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1/2017 | Theorie & Praxis
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Ausgetrocknet

Die Assekuranz-Ratingagentur Assekurata stellt ihre jährliche Überschussbeteiligungs-Studie vor und beleuchtet dabei besonders die Themen Garantien und Zinszusatzreserven.

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Die Branche beurteilt Tarife der Neuen Klassik, fondsgebundene Tarife und reine Biometrietarife am optimistischsten. Die Aussichten für das konventionelle Lebensversicherungsgeschäft und Indexpolicen sind hingegen weniger gut.

Wie erwartet hat die laufende Verzinsung 2017 bei den deutschen ­Lebensversicherungen ­einen neuerlichen historischen Tiefstand erreicht“, sagte Reiner Will, Geschäftsführer der Assekuranz-Ratingagentur Assekurata, auf der Pressekonferenz am 31. Januar. Dort wurde die 15. jährliche Analyse der Kölner Ratingagentur zur Überschussbeteiligung deutscher Lebensversicherer vorgestellt.

Rückzug aus der Klassik
Gegenüber dem Neugeschäft mit einem Rechnungszins von 0,9 Prozent liegt die laufende Verzinsung in den Beständen für die Rechnungszinsgenerationen 1,25 bis 2,25 Prozent durchschnittlich sogar einige Basispunkte niedriger (siehe Tabelle „Durchschnittliche laufende Verzinsung 2017“). „Dies ist den relativ geringen Bestandsdeklarationen von Lebensversicherern geschuldet, die sich aus dem klassischen Neugeschäft bereits zurückgezogen haben“, erklärt Will. Über alle Produktarten und Tarifgenerationen sinkt die laufende Verzinsung im Marktdurchschnitt um 0,23 Prozentpunkte auf 2,88 Prozent, während sie 2016 noch bei 3,11 Prozent lag. In der klassischen privaten Rentenversicherung gewähren die Unternehmen im Durchschnitt eine laufende Verzinsung in Höhe von 2,61 Prozent. 2016 waren es noch 2,86 Prozent. Somit ging die Zinsdeklara­tion gegenüber dem Vorjahr um 25 Basispunkte zurück. Die höchste laufende Verzinsung gewähren momentan die Neue Bayerische Beamten Lebensversicherung sowie die Deutsche Ärzteversicherung mit jeweils 3,05 Prozent. Dabei hat Assekurata aus Vergleichbarkeitsgründen nur Neugeschäftstarife in die Berechnung aufgenommen, die einheitlich mit einem Höchstrechnungszins von 0,9 Prozent kalkuliert sind. Dies ist lediglich noch bei 34 Unternehmen der Fall. „Das Angebot in der klassischen Rentenversicherung mit Höchstrechnungszins ist damit deutlich geringer als in früheren Studien“, erläutert Will. Nach Auffassung von Assekurata müssen Bestandskunden auch in Zukunft im konventionellen Geschäft mit niedrigen Überschüssen beziehungsweise noch weiter sinkenden Renditen rechnen. Daran würde auch ein Anstieg des Zinsniveaus an den Kapitalmärkten kurzfristig nichts ändern. „Im Neugeschäft sind allerdings große Unterschiede zwischen den Anbietern festzustellen“, fasste Will die Ergebnisse zusammen.

Mehr „Neue Klassik“
Immer mehr Lebensversicherungen verabschieden sich aus der klassischen Lebensversicherung und bauen ihr Geschäftsmodell Richtung „Neue Klassik“ aus. An der diesjährigen Assekurata-Erhebung haben 25 Anbieter (Vorjahr: 20) von Produkten der Neuen Klassik mit einem Marktanteil von 47 Prozent teilgenommen. Weitere drei ­Anbieter haben in Aussicht gestellt, bis zum 1. Januar 2018 ein neues klassisches Produkt einzuführen. Solche Produkte basieren auf einer konventionell geprägten Überschusssystematik sowie dem Ausgleich im Kollektiv und in der Zeit. Allerdings bieten sie in der Regel ein geringeres Garantieniveau als die Klassik oder kürzere Garantiezeiten.

„An welchen Stellen die Garantien bei den neuen Produkten jeweils vermindert oder entfernt wurden, ist tarif­individuell sehr unterschiedlich. Eine Art Marktstandard hat sich hier noch nicht herauskristallisiert“, erläuterte Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse und Bewertung bei Assekurata. „Die gemeinsame Klammer bildet neben garantierten Rückkaufswerten auch weiterhin eine garantierte lebenslange Mindestrente, sodass dieses wichtige Alleinstellungsmerkmal einer Rentenversicherung erhalten bleibt.“

Auffällig ist, dass die Studienteilnehmer zunehmend von einem vollständigen Erhalt der eingezahlten Beiträge absehen, die garantierte Rendite liegt also unterhalb von null. Bei mehr als einem Drittel der Neue-Klassik-­Tarife wird kein Erhalt der gezahlten Beiträge zum Ende der Ansparphase garantiert. „Die Diskussionen und der Wettbewerb um Garantien werden weiter an Fahrt gewinnen“, schlussfolgerte Heermann daraus.

Garantieelemente gefragt
Garantien bleiben aber weiterhin ein zentrales Element in der Produktgestaltung von Lebensversicherungen, wenn auch in verminderter Form. Offenbar deckt sich dies mit den Verbraucherinteressen. „Auch wenn sich die Sicherheitsorientierung vieler Sparer emotional gut nachvollziehen lässt, ist sie finanzrational aber nur bedingt zweckmäßig“, kommentierte Will. Die durchschnittliche laufende Verzinsung für die Musterverträge der Neuen Klassik unterstreicht dies: Sie lag 2016 bei 2,84 Prozent und für 2017 bei 2,44 Prozent (siehe Chart „Klassik, Neue Klassik, Indexpolicen“).

