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4/2016 | Produkte & Strategien

Nichts für schwache Nerven

Ruppige Märkte sorgten im ersten Halbjahr dafür, dass Vermögensverwalter ihre Assets under Management nur schwach steigern konnten. Interessanterweise scheinen aber gerade kleine, innovative Asset Manager die Gunst der Stunde zu nutzen.

2016 ist im chinesischen Horoskop das „Jahr des (roten) Affen“. Dieses Sternzeichen steht auch für „unvorhersehbare und erratische“ Entwicklungen – ganz wie der Charakter ­eines Affen, der zu „wilden Kapriolen“ neigen soll. Nach dem Brexit und dem Wahlsieg Donald Trumps könnte man fast dazu geneigt sein, die Astrologie neu zu bewerten. Das Jahr begann – zumindest für Aktien und Hochzinsanleihen – nicht mit dem erwarteten starken Auftakt, sondern gleich mit einer handfesten Krise. Dafür verantwortlich waren schlechte Wirtschaftszahlen aus China beziehungsweise eine weitere Verkaufswelle chinesischer Aktieninvestoren nach Ablauf von Haltefristen sowie ein kollabierender Ölpreis, der alle davon abhängigen Wertpapiertitel mit sich riss. Investoren, die nach diesem misslungenen Jahresauftakt durchschnauften und glaubten, das Schlimms­te wäre vorbei, und neu Position bezogen, wurden im Juni 2016 von der ­unerwarteten Entscheidung der Briten am falschen Fuß erwischt. Dieses für alle Marktteilnehmer anspruchsvolle Umfeld hinterließ auch in der Entwicklung der ­Assets under Management seine Spuren. Unsere jüngste Auswertung berücksichtigt alle Daten per 30. Juni 2016.

Trotz aller Schwankungen an den Aktienmärkten entwickeln sich die verwalteten Vermögen der sehr großen Asset Manager wie BlackRock oder Vanguard relativ stabil. Dafür verantwortlich ist einerseits das prosperierende ETF-Geschäft. Andererseits helfen Häusern, die Investoren jede erdenkliche Anlagestrategie anbieten können, in Krisenzeiten die Umschichtungen in Rentenprodukte beziehungsweise die daraus folgenden Kurssteigerungen dieses Segments. Das sieht man exemplarisch an der Entwicklung von BlackRock, das an der Spitze des ersten Clusters steht. Dieser umfasst jene Asset Manager, die mehr als 100 Milliarden Euro verwalten. Trotz aller Turbulenzen ist das verwaltete Vermögen dieses breit aufgestellten Branchenriesen auf Eurobasis um vier Prozent gewachsen. Auf den Plätzen zwei bis fünf liegen Vanguard, State Street, Fidelity und BNY Mellon. J.P. Morgan AM konnte aufgrund von Volumenszuwächsen in Höhe von acht Prozent die erst langsam in die Spur zurückfindende Allianz-Tochter Pimco im Ranking erstmals überholen. Weniger Assets meldete die Fondstochter der Deutschen Bank, die auf „Deutsche Asset Management“ umfirmiert wurde. Zumindest im Geschäft mit insti­tu­tionellen Investoren lief es im ersten Halbjahr 2016 gut für ­Invesco. „Die Zuflüsse in unserem institutionellen Geschäft sind dem Umstand geschuldet, dass wir uns auf ­Multi-Asset-, Immobilien- und ausgewählte Fixed-Income-Strategien, vor allem Bank Loans, fokussieren“, sagt Colin Fitzgerald, Head of Invesco Institutional Business EMEA, auf Anfrage von Institutional Money. Gut unterwegs war auch Legg ­Mason, wie der Zuwachs insbesondere bei Institutionellen zeigt. „Unsere Innovationskraft in der Entwicklung von Lösungen für das Niedrigzinsumfeld, kombiniert mit einer attraktiven Performance im Rentenbereich, hat uns erlaubt, unser Kundengeschäft konsequent weiter auszubauen“, betont Legg Masons Länderchef für Deutschland und Österreich, Klaus Dahmann. Hilfreich waren aber auch die Akquisitionen der Investmentboutiquen Clarion und Entrust. Davon und von zuvor getätigten Zukäufen sollen zukünftig auch deutsche Investoren profi­tieren. „Wir planen, in den kommenden Monaten einige neue Investmentstrategien auch einem breiteren Kundenkreis zur Verfügung stellen zu können. Durch die abgeschlossenen Akquisitionen, zum Beispiel von Rare Infrastructure, konnten wir unsere Produktpalette im deutschen Markt stark ­erweitern.“

