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4/2016 | Theorie & Praxis

»Ethik ist ein wichtiger Ausbildungsbestandteil«

Die CFA-Welt ist eine wahrhaftige Erfolgsgeschichte, wenn man sich die Anzahl der Teilnehmer an den Programmen und die steigende Zahl der Absolventen (CFA Charterholders) vergegenwärtigt. Die anspruchsvolle dreiteilige Zusatzausbildung war nie stärker gefragt. Wir sprachen mit Paul Smith, President und CEO des CFA Institute, über Organisation, Ziele und Bedeutung der CFA-Ausbildung in der Finanzindustrie.

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»Regulatoren sollten von Investment Professionals höhere Ausbildungsstandards verlangen.« Paul Smith, CFA, President und CEO of CFA Institute

Wenn sich Paul Smith über die Investment­industrie äußert, weiß er, wovon er spricht. Der Brite verfügt über mehr als 30 Jahre Branchenerfahrung. Smith ist ausgebildeter Wirtschaftsprüfer und startete seine beeindruckende Karriere beim Alternative Fund Manager Ermitage Internatonal. Er verbracht dort elf Jahre, die letzten sieben als CEO. 1996 zog es ihn nach Asien, wo er für die Bank of Bermuda in Hongkong als Asia Head of Securities Services tätig wurde. Nachdem die Bank 2004 von HSBC übernommen wurde, bestellt man Smith zum Global Head of Alternative Funds Administration. 2006 gründete er die in Hongkong ansässige Investmentfirma Asia Alternative Asset Partners und war deren CEO. 2012 schließlich wurde Paul Smith dann Managing Director des CFA Institute für die Region Asien-Pazifik und leitete dessen Expansion nach China und Indien. Seit Januar 2015 ist er nun Präsident und CEO des CFA Institute.
 
Herr Smith, welche strategischen Prioritäten hat das CFA Institute?
Paul Smith: Lassen Sie mich vorausschicken, dass wir sehr glücklich darüber sind, dass sich dieses Jahr mehr als 103.000 Personen für die Prüfungen registriert haben. Zum ers­ten Mal haben die Level-1-Registrierungen in China jene in den Vereinigten Staaten übertroffen. Daran wird klar erkennbar, dass – global betrachtet – unsere Ausbildungsprogramme und deren wertschätzende Wahrnehmung in der Branche noch nie größer waren. Es ist unsere erste strategische Priorität, hohe Standards in Bezug auf den Zugang und die Professionalität innerhalb der Investmentindustrie zu setzen.


Wir haben uns mit mehr als 400 Universitäten weltweit zusammengetan, die Mas­ter-Studien anbieten, die in Verbindung mit dem CFA-Studienplan stehen und – beson­ders wichtig – wo Ethik auf Basis des CFA-Programms unterrichtet wird. Somit haben wir eine hervorragende Möglichkeit an der Hand, einen frühzeitigen und großen Einfluss auf die heranwachsende nächste Generation auszuüben, und zwar sowohl im Hinblick auf deren technische Kompetenz als auch in Bezug auf deren ethische Haltung als Investment Manager. Ich glaube, unsere Ausbildungsprogramme repräsentieren jenen Standard, den alle Investment Professionals anstreben sollten und der Treuhändern von Pensions- und Stiftungsvermögen aus regulatorischer Sicht vorgeschrieben werden sollte. Es liegt aber noch ein langer Weg vor uns, bis alle Investment Professionals über einen CFA-Nachweis verfügen.
 

Sollte die Absolvierung von CFA-Programmen ein Obligatorium für alle ­Investment Professionals in Form einer Zusatzausbildung im Asset und Portfolio Management werden oder zumindest für jene, die eine Führungsposition in der Investmentindustrie anstreben?
Paul Smith: Investment Manager, die sich wirklich von der Masse der Wettbewerber abheben möchten, werden mehr tun müssen, um einem potenziellen Arbeitgeber gegenüber ein Leistungsversprechen abzugeben. Aus- und Weiterbildung und eine ­hohe Fachkompetenz, verbunden mit Seriosität, sind wichtige Bestandteile des Curriculum Vitae und persönliche Eigenschaften für jene, die eine führende Rolle in der ­Investmentindustrie anstreben. Als Verwalter der Gelder Dritter haben Investment ­Manager eine hohe Verantwortung zu tragen, um als Treuhänder im besten Sinne zu agieren und, mit dem nötigen ethischen Rüstzeug versehen, an den Finanzmärkten teilzunehmen. Auf Dinge wie Vertrauenswürdigkeit, Kommunikationsfähigkeit und transparentes Vorgehen, die für die Klienten der Investment Professionals wichtig sind, ist dann jederzeit Verlass. Das ist doch eine unglaublich positive Message!


