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Warum uns der Sektor „nicht-basiskonsumgüter“ in Europa gefällt

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Der Indikator für das Verbrauchervertrauen in der Eurozone zeigt zunehmenden Optimismus. Gleichzeitig steigen auch die Reallöhne, und die Kreditaufnahme von Haushalten. Von diesem Trend dürfte der Sektor Nicht-Basiskonsumgüter kurzfristig profitieren.

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1/2017 | Theorie & Praxis
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Heute viel breiter aufgestellt

Was haben Investoren auf ihrer Investmentagenda 2017? Verschiedene Marktbeobachter berichten, wie sich das Anlageverhalten institutioneller Investoren verändert hat und wie sie sich für 2017 aufgestellt haben.

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Die Investoren bauen ihre Investitionen in die „neuen Assetklassen“ aus. Das Rentensegment wird hingegen abgebaut, wobei innerhalb des Segments Umschichtungen raus aus Staatsanleihen und hin zu Unternehmens- und Schuldscheindarlehen stattfinden.

Die Umschichtungstrends institutioneller Investoren sind ein Seismograf für die wirtschaftliche, geldpolitische, politische und regulatorische Wahrnehmung und deuten an, wohin die Reise gehen wird. Daher ist es interessant, sie zu betrachten.

„Ende 2016 waren institutionelle Inves­toren noch von einer Aktieneuphorie getragen. Sie sahen hier Chancen nach der Wahl von Donald Trump, der für Steuer­senkungen und mehr Investitionen sorgen will“, beobachtet Tobias Löschmann, Co-Head of Institutional Sales bei Pioneer Investments. „Seit Anfang 2017 sind die Investoren wieder eher vorsichtig – was vermutlich mit den politischen Risiken, die 2017 anstehen, in Verbindung steht.“

Tatsächlich stehen wichtige Wahlen in Frankreich und Deutschland an, und man muss sehen, was Trump in den USA macht, wenn er sich erst an die Präsidentenrealität gewöhnt hat. Daneben sind auch die geo­politischen Konfliktherde in der Ukraine und in Nordafrika längst nicht gelöst, und mit der Türkei entwickelt sich gerade neuer Zündstoff. Hinzu kommen ein möglicher Zinsanstieg, aber aktuell immer noch niedrige Renditen; kurzum: Investoren haben es nicht leicht.

Mehr alternative Assetklassen
„Wir beobachten, dass institutionelle ­Investoren ihre Engagements in Hedgefonds  in letzter Zeit abgebaut haben“, erklärt Katja Müller. „Im Aufbau befinden sich hingegen die sogenannten ‚neuen Assetklassen‘. Hier standen 2016 insbesondere Private-Equity- und Private-Debt-Anlagen hoch im Kurs.“ Offenbar wollen hier die Investoren die benötigte Rendite ernten.

Müller ist Bereichsleiterin für Sales & Relationship Management bei der Masterfonds-Gesellschaft Universal-Investment, die seit Kurzem im Eigentum des Private-Equity-Investors Montagu steht. Müller gibt einen Überblick über das Anlageverhalten institutioneller Investoren, den sie aus der Analyse der Daten der bei Universal-Investment administrierten Spezialfonds hat. Diese haben ein Gesamtvolumen von 216 Milliarden Euro und machen laut eigenen Angaben 15 Prozent des gesamten deutschen Spezialfondsmarktes aus, geben also eine gute Indikation über das, was Investoren in der indirekten Anlage – über Fonds – tun.

Ausbau der Kapazitäten
In den „neuen Assetklassen“ bauen die Investoren zunehmend Kapazitäten auf, auch wenn sie diese fürs Erste durch entsprechend spezialisierte Asset Manager verwalten lassen. „Aber auch die externen ­Asset Manager müssen gesteuert und bewertet werden, was ebenfalls Know-how erfordert“, meint Müller und ­ergänzt: „Parallel zum gestiegenen Interesse der Investoren an alternativen Assetklassen haben auch wir als Master-KVG in diesem Bereich entsprechend in Kapazitäten und Technik inves­tiert.“

Gestützt wird Müllers Beobachtung auch durch die Ergebnisse einer Untersuchung von McKinsey, für die 27 Pensions- und Staatsfonds mit einem Gesamtvermögen von 7,4 Billionen US-Dollar befragt wurden. Darin geben die großen Pensionsfonds an, direkte Investmentkapazitäten insbesondere in den Bereichen Private Equity, Infra­struktur und Immobilien aufbauen zu wollen, ­wobei sie den Bereich Private Equity eher durch Co-Investments abdecken ­wollen. Auch der Wunsch der Pensionsfonds, eigene Plattformen für diese Assetklassen zu entwickeln oder zu erwerben, kommt in der Untersuchung zum Ausdruck (siehe Chart „Pensionsfonds bauen Know-how auf“).

