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Warum uns der Sektor „nicht-basiskonsumgüter“ in Europa gefällt

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Der Indikator für das Verbrauchervertrauen in der Eurozone zeigt zunehmenden Optimismus. Gleichzeitig steigen auch die Reallöhne, und die Kreditaufnahme von Haushalten. Von diesem Trend dürfte der Sektor Nicht-Basiskonsumgüter kurzfristig profitieren.

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4/2016 | Produkte & Strategien
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NYSE statt NYMEX

Rohstoffe – eine der meistgehassten Assetklassen der letzten Jahre – stehen vor einem Comeback. Wie man hier investieren sollte, dazu hat das US-Investmenthaus GMO eine klare Meinung.

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Statt direkt via Terminkontrakte in Rohstoffe zu investieren, sollte man nach Einschätzung der US-Investmentgesellschaft GMO lieber Aktien von Unternehmen des australisch-britischen Rohstoffkonzerns BHP Billiton kaufen, der in diesem Bereich tätig ist.

In einem White Paper mit dem bezeichnenden Titel „An Investment Only a Mother Could Love“, das perfekt die Stimmungslage wiedergibt, der sich Rohstoffinvestments gegenübersehen, befassen sich GMO-Gründer ­Jeremy Grantham und Lucas White ein­gehend mit den Vorteilen, die ein Rohstoffengagement verheißt. Grundlage ihrer Überlegungen ist die Überzeugung, dass viele Rohstoffpreise in den nächsten Jahrzehnten wegen der zunehmenden Nachfrage und der Knappheit der Ressourcen steigen werden.

Doch in welcher Form soll man sich der sperrigen Assetklasse ­nähern? Für Grantham gibt es nur eine Antwort darauf: mit börsennotierten Rohstoffaktien. Denn dies sei ein liquider und billiger Weg der Partizipation, mit dem man ­zusätzlich die Risikoprämie von Aktien vereinnahmen und damit negative Rollrenditen von Futures-Positionen vermeiden könne. Zudem gibt es einen Diversifikationsbeitrag von Rohstoffaktien innerhalb der Aktientangente eines Portfolios, wobei sich dieser besonders auf lange Sicht erhöht.

Des Weiteren haben sich Rohstoffaktien in der Vergangenheit nicht bloß als Infla­tionsschutz erwiesen, sondern sie haben auch noch signifikant die Kaufkraft in den meisten Zeitfenstern mit erhöhter Inflation gesteigert. Wegen der vielen Unsicherheiten im Zusammenhang mit Rohstoffengagements und der hohen Volatilität der Commodity-Preise nehmen viele Investoren von Rohstoffaktien Abstand beziehungsweise untergewichten dieses Aktiensegment. Aus diesem Grund werden die Rohstoffproduzenten oftmals mit einem Abschlag zum Gesamtmarkt gehandelt. Nichtsdestotrotz haben sie den breiten Markt historisch langfristig outperformt. Zwar sind Rohstoff­aktien volatil und zeigen kurzfristig hohe Drawdowns, doch auf lange Sicht erwiesen sie sich als erstaunlich sicheres Investment. Wendet man bestimmte Bewertungsmaß­stäbe an, so waren Rohstofftitel 2015 und auch im ersten Halbjahr 2016 extrem günstig bewertet, was eine günstige Ausgangsbasis für künftige hohe Renditen darstellen kann. Angesichts der Schwierigkeiten bei der ­Prognose von Rohstoffpreisen erscheinen Grantham die niedrigen Bewertungsniveaus der Rohstoffaktien in den letzten eineinhalb Jahren als nicht gerechtfertigt.