Die Vorteile ethischen Verhaltens in diesem Kontext reichen aber weit über den Einzelnen hinaus und betreffen die Gesellschaft als solche. Es obliegt uns, den sozialen Zweck des Finanzwesens zu betonen. Das ist essenziell, da der soziale Zweck den Hauptantrieb für die Professionalisierung darstellt. Dies wirkt sich auf die vielversprechenden Möglichkeiten aus, die unser Beruf in den kommenden Jahren bereithält. Bei diesem Schaffen von Werten und Werthaltungen handelt es sich um unsere zweite strategische Priorität, die sicherstellen soll, dass unsere Charterholder professionell ausgebildet sind, ethisch verantwortlich handeln und sich damit an der Spitze in ihrer Profession befinden. Unser Bestreben ist und bleibt es sicherzustellen, dass sich unser Berufsstand weiterentwickelt und dabei das Vertrauen der Investoren im Besonderen und der Gesellschaft im Allgemeinen verdient. Abschließend gesagt: Ja, wir ­glauben, dass unser Diplom als Norm für Investment Professionals angesehen werden sollte.

Viele Leute, die in der Investmentindustrie beginnen, sind bereits sehr gut ausgebildet, haben ihre PhDs und MBAs in der Tasche. Wenn sie etwa Volkswirtschaft oder Finance studiert haben, sollten sie doch einen Gutteil der CFA-Lerninhalte bereits verinnerlicht haben. Warum sollten diese Personen Ihrer Ansicht nach noch ein CFA-Programm absolvieren? Ist das ein „Nice-to-Have“ oder mehr?
Paul Smith: Unsere Mitglieder und Charterholder arbeiten in unterschiedlichen Bereichen in der Finanzindustrie, und unser CFA-Programm stellt auf Kandidaten ab, die zeigen möchten, dass sie den aktuellen Wissensstand im Investment Management beherrschen und damit ihren gegenwärtigen oder auch zukünftigen Arbeitgebern signalisieren möchten, dass sie ihre Karriere auf dem höchstmöglichen professionellen Niveau verfolgen möchten. Einfach gesagt, macht den Träger eines CFA-Diploms die Ausbildung, bestehend aus dem auf den ­Levels 1 bis 3 abgefragten Wissen und Ethik, sowie die Branchenerfahrung von ­zumindest vier Jahren aus. Das ist es, was Investoren von einem Investment Professional und Charterholder erwarten dürfen.


Es ist wichtig festzuhalten, dass die Fähigkeiten, die mit dem CFA-Diplom erworben und nachgewiesen werden, andere sind als jene einer PhD- oder MBA-Ausbildung. Schließlich gibt das CFA-Diplom Kandidaten vertieftes Wissen im Investment Management. Viele PhDs und MBAs sind auch CFA-Charterholder und bestätigen den Zusatznutzen unserer Ausbildung.
 