2017 waren die neuen klassischen Produkte im Vergleich zur Klassik noch deutlicher von der Senkung der Überschussbeteiligung betroffen. „Angesichts der reduzierten Garantien und des bestehenden Wett­bewerbsumfelds überrascht diese Entwicklung“, kommentierte Heermann. Für 2016 liegt die laufende Verzinsung der Neuen Klassik im arithmetischen Mittel der betrachteten Tarife bei 2,44 Prozent (Vorjahr: 2,84 Prozent) und damit 0,17 Prozentpunkte unterhalb der Klassik. Bei Betrachtung der illustrierten Beitragsrendite nivelliert sich dieser Unterschied allerdings: Sie liegt für den Assekurata-Mustervertrag mit 25 Jahren Aufschubzeit in der Neuen Klassik mit durchschnittlich 2,46 Prozent etwas höher als in der Klassik (2,39 Prozent), obgleich die Effektivkosten mit 1,02 Prozent oberhalb der Klassik (0,79 Prozent) rangieren. Dies zeigt, dass sich die Versicherungsunternehmen die Entwicklungskosten und die komplexeren Mechanismen in der Neuen Klassik bezahlen lassen.

Indexpolicen auf Vormarsch
Indexpolicen hat Assekurata als separate Produktgattung untersucht. Auch sie basieren auf einem klassischen Überschussentstehungssystem, aber auf einem speziellen Beteiligungsmechanismus. Bei ­allen untersuchten Tarifen ist für den Kunden das Kapitalverlustrisiko ausgeschlossen, ­allerdings ist er auch nur anteilig an der Indexentwicklung beteiligt. Insgesamt haben sich 13 Lebensver­sicherer (Vorjahr: 10) mit einem Marktanteil von knapp 40 Prozent an der Abfrage beteiligt, und die R+V hat avisiert, bis zum 1. Januar 2018 ebenfalls eine Indexpolice neu einführen zu wollen.

Auffällig ist, dass die laufende Verzinsung der Indexpolicen 2017 mit 2,93 Prozent deutlich über der von klassischen Produkten (2,61 Prozent) und den Produkten der Neuen Klassik (2,44 Prozent) liegt, aber die garantierte Beitragsrendite mit minus 0,26 Prozent im negativen Bereich liegt. Dazu beigetragen haben dürften die Effektivkosten, die 2017 im Schnitt 1,18 Prozent betragen..

Zinszusatzreserve belastet
Die Zinszusatzreserve (ZZR), die in Deutschland seit 2011 als handelsbilanzielles Korrektiv in Niedrigzinszeiten zu bilden ist, belastet die Unternehmen zunehmend. Allein für 2016 mussten der ZZR marktweit rund 13 Milliarden Euro zugeführt werden, was einen neuen Höchstwert darstellt. „Dies entspricht rechnerisch nahezu dem bilanziellen Eigenkapital der Branche, das rund 16 Milliarden Euro beziehungsweise 160 Basispunkte Kapitalanlageertrag beträgt“, zieht Heermann einen Vergleich. Insgesamt summiert sich der ZZR-Bestand aus den Bilanzjahren 2011 bis 2016 branchenweit bereits auf 45 Milliarden Euro. Die Entlastungswirkung der ZZR gegenüber der nominellen Garantieanforderung beträgt dabei durchschnittlich 0,57 Prozentpunkte.

Der Referenzzins der ZZR für 2016 liegt bei 2,54 Prozent. Das heißt, dass sämtliche Bestände der Zinsgarantiegenerationen 4,00, 3,50, 3,25 und 3,00 Prozent und 2016 erstmals auch die mit 2,75 Prozent betroffen sind. Sie müssen auf den Referenzzins von 2,54 Prozent nachreserviert werden. Damit sind mittlerweile zwei Drittel der Bestände der deutschen Lebensversicherungsbranche von der ZZR betroffen.

Für 2017 sieht es nicht besser aus. Bei ­einer statischen Fortschreibung des Zeitreihenwerts von 2016 und einem angenommenen Referenzzins für das Jahr 2017 von 2,17 Prozent ergibt sich für 2017, dass erstmals auch für die Tarifgeneration 2,25 Prozent nachzureservieren wäre. Bei dieser ­Annahme müsste die Branche 2017 der ZZR insgesamt 20 Milliarden Euro zuführen. Heermann warnt: „So notwendig und zweckmäßig diese Maßnahme ist, sollte aber die Dosierung der Zinszusatzreserve im Auge behalten werden. Aus Simulationsrechnungen lässt sich ablesen, dass der handelsrechtliche Aufwand mit der Zeit einzelne Gesellschaften überfordern könnte.“

Das Stimmungsbild, das im Rahmen der Überschussstudie regelmäßig in der Branche abgefragt wird, ergibt, dass Indexpolicen künftig etwas skeptischer beurteilt werden als die übrigen Produkte. Tarife der Neuen Klassik, fondsgebundene Tarife und reine Biometrietarife werden hingegen am optimistischsten beurteilt.

An der diesjährigen Untersuchung nahmen 52 deutsche Versicherungsunternehmen teil, das entspricht einem Marktanteil von 78 Pro­zent. Die rund 150-seitige Marktstudie 2017 kann auf der Internetseite www.assekurata.de bestellt werden.


Anhang:

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