Tatsächlich ist die Allokation in Rohstofftiteln bei Investoren nicht hoch, ist doch deren Anteil am S&P 500 etwa auf die Hälfte des langfris­tigen Durchschnittswerts gefallen. Das Gleiche gilt für den MSCI All Country World Index. Die Gruppe von Investoren, die einen Value-Ansatz verfolgt, wird speziell in Rohstofftiteln untergewichtet sein, da sie die Volatilität der Ergebnisse und die mit der Prognose der Commodity-Preise verbundenen Unsicherheiten alles andere als schätzt.

Hybrider Charakter
GMO-Gründer Jeremy Grantham hat sich in seiner jahrzehntelangen Karriere immer wieder mit den Langfristperspektiven von Rohstoffen auseinandergesetzt und dabei festgestellt, dass es Vorteile bei Rohstoffinvestments gibt, die über den Gewinn aus Preissteigerungen hinausgehen. Jedenfalls stellen Rohstoffaktien dank ihres hybriden Charakters eine gute Möglichkeit dar, an Commodity-Preissteigerungen zu partizipieren und gleichzeitig auch die Aktienrisikoprämie zu verdienen. Rohstoffaktien besitzen zudem unübliche Charakteristika. In bestimmten Zeitfenstern verhalten sich Rohstoffaktien einmal aktien-, das andere Mal rohstoffähnlicher. Dadurch sehen sie einmal risikoärmer, das andere Mal risikoreicher aus als der breite Aktienmarkt. Diese Doppelnatur sei einer der Gründe, so Grantham in einem neuen Research Paper vom Herbst 2016, warum sie per se ungeliebt seien und möglicherweise auch missverstanden würden. Für GMO stellen sie jedenfalls eine wertvolle Investmentopportunität dar, und zwar sowohl in strategischer wie auch in taktischer Hinsicht. Gerade langfristig orientierte Investoren wie Vorsorgeeinrichtungen könnten von einer höheren Allokation in Rohstoffaktien profitieren.

Wichtige Aktienrisikoprämie
Diese stellt den wich­tigsten Grund dafür dar, warum man den Aktienmarkt vorziehen sollte, um Rohstoffexposure aufzunehmen, ist man bei GMO überzeugt. Die Doppel-Grafik „Rückenwind für Aktien“ zeigt, dass seit den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts die Ölpreise real nur ganz leicht gestiegen sind, während Öl- und Gasgesellschaften reale Renditen von mehr als acht Prozent pro Jahr erzielten und damit eine durchaus imposante Risikoprämie einfuhren. Ähnliches gilt für Minenaktien, die ebenfalls deutlich die Preis­entwicklung der geförderten Buntmetalle schlagen konnten. Der öffentliche Aktienmarkt ist also dem direkten Rohstoffen­gagement deutlich überlegen, und dabei sind Transport- und Lagerkosten sowie Haltbarkeitsaspekte noch gar nicht berücksichtigt, die mit einem direkten Rohstoffplay verbunden sind.

Rollverluste
Das Rollen der Futures-Kontrakte ist Teil des Investmentalltags für all jene, die einen direkten Zugang zu Rohstoffen suchen und schließlich am Terminmarkt landen. Wenn Futures-Märkte im Contango sind, wird jede Rollung der Kontrakte zu ­einem „Sell low, buy high“, was die Rendite aufzehrt. Anhand des Bloomberg Commodity Spot Index kann man zeigen, dass die letzten zehn Jahre meist von heftigen Rollverlusten begleitet waren. Im Diagramm „Aufgefressen“ wird die Entwicklung des Bloomberg Commo­dity Spot Index, der in dieser Form nicht ­investierbar ist, seit dem Jahr 2000 der ­Entwicklung des investierbaren Bloomberg Commodity Index, der die gleichen Rohstoffe beinhaltet, gegenübergestellt. Letzterer berücksichtigt die Kosten, die mit dem Handel der Rohstoffe einhergehen. Über die letzten 16,5 Jahre wurde fast der gesamte Ertrag aufgefressen.