Wer ist für den CFA-Lehrplan verantwortlich? Wer entscheidet schließlich, welche ­Inhalte in das Programm aufgenommen und geprüft werden? Wie lange braucht es, um auf neue Trends in der Investmentindustrie zu reagieren, damit diese Eingang in den Lehrplan finden? Wird andererseits der Lehrplan auch entrümpelt, oder wächst der Lernumfang stetig?
Paul Smith: Unser Curriculum-Team arbeitet mit Integrität und Gründlichkeit an dem, was wir „Candidate Body of Knowledge“ (CBOK) nennen, auf dem der Lehrplan ­basiert. Wir entwickeln dabei das CFA-Programm kontinuierlich, indem wir uns jährlich mit praktizierenden Investment Professionals, Universitätslehrern und Regulatoren in Verbindung setzen, um das kritische Wissen sowie die nötigen Fähigkeiten und Fertigkeiten festzulegen, die heutzutage von ­einem Investment Professional verlangt werden. Direktes Feedback und Einblicke von den in ihrem Beruf tätigen Investment Professionals sind der effektivste Weg, um die nächste Generation von Investment Managern auf die Anforderungen der globalen Kapitalmärkte vorzubereiten. Diesen Prozess nennen wir Praktikeranalyse, und er stellt eine dynamische Abschätzung der Kompetenzen, die von Investment Professionals verlangt werden, dar und ist die Basis des CFA-Lehrplans und der Prüfungen. Experten der Finanzindustrie erachten gerade diese Verzahnung mit der Praxis als Schlüssel dafür, dass das CFA-Programm als weltweiter Goldstandard unter den Nachweisen für Investmentkompetenz gilt.


Zudem arbeiten wir hart daran, eine ­Balance zwischen den unterschiedlichen Inhalten zu finden, neue Trends und Themen wie ESG und Behavioral Finance aufzunehmen, die kürzlich neue und upgedatete Elemente des ­Curriculums wurden, um langfristige Investmentstrategien und Trends auf dem Gebiet der Investmentpraxis wider­zuspiegeln. Dagegen haben wir andere ­Themen fallengelassen, die an Relevanz verloren haben, sodass im Großen und ­Ganzen der Umfang der Inhalte gleich groß geblieben ist.


Das CFA Institute bietet den upgedateten Lehrplan seinen Mitgliedern in Form von sogenannten „Refresher Readings“ als Gratisnutzen an, sodass den älteren Absolventen dabei geholfen wird, ihren Wissensstand zu erneuern und am Ball zu bleiben. Als Teil dieser „Refresher Readings“ für 2017 haben wir zum Beispiel elf neue Texte ­eingestellt, die die CFA Charterholder im Mitgliederbereich zur Gänze abrufen können und für die sie auch Weiterbildungs-Credits bekommen.
 

Nun ist uns von Leuten mit mehr als 15 Jahren Berufserfahrung zu Ohren gekommen, dass die Rolle, die die CFA-Ausbildung bei ABS, CMBS, CLO² et al. vor der Finanzkrise spielte, keine rühmliche war. So soll es ja auch CFA Charterholder gegeben haben, die fleißig am Aufpumpen der Immo­bilienkreditblase und deren Verbriefung ­sowie dem Weiterverkauf mitgewirkt haben. Auf der anderen Siete soll es Investoren mit CFA-Ausbildung gegeben haben, die das Spiel nicht durchschauten …
Paul Smith: Wir haben einen sehr strengen Ethikcode und strenge Standards für berufliches Verhalten, deren Einhaltung jeder Charterholder einmal jährlich bestätigen muss. Für die Einhaltung des beruflichen Verhaltens gibt es ein Team, das diese Normen durchsetzt und Charterholder diszipliniert, die dagegen verstoßen. Wir überwachen unsere Absolventen und bitten alle Mitglieder der CFA-Gesellschaften, uns dabei zu unterstützen, indem sie uns von jenen CFA-Absolventen berichten, die sich nicht an die professionellen Standards halten.
 

Kritiker sagen: Je mehr die CFA-Ausbildung bei den Marktteilnehmern etwa am Aktienmarkt Platz greift, desto mehr Leute denken gleich, handeln ident, indem sie die gleichen Daten und die gleichen Modelle verwenden. Wird dadurch die Investment-industrie nicht riskanter, indem neue systemische Risiken entsehen?
Paul Smith: Ein solches Probhem sehen wir nicht, wir arbeiten an Professionalisierungsstandards.


Es gab eine Zeit in den 80er-Jahren und auch später wieder, als Asset Manager und Banken Leute mit einem gänzlich anderen Background – etwa Psychologen, Theologen, Historiker oder Techniker – enga­gierten. Damals sprach noch niemand von Diversität, aber diese Vorgangsweise war doch eine Art von Diversity. Wenn nun das CFA-Programm der Goldstandard unter den Ausbildungen der Investment Professionals ist, ist dann nicht zu wenig Diversität beim Management der Gelder von Dritten gegeben?
Paul Smith: Sie sprechen damit eine inter­essante Beobachtung an. Ich bin einer von diesen, denn ich habe selbst in Oxford Geschichte studiert, wurde dann Wirtschaftsprüfer und habe meinen CFA-Abschluss mit 42 gemacht. Ich halte diesen Mix aus unterschiedlichen Ausbildungs-Backgrounds für gesund in der Investmentindustrie. Unsere Charter fördert Diversität und beschränkt sie nicht. Das CFA-Programm als Post-Graduate-Ausbildung ist offen für Absolventen sämtlicher Studienrichtungen.
 

