Das Fachmagazin für institutionelle Investoren

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:
1/2017 | Theorie & Praxis
twitterlinkedInXING

»Anonymität ist der große Vorteil«

Das Mandate-Tool bringt institutionelle Investoren und Asset Manager mit spezieller Anlageexpertise zusammen. Beispielsweise die Nordrheinische Ärzteversorgung (NÄV) mit Assenagon und Swisscanto.

Die ersten 100 Ausschreibungen, die über das im Jahr 2009 vorgestellte Mandate-Tool von Institutional ­Money abgewickelt wurden, liegen hinter uns. Zu den Nutzern dieser Plattform zählt mit der Nordrheinischen Ärzteversorgung (NÄV) auch einer der größten und bekanntesten ­institutionellen Investoren Deutschlands. Das 1958 als Einrichtung der Ärztekammer Nordrhein gegründete berufsständische Versorgungswerk verwaltet rund 13 Milliarden Euro und ist für die Altersversorgung von mehr als 50.000 Mitgliedern verantwortlich. Ende 2014 schrieb die NÄV über das Mandate-Tool zwei Rentenmandate in dreistelliger Millionenhöhe aus. Nach einer gewissen „Cool down“-Phase erzählt Ausschreiber Andreas Reichel von der Wertpapier­abteilung der NÄV von der damaligen Ausschreibung sowie seinen gemachten Erfahrungen mit dem Mandate-Tool.

Herr Reichel, wie kamen Sie auf das Mandate-Tool von ­Institutional Money?
Andreas Reichel: Wir sind ins­besondere über das Magazin Institutional Money auf Ihre Ausschreibungsplattform aufmerksam geworden.

Wie war Ihre Erwartungshaltung vor der Ausschreibung?
Andreas Reichel: Wir haben uns vor Beginn der Ausschreibung das Mandate-Tool natürlich genau angesehen. Beispielsweise wie das mit der Scorecard funktioniert und vor allem, welche Asset Manager beim Mandate-Tool registriert sind und in welcher Breite unsere Ausschreibung in den Markt hineingetragen wird. Unsere Erwartungshaltung war, dass man immer wieder einmal neue Wege gehen sollte. Daher wagten wir einen Versuch.

Inwieweit ist das Mandate-Tool bei der ­Suche nach Asset Managern generell hilfreich?
Andreas Reichel: Wir haben bei der NÄV grundsätzlich die Anforderung, dass die Vergabe von Mandaten im Rahmen eines strukturierten und dokumentierten Auswahlprozesses erfolgen muss. Daher suchen wir in der Regel mithilfe eines Consultants nach Asset Managern.

Warum wir uns damals für das Mandate-Tool entschieden haben, war der Umstand, dass eine Managersuche über das Mandate-Tool etwas zügiger und flexibler möglich ist, als wenn noch ein zusätzlicher Berater involviert ­wäre. Der Nachteil beim Mandate-Tool ist, dass ich die Arbeit selber erledigen muss.

Inwieweit war Ihnen die Anonymität des Mandate-Tools wichtig?
Andreas Reichel: Die Anonymität ist der große Vorteil des Mandate-Tools. Ohne Anony­mität würde bei uns das Telefon ständig klingeln.

Wie beurteilen Sie die Bedienung des Mandate-Tools?
Andreas Reichel: Wir kamen mit der Bedienung des Mandate-Tools sehr gut zurecht, das Mandate-Tool ist sehr übersichtlich aufgebaut. Was ich am Mandate-Tool ebenfalls gut ­finde, ist die Limitierung der Zeichenanzahl bei den Antworten, die die Asset Manager in die Matrix eintragen können. Das verhindert „Copy-Paste“-Antworten seitens der Anbieter und vermeidet, dass wir in der Matrix überlange Texte lesen und vor allem aus- und bewerten müssen.

… die Asset Manager müssen also kurz und knapp antworten …
Andreas Reichel: Kurze Antworten sind meiner Ansicht nach notwendig, um als Inves­tor eine faire Beurteilung vornehmen zu können. Denn durch die bewusste Begrenzung der Zeichenanzahl bei den Antworten erhöht sich die Vergleichbarkeit der ­erhaltenen Antworten. Asset Manager müssen sich damit bei ihren Antworten automatisch auf das Wesentliche konzentrieren. Das ist meiner Ansicht nach einer der vielen Vorteile des Mandate-Tools.