Neben diesen beiden Hauptfaktoren, die für gelistete Rohstoffaktien und gegen direk­te Rohstoffplays sprechen, gibt es noch andere Nutzen. So sind börsennotierte ­Aktien liquide und günstig zu traden. Zudem gibt es eine Auswahl an Geschäfts­modellen in diesem Aktiensektor. Mögliche Alpha-Qualitäten bei der Aktienselektion runden das Bild ab. Von Private-Equity-­Investments bei Rohstoffen rät Grantham ab. Der Selektionsprozess sei schwierig, und oft genug sind die Fonds von guten Adressen für Neuengagements geschlossen. Die Gebührenstruktur und die Ungleich­behandlung von Investoren seien genauso Kritikpunkte wie die Illiquidität, deren Problematik die Finanzkrise vor Augen geführt hat. Des Weiteren seien Rohstoffaktien eher komplementär zu Private-Equity-Programmen zu sehen.

Strategische Kaufgründe
Da ist einmal der Diversifikationseffekt zu nennen, denn tatsächlich verhalten sich Rohstoffaktien im Vergleich zum restlichen Aktienmarkt im Zeitablauf durchaus unterschiedlich. Dies bestätigt die Grafik „Korrelationen zwischen einzelnen S&P-500-Sektoren“. Über den Zeitraum von 1970 bis zur Jahresmitte 2016 wurden Perioden von einem Monat aufwärts bis zu zehn Jahren auf das Korrelationsverhalten des Rohstoffsektors in Bezug auf Finanz-, Basiskon­sumgüter- und Versorgerwerte untersucht. Tatsächlich waren alle vier Sektoren bei der Einmonatsbetrachtung hoch korreliert. Wäh­rend die anderen drei Sektoren untereinander auch in längeren Untersuchungszeiträumen von drei und fünf Jahren hoch korreliert blieben, war die Korrelation zum Rohstoffsektor sehr niedrig und im Zehnjahresvergleich sogar negativ. Leider gibt es aber zu wenig überlappende Zehn­jahreszeitfenster, um sagen zu können, dass dieses Ergebnis statistisch signi­fikant ist. Rein intuitiv findet man Argumente für diesen negativen Korrelationszusammenhang: Steigende Roh­stoffpreise hinterlassen in der Wirtschaft Bremsspuren, während fallende Commodity-Preise einen Segen für die wirtschaftliche Entwicklung darstellen.

Das Interessante an diesen Ergebnissen ist also, dass man als Investor, der Rohstoffaktien beimischt, für diese langfristige Diver­sifikation sogar mit einem Mehr an Rendite belohnt wird. Koautor Lucas White dazu: „Normalerweise sind Investoren ja bereit, sich für einen Diversifikationsvorteil mit weniger Rendite als bei Aktien zufriedenzugeben, man denke nur an Hedgefondsinvestoren, denen in aller Regel schwächere Renditen mit dem Vorteil eines unkorrelierten Investments als Kompensa­tion verkauft werden. Daher sollte man meinen, dass Rohstoffaktien, die mit Aktienerträgen und einer auf lange Sicht niedrigen bis negativen Korrelation zu Aktien verbunden sind, freudigst nachgefragt werden.“ Dem ist aber offensichtlich nicht so.

Schönheit der Diversifikation
Um diese Diversifikationswirkung zu il­lus­trieren, hat GMO folgenden Versuch angestellt: Man stelle ein Portfolio mit monatlichem Rebalancing zusammen, das zu 50 Prozent aus Rohstofftiteln und zu 50 Prozent aus dem restlichen US-Aktienmarkt besteht, und untersuche dessen Risiko-Ertrags-Profil in – wiederum teilweise überlappenden – Zehnjahreszeitfenstern über den Zeitraum von 1970 bis Mitte 2016. Dabei fand GMO Erstaunliches (siehe Grafik „Blend-Port­folio seziert“), ist doch die Standardabweichung des Blend-Portfolios in den Zehnjahresperioden deutlich niedriger als bei den beiden 50:50-Komponenten für sich allein genommen. Des Weiteren war auffällig, dass der Rohstoffaktien-Basket über zehn Jahre eine geringere Standardabweichung zeigte als der restliche US-Markt, und das obwohl die monatliche Volatilität der Rohstofftitel um 30 Prozent höher ausfällt als beim restlichen US-Markt.