In dieselbe Richtung deutet auch eine Presseinformation von BayernInvest vom Februar 2017, wonach der Fondsmanager und -administrator seine Kapazitäten im Bereich alter­nativer Assets ausbaut. Darin kündigt BayernInvest an, künftig mit Ardian, einem weltweit führenden Private-Equity-Unternehmen, kooperieren zu wollen. „Die Kooperation umfasst Investments in Fonds, die Private-Equity-Strategien abdecken, sowie die Bereiche Infrastructure und Private Debt“, heißt es in der Mitteilung.

Auch Löschmann sieht die Notwendigkeit, dass Investoren in den „neuen Assetklassen“ eng mit spezialisierten Asset Managern zusammenarbeiten: „Gerade im Bereich ­Infrastruktur beobachten wir schon lange, dass sich die Investoren dafür interessieren. Einige überlegen noch, andere jedoch wollen rein, tun sich aber schwer, geeignete ­Investments zu finden. Selbst größere Inves­toren finden nicht immer das, was sie suchen, denn hier gibt es kein Angebot im Überfluss.“ Womöglich tun sich erfahrene und spezialisierte Asset Manager leichter bei der Auswahl und dann auch beim Sourcen solcher Investments.

Real Assets bereits hoch allokiert
Auch Immobilien zählen zu den alternativen Investments, obwohl sie für die Inves­toren keineswegs eine neue Assetklasse darstellen. „Bei Immobilien sind die meis­ten Investoren bereits stark investiert“, meint Löschmann.

Müller erwartet aber trotz der bereits ­hohen Allokation weiteres Wachstum. Allein über die bereits zugesagten Commitments werden die Immobilienanlagen auf unserer Plattform in den nächsten Jahren um über 50 Prozent steigen. Als Master-KVG sorgen wir über die richtige Strukturierung zunächst dafür, dass die Regulierung von Anlage und Anleger zusammenpasst. Bei der dann folgenden Adminis­tration geht es beispielsweise um investmentrechtliche Erwerbbarkeitsprüfung oder die Integration in das Gesamt­anlagenreporting. Sie erklärt, dass in den Mas­terfonds von Universal-Investment Immobilien bereits sieben Milliarden Euro oder etwas mehr als drei Prozent ausmachen. „Zusätzlich haben wir Beteiligungs- beziehungsweise Infrastrukturprojekte für 16 Milliarden Euro oder 7,7 Prozent umgesetzt“, so Müller. „Damit stecken bereits über zehn Prozent in Real Assets ­respektive Immobilien – im Vergleich zu weniger als ein Prozent Anfang 2012.“ Auch wenn der Direktbestand an Immo­bilien immer noch hoch ist, erfolgen neue Investitionen meist über Fondsstrukturen.

Bei Immobilieninvestments gibt es einen klaren Home Bias: Bei den durch Universal-Investment administrierten Immobilien-Spezialfonds dominieren mit 48 Prozent eindeutig Objekte in Deutschland. „In den letzten zwei Jahren wurden Immobilienportfolios in Europa stärker aufgestockt als in Asien“, so Müller. Hinsichtlich der Nutzungsart waren Büroimmobilien bei den institutionellen Investoren bisher der Klassiker, aber hier sieht man, dass sich der Schwerpunkt verschiebt. „Investitionen in Fachmarktzentren steigen an. Insbesondere Lebensmitteldiskonter werden aufgrund der langlaufenden Mietverträge offenbar als stetige und renditestarke Investments angesehen.“ Auch der Anteil an Wohnimmobilien hat sich in den letzten zwei Jahren verdreifacht – er stieg von sechs Prozent im Mai 2014 auf 18 Prozent im September 2016.