Wie lief es mit der Auswertung der Antworten?
Andreas Reichel: Wir haben mit dem Mandate-Tool eine gute Erfahrung gemacht, was die Auswertung seitens mehrerer ­Personen gleichzeitig betrifft. Dank Ihrer Frau Punz und Ihrer IT wurden die erteilten Antworten der Asset Manager in der Eingabematrix „gespiegelt“, und wir erhielten einen weiteren Zugang zu diesen Daten. So konnte sowohl mein Kollege als auch ich unabhängig voneinander die ­Daten auswerten.

Auf Basis unserer vorab gemeinsam über die Mandate-Tool-Scorecard festgelegte Gewichtung der Kriterien – damit wir diesbezüglich einheitlich sind – konnten mein Kollege und ich die Antworten der Asset Manager in der Mandate-Tool-­Matrix individuell beurteilen und jeweils ein Top-Ten-Ranking erstellen. Interessant: Die beiden Top Ten enthielten größtenteils die gleichen Asset Manager, nur bei der jeweiligen Platzierung kam es zu ­geringen Unterschieden.

In einem Folgeschritt haben wir über das Punktesystem der Scorecard eine gemeinsame Top-Ten-Liste erstellt und von dieser die Top-Five-Asset-Manager zum Beauty Contest eingeladen.

Das Mandate-Tool und insbesondere die Scorecard helfen, bei der Suche und Auswahl von Asset Managern die notwendige professionelle Objektivität zu wahren. Denn man spricht als Ausschreiber nicht nur jene Asset Manager direkt an, die man selber kennt, sondern man wendet sich über das Mandate-Tool an den breiten Markt. Vor ­allem die Scorecard, deren Gewichtung wir vorab gemeinsam mit dem Risikomanagement und unserer Geschäftsführung abgestimmt haben, sorgt für ein gewisses Mindestmaß an Objektivität.
 

Kann man also davon ausgehen, dass die Scorecard des Mandate-Tools nützlich war?
Andreas Reichel: Die Scorecard hat uns sogar einen großen Nutzen gebracht – darauf ­basieren schlussendlich die Ergebnisse! Wir sind mit der von Institutional Money zur Verfügung gestellten Infrastruktur sehr ­zufrieden!

Würden Sie das Mandate-Tool wieder einsetzen?
Andreas Reichel: Wir haben das Mandate-Tool zwar erst einmal eingesetzt. Das war erfolgreich, und wir waren damit sehr zufrieden. Wir werden das Mandate-Tool auch zukünftig einsetzen, vor allem bei traditionellen und weniger komplexen Assetklassen. Wenn die Komplexität jedoch ein gewisses Maß überschreitet, würde ich lieber einen Consultant hinzuziehen, vor allem um eine dritte Meinung zu hören. In ­Assetklassen, in denen wir uns schon jahrelang bewegen, uns sehr gut auskennen und wohlfühlen, ­benötigen wir im Grund nicht zwingend ­einen Consultant und eine Drittmeinung. Da spielt das Mandate-Tool seine Stärken aus – aufgrund der Breite der Adressaten. Es ­bedarf jedoch einer ein­deutigen und engen Definition der ausgeschriebenen Anlageklasse, um nicht von der Vielzahl potenzieller Asset Manager überrannt zu werden.

Sie erwähnten vorhin die Breite der Adressaten, das hat doch auch Vorteile?
Andreas Reichel: Wir sind über das Mandate-Tool auf neue Adressen und Anbieter ge­stoßen, die wir so nicht auf der Rechnung hatten. So war der spätere Gewinner der Ausschreibung für uns ein bis dato unbeschriebenes Blatt. Den zweiten Sieger kannten wir, hatten bis dahin aber kaum Kontakt. Ohne Mandate-Tool wären wir auf diese Adressen auch mit Blick auf die gesuchte Assetklasse nicht gekommen und hätten diese auch nicht von selbst angeschrieben.

Haben Sie beim Mandate-Tool das Forum genutzt, um allfällige Fragen der Asset Manager zu beantworten?
Andreas Reichel: Ja, am Beginn der Ausschreibung gab es zwei, drei kleine Rückfragen, auf die wir über das Forum reagiert haben, um für eine Klarstellung zu sorgen.
 
Nutzten Sie das integrierte Reporting für Dokumentationszwecke des Mandate-Tools?
Andreas Reichel: Ja, davon haben wir Gebrauch gemacht. Wir finden das Reporting des Mandate-Tools gut, um diesen strukturierten Ausschreibungsprozess gegenüber internen Stellen wie Risikomanagement und Gremien oder externen Stellen wie beispielsweise dem Wirtschaftsprüfer zu dokumentieren. Aber natürlich ist das Reporting auch für einen selbst als Ausschreiber hilfreich, um später alles gut nachvollziehen zu können.