Inflationsschutz
Hier sah sich GMO an, wie sich Rohstofftitel in einem inflationären Umfeld verhielten. In den USA hat man acht Perioden gefunden, in denen die Inflationsrate bei mehr als fünf Prozent im Jahr für einen Zeitraum von zumindest 12 Monaten lag. Dabei stellte sich heraus, dass in sechs von acht Fällen ein Korb aus Energie- und Metallaktien die Inflationsrate schlagen konnte, und in allen acht Fällen outperformten die Rohstoffproduzenten den breiten Markt in Form des S&P 500 Index. Sie haben damit den Kaufkrafterhalt weit besser geschafft als der Gesamtmarkt und konnten reale Renditen von mehr als sechs Prozent im Durchschnitt über alle inflationären Perioden bewerkstelligen, während der S&P 500 im Schnitt einen Kaufkraftverlust von annähernd 1,6 Prozent pro Jahr verzeichnete.

Gerade das unerwartete Risiko ansteigender Inflation ist nach Ansicht von GMO ­eines der beiden Risiken – neben dem  einer wirtschaftlichen Depression –, dem sich Langfristinvestoren ausgesetzt sehen. Historisch betrachtet haben Rohstoffaktien nicht nur einen Inflationsschutz dargestellt, sondern gerade in Inflationsphasen ihre reale Kaufkraft deutlich steigern können. Man sollte daher meinen, so Jeremy Grantham, dass Investoren bereit wären, für diesen ­Inflationsschutz eine Prämie zu bezahlen, genauso wie Hedgefondsinvestoren bereit seien, sich für Diversifikationsvorteile mit geringeren Renditen zufrieden zu geben. Die Realität ist aber eine andere. Grantham: „Obwohl Rohstoffaktien Diversifikation und Inflationsschutz bieten, können sie ­typischerweise zu einem Discount gekauft werden.“

Mit Discount gehandelt
Man kann es wenden, wie man will: Betrachtet man eine von GMO entwickelte Messzahl, die sich aus einem modifizierten Kurs-Gewinn-Verhältnis, das auf normalisierte Gewinne abstellt, dem Kurs-Buchwert-Verhältnis und der Dividendenrendite zusammensetzt, handeln Rohstoffproduzenten mit einem Abschlag von zirka einem Fünftel zum S&P 500 Index im Durchschnitt seit den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts. Das zeigt die Grafik „Rela­ti­ves Bewertungstief“. Diese illustriert auch, dass diese Discounts sehr stark schwanken. Dadurch fühlen sich viele Investoren unwohl mit Rohstoffproduzenten im Portfolio, gibt es doch wilde, unvorhersehbare Swings in der relativen Bewertung, die von Unter- respektive Überinvestitionen in dem Sektor gekennzeichnet sind. Angebotsunterbrechungen und unerwartete Nachfrageänderungen treten als Unbekannte hinzu. Wer nur auf kür­zere Sicht investiert, für den ist diese Boom-&-Bust-Zyklizität ein unhalt­barer Zustand. So fiel der MSCI ACWI Commodity Producers Index von seinem Höchststand im April 2011 bis zum Januartief dieses Jahres um 54 Prozent zurück. Gleichzeitig stieg der US-Markt um fast 15 Prozent. Diese riesigen Swings mit den einhergehenden Karriererisiken sind wohl ein Grund dafür, dass sich wenige Asset-Allokatoren hier engagieren, das Agent-Problem lässt grüßen.

