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4/2016 | Steuer & Recht
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Institutionelle Wunschzettel

Anhand der über das Mandate-Tool laufenden Ausschreibungen kann man erkennen, wie institutionelle Investoren bei der Suche nach einem Asset Manager vorgehen und was sie wann in welcher Höhe suchen.

Wie sich Branchenkollegen und Mitbewerber an den Märkten positionieren und welche Assetklassen bevorzugt werden, dürfte die meisten institutionellen Anleger interessieren. Allerdings ist es nicht gerade einfach, darüber Informationen zu erhalten – in der Regel dringt von solchen Engagements wenig an die Außenwelt. Seltene Einblicke in diese „Flows“, bietet die Ausschreibungsplattform von ­Institutional Money. Seit der offiziellen Präsentation des Mandate-Tools am Institutional Money Kongress 2009 in Frankfurt hat sich das Mandate-Tool als ein nützliches Pre-RFP(Request for Proposal)-Tool für ­institutionelle Investoren etabliert. Beleg dafür sind die zahlreichen Mandate, die bislang über das Tool ausgeschrieben wurden. Aktuell liegt die Anzahl der auf diesem Weg vergebenen Vermögensverwaltungsaufträge bei 90 Einzelfällen mit einem dahinter stehenden Volumen von rund 15 Milliarden Euro – Tendenz weiter steigend.

Aufgrund dieser aggregierten Daten und nach über sieben Jahren „Betrieb“ sind genug Daten verfügbar, um zu zeigen, welchen „Kategorien“ institutionelle Ausschreiber angehören, wie diese Profianleger „ticken“ und was Großanleger wann suchen. Da die Plattform allen Nutzern völlige Anonymität garantiert, liefert eine solche Analyse keine Namen. Diese anonymisierten und aggregierten Daten zeigen aber beispielsweise, welche Investorengruppen bisher am häufigsten Ausschreibungen online gestellt ­haben, welche Assetklassen dabei gesucht wurden, wie hoch das durchschnittliche ­Volumen der potenziellen Mandate war und wann die institutionellen Investoren besonders aktiv waren.

Viele Bewerber
Wie hart der Wettbewerb innerhalb des institutionellen Geschäfts seit Jahren geführt wird, lässt sich vor allem auf Seiten der ­interessierten Anbieter ablesen. Von 2009 bis Ende Oktober 2016 trafen die bisher in in Aussicht gestellten 90 Mandate auf rund 2.200 Bewerbungen. Durchschnittlich sind das mehr als 24 Bewerbungen pro Ausschreibung, was den suchenden Großanlegern signalisiert, dass sie sich in einem Käufermarkt bewegen. Gerade wegen dieses „Überangebots“ lohnt sich die Vorselektion interessanter Asset Manager mithilfe des Mandate-Tools. Denn auch für Profis ist es nicht einfach, zu jeder Assetklasse alle relevanten Anbieter auf dem Radarschirm zu haben.

Sieht man sich an, für welche Assetklassen bisher in erster Linie Verwalter gesucht wurden, steht – wenig überraschend – der Rentenmarkt ganz oben auf dieser Wunschliste. Bonds dominieren nicht nur Großanlegerportefeuilles, sondern auch die Mandate-Tool-Ausschreibungen: 41 Mandate sind dem Bereich „Fixed Income“ zuzurechnen (inklusive Wandelanleihen). Das sind immerhin 46 Prozent aller Suchvorgänge. Auf Platz zwei findet man Aktien (18 Mandate, 20 Prozent) und dahinter Multi-Asset-Mandate beziehungsweise Dachfonds (elf Ausschreibungen mit zwölf Prozent). Vor allem Letzteres ist bemerkenswert, denn es zeigt, dass offenbar nicht nur immer mehr Privatanleger, sondern auch in zunehmendem ­Maße größere Adressen darauf verzichten, selbst die Entscheidung hinsichtlich der ­Assetklassenaufteilung zu treffen.

Auf Seiten der Ausschreiber dominieren Adressen aus der Kategorie „Versicherung/Vorsorge/Kirche“ mit fast zwei Drittel (64 %) die Statistik. Dieser hohe Wert ist darauf zurückzuführen, dass diese Gruppe sämtliche Einrichtungen der betrieblichen Altersvorsorge umfasst und gerade diese ­Investoren viele Mandate zu vergeben haben. Auf Platz zwei liegen Vertreter aus dem Banken- und Sparkassen-Sektor (13 %) sowie Nichtfinanzunternehmen, der Anteil dieser „Corporates“ lag bisher bei acht Prozent.

Das durchschnittliche Volumen der ausgeschriebenen Mandate lag seit 2009 bei rund 167 Millionen Euro.

Acht Milliarden Euro
Der bisher größte „Fall“, der über das Mandate-Tool abgewickelt wurde, war die Master-KAG-Suche der VPV. Den Sieg bei diesem immerhin acht Milliarden Euro schweren Mandat errang vor vier Jahren übrigens die Helaba-Invest (Institutional Money berichtete). Wenn man das die Statistik verzerrende Acht-Milliarden-Euro-Master-KAG-Mandat ausklammert, beläuft sich die durchschnittliche Mandatshöhe auf rund 80 Millionen Euro. Staffelt man die 90 Ausschreibungen nach dem angegebenen Volumen, dominiert die Größenklasse „50 bis 100 Millionen Euro“, gefolgt von der Gruppe „25 bis 50 Millionen Euro“. Mandate jenseits der 500-Millionen-Euro-Marke suchten bislang zweimal nach passenden Anbietern. Diese Zahlen sind insofern nur bedingt aussagekräftig, als institutionelle Anleger dazu tendieren, in Ausschreibungen das betroffene Volumen absichtlich niedriger anzugeben. Erst wenn sich herauskristallisiert, dass die Leistung des Vermögensverwalters den Erwartungen entspricht, wird auf das tatsächlich angepeilte Zielvolumen erhöht. Was den Kalender betrifft, zeigt die Auswertung des Mandate-Tools, dass institutionelle Investoren vorzugsweise im Monat Mai damit ­beginnen, nach neuen Asset Managern zu suchen. Ob dies mit dem Wirtschaftsjahr der Anleger zusammenhängt oder ob sie noch vor Beginn ihres Sommerurlaubs ­eine „Veränderung“ zumindest vorbereiten wollen, kann die Statistik nicht beantworten. Auch über die Gründe dafür, dass der Oktober der zweitaktivste Monat aus Sicht des Mandate-Tools ist, kann nur spekuliert werden. Klar erkennbar ist hingegen, dass Krisenjahre eher den Wunsch nach Veränderung auslösen. So war die nicht gerade leichte Anlageperiode 2011 mit 16 Ausschreibungen bislang das Jahr mit der höchsten Aktivität. Im Vergleich dazu waren die Jahre 2012 und 2013 spätestens nach Mario Draghis Beruhigungspille („Whatever it takes“) gute Anlagejahre, und institutionelle Investoren hatten deutlich weniger Bedarf an ­Änderungen.


Anhang:

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