Zur Erinnerung: Worum ging es bei Ihrem Mandat?
Andreas Reichel: Bei dem ausgeschriebenen Mandat handelte es sich um Nachrangan­leihen aus dem Finanzsektor, insbesondere Contingent Convertible Bonds, kurz CoCo-Bonds. Wir fanden beziehungsweise finden dieses Segment sehr interessant, hatten damals bis heute „klassische“ Nachrangdar­lehen sogar selbst im Direktbestand. Weil aber im Nachgang der Finanzkrise die Komplexität bei Finanznachranganleihen deutlich zugenommen hat, entschlossen wir uns für ein Outsourcing des Managements dieses Credit-Segments und für die Vergabe eines Mandats.

Wie groß war das von Ihrem Haus ausgeschriebene Mandat?
Andreas Reichel: Wir schrieben damals zweihundert Millionen Euro aus und teilten dann das Mandat auf zwei Asset Manager zu jeweils 100 Millionen Euro auf – weil bei uns 100 Millionen Euro jene Grenze sind, ab der Spezialfondsmandate unserer Einschätzung nach Sinn machen.

Und sind Sie mit Ihrer damaligen Entscheidung noch zufrieden beziehungsweise haben Sie aufgestockt?
Andreas Reichel: Genau – wir sind sowohl mit der betroffenen Assetklasse als auch mit den beiden mandatierten Asset Managern wirklich zufrieden und sehen das Ganze als langfristiges strategisches Investment.

Wie viele Asset Manager haben sich auf ­Ihre Ausschreibung beworben?
Andreas Reichel: Es haben sich gut zwei Dutzend Adressen beworben – eher in Richtung 30. Darunter waren auch Asset Manager, die wir so nicht auf der Rechnung hatten, und einer davon konnte auch einen Teil des Mandats gewinnen.

… und wer waren schlussendlich die glücklichen Gewinner des Mandats beziehungsweise warum hat sich Ihr Haus für diese Adressen entschieden?
Andreas Reichel: Wir entschieden uns für Swisscanto und Assenagon. Beide Adressen haben unter den vielen Mitbewerbern ­dadurch bestochen, dass sie im Rahmen der Ausschreibung ihren fokussierten Investmentansatz sehr gut herausgestellt haben. Wir achteten im Rahmen der Ausschreibung bei der Reduzierung der Long auf die Short List, welche Asset Manager die doch etwas speziellere Anlageklasse Nachrangfinanzanleihen beziehungsweise CoCo-Bonds fokussiert abdecken und welche Asset Manager im Gegensatz dazu dieses Segment nur im Rahmen der allgemeinen Credit-Analyse mitabdecken. Durch die Fokussierung auf das ­Kriterium „Expertise“ konnten wir über das Mandate-Tool bereits früh im Ausschreibungsprozess die Asset Manager sehr gut filtern.
 
Warum haben Sie sich zur Splittung des Mandats entschlossen?
Andreas Reichel: Wir haben das Mandat gesplittet, um eine interne Peergroup zu erhalten sowie um bei den Asset Managern wie auch bei den Investmentansätzen zu diversifizieren. So sichert beispielsweise Assenagon das Durationsrisiko grundsätzlich vollständig ab, während Swisscanto dies bewusst in Kauf nimmt. Dadurch sehen wir als Investoren, wie sich die beiden Portfolios in den jeweiligen Marktphasen entwickeln und wie wir – falls wir das möchten – eine taktische Allokation vornehmen könnten.

Würden Sie zukünftig wieder auf das ­Mandate-Tool setzen beziehungsweise wurde ­Ihre Erwartungshaltung erfüllt?
Andreas Reichel: Ja definitiv, bei einer sich bietenden Gelegenheit und geeigneter Assetklasse können wir uns sehr gut vorstellen, wieder eine Ausschreibung über das Mandate-Tool zu machen. Ich habe Frau Punz bereits ein Lob ausgesprochen: Abgesehen von ein paar Ergänzungen, ein paar Ministellschrauben, die wir damals brauchten, hat uns das Mandate-Tool vollkommen überzeugt!
 

Wir danken für das Gespräch. 


Anhang:

twitterlinkedInXING
 Schliessen