Für jene Gruppe von ­Investoren allerdings, die diesen heftigen, eher kurzfristigen Stürmen widerstehen können, stellen Rohstoffaktien ein bemerkenswert sicheres Investment dar. Über Zehn­jahresperio­den erwiesen sich die realen Renditen der Rohstoffaktien als erstaunlich stabil. So haben Rohstoffproduzenten über ­eine Dekade fast nie eine negative Realrendite erzielt, und wenn das einmal passierte, dann war diese minimal. Das allein für sich betrachtet ist schon beeindruckend genug, aber wenn man als Vergleich den S&P 500 heranzieht, dann ist das Resultat wirklich verwunderlich, denn der S&P 500 Index lag über wesentlich mehr Zehnjahresperioden real im Minus, und das noch dazu deutlich. „Die Titel der ungeliebten Rohstoffproduzenten erwiesen sich somit als sicheres Langzeit­investment“, resümiert Koautor Lucas ­White. Seiner Ansicht nach sollten Lang­fristinvestoren immer nach Opportunitäten Ausschau halten, die für das Tolerieren kurzfristiger Underperformance mit lang­fris­tiger Outperformance entschädigen. Auf ganz lange Sicht seit Mitte der 20er-Jahre und damit über 90 Jahre betrachtet, hat der Aktien-Basket von Rohstoffproduzenten den S&P 500 Index um 2,2 Prozent pro Jahr geschlagen, und das trotz der jetzt schon mehrere Jahre ­anhaltenden Rohstoffbaisse. Die Möglichkeit, Rohstoffaktien wegen ihrer kurzfristigen Risiken mit einem Abschlag kaufen zu können, stellt in den Augen von GMO ein weiteres Attraktivitätsmerkmal der Rohstoffproduzententitel dar.

Taktische Überlegungen
Angesichts der Unsicherheit bezüglich der Richtung und des Niveaus der Rohstoffpreise bei der kurz- und mittelfristigen Betrachtung werden die ­taktischen Argumente für ein Engagement niemals so stark wie die strategischen sein können. Trotzdem sollte das gegenwärtig überaus niedrige Bewertungsniveau – bei aller Kritik, die man wegen der Unvollkommenheit der Bewertungskennzahlen und ­ihrer Methodik äußern kann – relativ zum breiten US-Markt zum Anlass genommen werden nachzusehen, wie Rohstoffproduzenten-Aktien bei Erreichen eines bestimmten relativen Bewertungsniveaus in der Folgezeit performten. Dabei zeigt sich: Waren diese Bewertungen im untersten Quintil, hat der Rohstoff-Basket in den darauffolgenden 60 Monaten den S&P 500 um ganze sieben Prozent pro Jahr im Schnitt hinter sich ­gelassen. Nachdem die relativen Bewertungen gegenwärtig um das Allzeittief herum und damit jedenfalls im untersten Quintil angesiedelt sind, spricht auch aus taktischen Gründen einiges für ein Engagement.

Allerdings handelt ein Sektor des Marktes nur dann nahe der Allzeittiefs, wenn eine Menge bearisher Argumente vorhanden sind – und die gibt es tatsächlich, Einige erwarten Ölpreisrückgänge in die Nähe von 20 US-Dollar je Barrel oder sehen den Eisenerz- und Kupferpreis auf Jahre hinaus stagnieren. Sollte dieses bearishe Sentiment gerechtfertigt sein, dann sind die Rohstoffproduzenten natürlich lange nicht so billig, wie es GMOs Bewertungsmaßstab suggeriert. Daher sollte man sich ansehen, wie verlässlich die Prognosen zu Rohstoff­preisen der einschlägigen Analysten sind. Dabei stellen die GMO-Experten auf die his­torische Prognosefähigkeit für Öl ab. Die Grafik „Unbelohnte Anstrengungen“ vergleicht die Prognose der Analysten mit der nach einem Jahr eingetretenen Preisentwicklung.