Aktiengewichtung steigt
Neben den alternativen Anlagen steigen auch die Aktienquoten. Machten Aktien in den Spezialfonds von Universal-Investment Ende 2012 noch rund 23 Prozent aus, stieg ihr Anteil im Dezember 2016 auf 32 Prozent (siehe Chart „Aktien im Aufwind, Rentenquoten sinken“). „Hier wurden meist gar keine neuen Aktienmandate ausgeschrieben, sondern das zusätzliche Gewicht aufgrund der Marktentwicklung wurde mitgenommen. Die Investoren haben sich in der Gesamtheit also bewusst entschieden, die bestehenden Aktienpositionen beizubehalten oder lediglich leicht aufzu­stocken“, beobachtet Müller.

Auch bei Pioneer Investment sieht man kaum aktive Neuengagements in Aktien: „Wir können nicht beobachten, dass Investoren derzeit massiv Aktienmandate erteilen. Aktuell sind sie hier einfach vorsichtig, was sicher auch mit den geopolitischen Risiken, die derzeit vorherrschen, in Verbindung steht“, vermutet Löschmann.

Ähnlich äußert sich Thilo Wolf, Deutschland-Chef des Multi-Boutique-Hauses BNY Mellon Investment Management: „Aktien werden von deutschen Institutionellen nach wie vor stiefmütterlich behandelt. Wenn überhaupt, werden konservative Dividendenstrategien nachgefragt.“ Alle drei haben allerdings lediglich die indirekten Anlagen auf dem Schirm. „Die Allokation in Aktien und alternativen Anlagen ist in den Fondsanlagen sicher höher im Direktbestand“, rückt Müller das Bild zurecht. Dennoch sei die Erhöhung der ­Aktienquoten ein eindeutiger Trend, denn noch vor wenigen Jahren habe die Rentenallokation in den Gesamtanlagen oft bei 90 gelegen.

Versicherungsunternehmen weichen jedoch von diesem Bild erheblich ab: Laut Verbandszahlen des GDV lag der Aktien­anteil in der Kapitalanlage bei den Erstversicherern Ende 2015 bei 4,5 Prozent, wovon 0,1 Prozent direkt und 4,3 Prozent über Fonds gehalten wurden. Rentenanlagen ­haben bei den Versicherern nach wie vor mit 86,4 Prozent das bei Weitem größte ­Gewicht, während Immobilien (direkt und über Fonds) Ende 2015 im Schnitt 3,7 Prozent ausmachten. Entsprechend stark ist dann offenbar die Aktienquote bei den ande­ren Investorengruppen gestiegen.

Unternehmensanleihen und ­Darlehen aufgebaut
Genau entgegengesetzt stellt sich das Bild für Renten dar: Während hier in den von Universal-Investment administrierten Mas­terfonds die Allokation im Dezember 2011 noch bei rund 56 Prozent lag, beträgt sie nunmehr nur noch 45 Prozent (siehe Chart „Aktien im Aufwind, Rentenquoten sinken“).


„Innerhalb des Rentensegments haben die Investoren sehr bewusst Entscheidungen getroffen und ihre Anlagen umschichten lassen oder neue, spezialisierte Asset Manager ausgewählt“, zeigt Müller auf. Deutlich auf­gebaut wurde dabei die Gewichtung von Unternehmensanleihen (Ende 2011: 18,79 Prozent; Ende 2016: 34,24 Prozent) und von Schuldscheindarlehen und Loans. Entsprechend reduzierte sich der Anteil der Staatsanleihen zwischen Ende 2011 und ­Ende 2016 von 32,5 auf 24,5 Prozent (siehe Chart „Entwicklung der Rentensegmente“).
Das sieht auch Thilo Wolf so: „Wir beobachten eine steigende Nachfrage der Investoren nach illiquiden Strategien, insbesondere nach Private Debt. Immer mehr ­unserer Fixed-Income-Boutiquen bauen daher ihre Direct-Lending-Teams aus.“ Besonderes Augenmerk liegt dabei auf Darlehen an den Mittelstand und kleine Unternehmen, die angesichts der Bankenregulierung weniger Bankdarlehen als früher erhalten. „Hier ergeben sich inter­essante Renditemöglichkeiten für Investoren“, meint Wolf.

