte es in der nächsten Krise vielleicht genauso zur Gewohnheit werden, dass Notenbanken die Unternehmen durch den Aufkauf von Unternehmensanleihen retten. „Man muss sich also weiterhin auf unorthodoxe Maßnahmen einstellen“, erklärt Ehrhardt.

Zentralbanken geht irgendwann das Pulver aus
Dabei stelle sich die Frage, ob solche Aktionen nicht doch auf die Dauer zu höheren Inflationsraten führen. Denn die heutigen Manöver der Notenbanken seien nur möglich gewesen, weil die Inflationsraten nicht auf die Geldmengenschübe reagiert haben. Im Falle eines stärkeren Inflationsanstiegs können die Notenbanken mit weiterem Gelddrucken aber nicht zusätzlich Öl ins Inflationsfeuer gießen.

Bei hoher Inflation sind Realwerte gefragt
Zudem werde sich laut Ehrhardt zeigen, ob größere Wirtschaftseinbrüche oder Finanzkrisen auch dann noch von den Notenbanken erfolgreich gemeistert werden können, wenn die Inflationsraten nach oben schießen. Aktien und andere Sachwerte dürften aber in einem solchen Falle wesentlich aussichtsreicher und geschützter sein als Nominalwerte wie Anleihen. „Trotz aller Unsicherheiten über die zukünftige weltweite Konjunkturentwicklung erscheint es deshalb ratsam, in aussichtsreichen Aktien investiert zu bleiben. Inflationsgefahren oder auch geopolitische Risiken dürften sich mit einer soliden Aktienanlage am besten steuern lassen“, erklärt Ehrhardt abschließend. (aa)

 

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