Analysten-Ranking
Im Durchschnitt lagen die Analysten mit ihren Schätzungen um 30 Prozent neben dem nach einem Jahr festgestellten Rohstoffpreis. Dabei erahnten sie die Richtung, die der Ölpreis in der Folge einschlug, nur in etwas mehr als der Hälfte aller Fälle. GMO ließ nicht locker und wollte genau wissen, ob manche Analysten besser abschnitten als andere. Zu diesem Zweck wurden die Analysten mit ihren Prognosen in jeder Periode gerankt. Sodann wurde eine Rangkorrelation jedes dieser Zeitabschnitte gegenüber ­allen anderen Perioden ermittelt. Sollten zumindest einige Analys­ten dauerhaft bessere Ölpreisprognosen als andere abgegeben haben, so wären zumindest moderat positive Korrelationswerte zu erwarten gewesen. Tatsächlich war der durchschnittliche Rangkorre­lationskoeffizient fast null, exakt lag er bei 0,025. Somit stellten sich alle als gleich schlecht bei ihren Prognosen für die Ölpreisentwicklung heraus.

Nun ist ein Prognosezeitraum von einem Jahr ziemlich kurz. Waren die Expertenprognosen etwa über einen längeren Horizont besser, fragten sich die GMO-Experten. Nun hatte man nur ab 2011 Zugang zu längerfristigen Analystenprognosen, Als der Ölpreis im Oktober 2011 bei 91 US-Dollar je Barrel stand, lautete die durchschnittliche Ölpreisschätzung für Ende 2015 auf 106, die Range der Prognosen schwankte dabei zwischen 86 und 137 US-Dollar. Tatsächlich kam der Preis Ende 2015 bei 37 US-Dollar und damit weit ­unterhalb der pessimistischsten Prognose zu liegen. Ähnliches war bei Eisenerz, Kupfer und anderen Commodities zu beobachten. Wenn man die Schwierigkeiten betrachtet, die mit der Erstellung verlässlicher Rohstoffpreisprognosen offensichtlich verbunden sind, muss man sich natürlich fragen, ob die allerorten verbreitete pessimistische Grundstimmung überhaupt ihre Berechtigung hat oder schlichtweg falsch ist. Da diese Frage nicht abschließend zu klären ist, stellt man bei GMO jedenfalls auf die Bewertungen ab.

Agro-Investments
GMO hat sie nicht in seine Untersuchung miteinbezogen, da die Datenlage hier spärlich ist und nicht so weit zurückreicht. In den letzten Jahren war aber eine Verbreiterung des Universums unter den gelisteten Aktien zu beobachten, sodass sich für Inves­toren nur mehr Optionen in Bezug auf verschiedene angebotene Geschäftsmodelle eröffnen. Neben traditionellem Farming gibt es Saatgut- und Düngemittelfirmen, REITs mit Fokus Wald, Firmen im Bewässerungsgeschäft und auch Fischfarmen. Wegen der steigenden Zahl an zu ernährenden Menschen und der Bodenerosion, die angesichts des Klimawandels mit häufigeren Starkregen und Überschwemmungen deutlich zunimmt, aber auch der öfter auf­tretenden Dürren geht GMO von einem erhöhten Druck auf die ­Getreideproduktion aus. Deswegen sollten Investoren dieses Teilsegment künftig nicht außer Acht lassen, meint Grantham.

Wie ist zu allokieren?
Obwohl vieles für ein Investment in Rohstoffproduzenten spricht, verlassen sich einige In­ves­toren lieber auf eine breite Aktienallokation, die auch diesen Sektor abdeckt. Das war in der Vergangenheit, als die Rohstoffproduzenten noch einen größeren Teil des Aktienmarktes darstellten, vielleicht ein gangbarer Weg. Doch nach dem Kollaps der Rohstoffpreise ist der Anteil der Branche am S&P 500 von 13 auf fünf Prozent gesunken (siehe Grafik „Gewicht der Rohstofftitel im S&P 500 Index“). Auch im MSCI All Country World Index ist der ­Anteil der Rohstofftitel in den letzten Jahren um mehr als 50 ­Prozent rückläufig. Jene, die einem Value-Ansatz folgen, haben wahrscheinlich nicht einmal diese Quote in ihren Portfolios. GMO beobachtet eine Auswahl an Value-Managern, und deren Port­folios wiesen nicht einmal die Hälfte des ­Indexgewichts auf.