Er betont zudem, dass aktuell auch Investments in Global Short Dated High Yield und ABS stärker als früher nachgefragt würden, bei den ABS-Struk­turen insbesondere Mortgage Backed Securities. „Dabei ist aber die Qualität von ABS heute viel besser als 2007“, beruhigt Wolf. Eine weitere Nachfrage sieht er bei US-Muni­cipal Bonds, also bei kommunalen Schuldverschreibungen in US-Dollar. „Dabei handelt es sich meistens um AA-geratete Schuldner, und der Kupon im US-Dollar bewegt sich bei etwa 3,5 Prozent“, erklärt Wolf das gestiegene Interesse. „Dazu gehören auch US-amerikanische Infrastrukturbonds. In dieser Strategie verwalten wir aktuell rund 30 Milliarden Euro.“

Aus deutschen Staatsanleihen verabschieden sich die Investoren hingegen. Ihr relativer Anteil an den Staatsanleihen hat sich in den Spezialfonds bei Universal-Investment von Ende 2011 bis Ende 2016 von 7,7 auf drei Prozent mehr als halbiert. Angesichts der fallenden Renditen ­legen die Investoren bei Fälligkeiten die Gelder anderweitig an. Auch der Anteil der Staatspapiere aus Zentral- und Südeuropa bleibt niedrig. Einen leichten ­Anstieg erkennt Müller hingegen bei Staatsanleihen aus den Emerging Markets und aus den USA.

„Credit Linked Notes und sehr komplexe ABS-Strukturen sehen wir kaum mehr in den Spezialfonds“, beobachtet Müller. Auch das Gewicht der Pfandbriefinvestments fiel in den letzten Jahren. „Hier finden kaum Neuinvestitionen statt. Womöglich liegt das daran, dass die EZB einen Großteil der Neuemissionen aufkauft“, vermutet Müller.

Ähnliche Umschichtungsaktivitäten der Investoren beobachtet auch Ingrid Punz, die das Mandate-Tool von Institutional Money verantwortet: „Aktuell zeigt sich, dass innerhalb der Assetklassen – insbesondere im Rentensegment – der Diversifikationsgrad erhöht wird. Außerdem suchen institutionelle Inves­toren verstärkt Asset Manager, die ganz gezielt Mandate übernehmen: Indivi­duelle Betreuung und maßgeschneiderte Lösungen bei Berücksichtigung der hauseigenen Risikobudgets sind die entscheidenden Selektionsfaktoren, wobei das Kostenargument gerade im Niedrigzinsumfeld nicht minder wichtig ist. Dabei spielen die Hauptassetklassen Renten und Aktien nach wie vor eine dominante Rolle.“

Interesse an Absolute Return
Einen weiteren Trend stellt das zunehmende Interesse an gemischten Fonds dar. „Selbst bei sehr großen Investoren, die bisher eher auf reine Assetklassen gesetzt haben, konnten wir in letzter Zeit Absolute-Return- und Multi-Asset-Mandate gewinnen“, freut sich Löscher. „Die wollen natürlich auch einmal schauen, ob und wie so ein Absolute-Return-Ansatz funktioniert. Manche Investoren betrachten solche Fonds auch als eine Art eigene Assetklasse.“

Im Schnitt solide Ergebnisse
Trotz der schwierigen Zinssituation können sich die Portfolioergebnisse der Spe­zialfonds sehen lassen. Sie betragen im Schnitt der vergangenen zehn Jahre 3,89 Prozent per annum und lagen im Jahresdurchschnitt 2016 sogar bei 4,72 Prozent, obwohl der Start am Aktienmarkt 2016 alles andere als erfreulich verlief. „Dass die Portfolios Anfang 2016 weniger stark einge­brochen sind als die Indizes, zeigt, dass ­viele Investoren inzwischen erfolgreich Wertsicherungen betreiben, etwa durch regelbasiertes Overlay Management“, meint Müller.

Indirekte Anlage über Fonds
Für die Kapitalanlage ist der Spezialfonds immer häufiger das Vehikel der Wahl. „Insbesondere bei Pensionskassen und Versicherungen beobachten wir, dass immer weniger in den Direktbestand fließt und immer mehr in Fondsanlagen“, so Müller. Bei den Lebens­versicherungsunternehmen sind mittlerweile 33,4 Prozent der Kapitalanlagen in Fonds und bei den Pensionskassen sogar 38,5 Prozent (siehe Chart „Fondsanteil an den Kapitalanlagen steigt“). In Deutschland erfreut sich dabei insbesondere der Masterfonds zunehmender Beliebtheit. Hier werden die einzelnen Segmente durch jeweils spezialisierte Asset Manager verwaltet. Demgegenüber reduziert sich der Anteil an unsegmentierten Spezialfonds in Deutschland. 


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