Ethik ist Teil des Programms, und es gibt eine Selbstverpflichtung der CFA-Kandidaten. Halten Sie das für ausreichend, damit sich die Absolventen während ihrer gesamten Berufskarriere wohlverhalten? Wie vielen Absolventen mussten Sie ihr Diplom wegen schwerer Verstöße bereits aberkennen?
Paul Smith: Natürlich hält das CFA Institute den ethischen Kodex und die Standards für berufliches Verhalten, Prüfungsregeln und Regulierungen hoch. Dazu gibt es Statuten, um die Integrität der Mitgliedschaft, Designierungen und Prüfungen zu schützen. Jedes Mitglied muss jährlich ein sogenanntes „Professional Conduct Statement“ übermitteln und darin potenzielle Verletzungen des Ethikkodex oder der professionellen Standards offenlegen. Schon die CFA-Kandidaten legen ähnliche Berichte als Teil des Registrierungs- und Aufnahmeprozesses offen.


Das „Professional Conduct Program“ (PCP) ist unser disziplinärer Prozess, mit dem wir Compliance Monitoring durchführen, Anschuldigungen untersuchen, verschiedene disziplinäre Maßnahmen ergreifen und Sanktionen auferlegen, so dies nötig erscheint. Wir veröffentlichen den Entzug der Diplome auf unserer Website. 2016 wurden 78 Fälle eröffnet, und zwar durch Selbstoffenlegung, unser eigenes Conduct Monitoring, Beschwerden der Öffentlichkeit, anderer CFA-Charterholder und der Angestellten des CFA Institute selbst. Ende dieses Jahres werden 291 Verfahren anhängig sein. 2015 waren es 270 Fälle.
 

Wie sieht es mit der Weiterbildung der CFA-Charterholder aus? Gibt es hier ­eine Verpflichtung?
Paul Smith: Nein, eine solche Verpflichtung gibt es nicht, sehr wohl aber die Empfehlung an die Mitglieder, 20 Stunden Fortbildung pro Jahr zu absolvieren.


Nun gibt es auch noch ähnliche Programme wie FRM und CAIA. Sind hier inhaltliche Überschneidungen denkbar? Gibt es hier eventuell eine Abstimmung über Programminhalte?
Paul Smith: Der Financial Risk Manager (FRM) ist ein Titel, der von der Global Association of Risk Professionals (GARP) vergeben wird, und qualifiziert Risikomanager. Der Chartered Alternative Investment Analyst (CAIA) ist ein Titel, der von der CAIA Association vergeben wird und für Personen gedacht ist, die Portfolios von Alternative Investments betreuen. Das CFA-Programm hingegen ist auf Master-Niveau einzustufen und hat einen breiteren Ansatz. Diese Ausbildung wird von Banken und der Investmentindustrie in ihrer ganzen Breite nachgefragt. So wie mit einem MBA können sich diese Ausbildungen oft ergänzen, Überschneidungen im Studienplan gibt es nicht.


Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, was stünde ganz oben auf Ihrer Liste?
Paul Smith: Erstens würde ich mir wünschen, dass die Regulatoren von den Investment Professionals höhere Standards in der Ausbildung verlangen. Zweitens wäre mein Wunsch, dass die allgemeine Öffentlichkeit ihren Finanzen so viel Aufmerksamkeit schenkt wie ihrer Gesundheit. Und schließlich als Drittes würde ich mir wünschen, dass die Finanzindus­trie sich öffentlich dazu bekennt, dass die Interessen ihrer Klienten der wichtigste motivierende Faktor – und nicht Eigentümer- oder persönliche Interessen – in ihrer beruflichen Tätigkeit sind.
 

Wir danken für das Gespräch.   


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