Einige Investoren erhalten zusätzliches Exposure zu Rohstoffen durch die Hintertür, indem sie Real Assets in ihre Allokation aufnehmen, doch sind deren Portfolioanteile in aller Regel nicht groß und rangieren bei US-Investoren ­typischerweise in einer Bandbreite von fünf bis 15 Prozent des Gesamtportfolios, in Europa meist noch weniger. Der Großteil dieser Quote entfällt aber auf Immobilien und Infrastruktur, sodass für das Rohstoffexposure wenig Platz bleibt.

Mehr Rohstoffinvestments
Jeremy Grantham jedenfalls hält es für überaus ratsam, einen substanzielleren Teil ihrer Assets in Rohstoffaktien zu allokieren. Dafür würden diese Investoren mit stärkeren Renditen, einem Mehr an Diversifika­tion und Inflationsschutz entschädigt.

Die Argumente des Rendite- und Diversifikationsvorteils sowie des Inflationsschutzes von GMO klingen überzeugend und sind gut dokumentiert. So sich die Muster der Vergangenheit in der Gegenwart wiederholen, macht eine verstärkte Allokation im Rohstoffaktiensegment Sinn. Zu bedenken ist des Weiteren, dass man als Investor dadurch Zugang zu globalem Wachstum und einem möglichen Anstieg der Rohstoffpreise erhält. Aus der taktischen und einer Contrarian-Perspektive heraus betrachtet sind die in der Nähe von historischen Tiefständen befindlichen relativen Bewertungen ein Kaufanreiz, zumal in der Vergangenheit solche Bewertungen starke Preisanstiege dieses Aktiensegments nach sich zogen.

Argumente dagegen zu finden ist nicht leicht. Neben dem sicherlich nicht zu leugnenden Jobrisiko der Entscheider, wenn man vom Konsensus durch eine Übergewichtung von Rohstoffproduzenten abweicht, ist vielleicht das Thema Nachhaltigkeit zu nennen, bei dem die energieintensive und oft auch umweltbelastende Rohstoff­gewinnung meist nicht gut aussieht. Hier scheint eine gewisse Standfestigkeit wider den Zeitgeist vonnöten. Immerhin gibt es keine Verpflichtung zu Nachhaltigkeit in der Kapitalanlage der bAV, wie immer wieder fälschlicherweise behauptet wird. Der Kompromiss des EU-Parlaments und des Rates bei der Überarbeitung der Pensionsfondsrichtlinie (IORP II) enthält mitnichten solch „harte“ Anforderungen. Zwar wurde das Thema ESG in mehreren Artikeln und Erwägungsgründen in die IORP-II-RL aufgenommen, aber eine absolute Verpflichtung für bAV, Nachhaltigkeitsstrategien einzuführen beziehungsweise sich aus bestimmten Investments zu verabschieden, gibt es nicht. Vielmehr sieht Erwägungsgrund 41a explizit vor, dass auch eine Nichtberücksichtigung von ESG-Kriterien im Investmentprozess möglich ist, ­allerdings muss dies den Versicherten deutlich mitgeteilt werden.

Summa summarum hat der ­ungeliebte Aktiensektor der Rohstoffproduzenten auf lange Sicht offenbar seine Meriten und könnte in den nächsten Jahren tatsächlich vom hässlichen Entlein zum schönen Schwan mutieren. Davon zu profitieren erfordert jedoch mentale Stärke. 


Anhang:

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