Nennenswerte Zuwächse im oberen Bereich des ersten Clusters haben auch Adressen wie Allianz Global Investors und wieder einmal Insight Investments – trotz der Abwertung des britischen Pfunds gegenüber dem Euro aufgrund des Brexits zum Ende der Berichtsperiode. Dieser Währungsrückgang zum Stichtag erklärt bei ­vielen Asset Managern der Britischen Inseln einen Teil der schwachen Volumensentwicklung – beispielsweise bei Aberdeen, Henderson oder M&G. Gegen diesen Trend konnte Insight Investment 50 Milliarden Euro an Gewicht zulegen. Der Anstieg lässt sich laut Olaf John, Head of Business ­Development, Europe, durch zwei Faktoren erklären: einerseits 20 Milliarden Euro durch Marktwertanstiege im Bereich Fixed Income – insbesondere LDI-Portfolios wegen fallender Zinsen. Andererseits wurden 30 Milliarden Euro Nettozuflüsse gewonnen. „Die Nettozuflüsse bestehen im Wesentlichen aus einer zusätzlichen Auf­stockung bestehender Mandate sowie aus neuen Mandaten von bestehenden Kunden, aber auch aus neuen Kunden insbesondere in den Bereichen: LDI, Credit und illiquide Kreditanlagen“, führt der Insight-Investments-Manager aus. Auffällig ist der große Volumenssprung bei Baring Asset Management. Die neue „Barings“ ist ein Zusammenschluss der vier Asset-Management-Einheiten von Massachusetts Mutual Life Insurance Company: Babson Capital sowie deren Tochtergesellschaften Cornerstone Real Estate und Wood Creek Capital wie auch die ehemalige Baring AM formten das neue, einheitliche Unternehmen „Barings“. Dank dieser Fusion und zusätzlicher rund 216 Milliarden Euro gelang Barings als einziger Gesellschaft der Sprung vom zweiten in den ersten Cluster. Dafür müssen wir von Babson Capital Abschied nehmen. Zu einer Fusion kam es zuletzt auch bei Henderson und Janus Capital.

Einen Trend im Asset Management bestätigt das aktuelle Ranking: Das Privatkundengeschäft vieler Asset Manager scheint einfach nicht richtig in die Gänge zu kommen, während Großanleger für regelmäßige Zuflüsse und damit für steigende Assets im Segment „Institutionelle“ sorgen. Dass bekanntlich die „Ausnahme die Regel bestätigt“, zeigen einerseits Union Bancaire Privée und insbesondere Pictet mit einem Zuwachs von insgesamt 27 Milliarden Euro, bei denen der Löwenanteil von Privatkunden kommt. „Im Zuge der Stabilisierung in den Emerging Markets wurden 2016 vermehrt Schwellenländeranleihen nachgefragt, vor allem in Hartwährungs­anleihen. Infolgedessen kehrten viele Inves­toren zu Pictet AM als einem der größten ­Anbieter in diesem Segment zurück“, erklärt Vanyo Walter, Geschäftsführer von Pictet AM in Deutschland.

Topverwalter
Im zweiten Cluster, in dem wir alle Asset Manager zwischen zehn und 100 Milliarden Euro an verwaltetem Vermögen listen, steht Investec unmittelbar vor dem Wiederaufstieg in den ersten Cluster. Aufstiegschancen haben auch Candriam und Danske ­Capital. Einen Rücksetzer erlitt Kames ­Capital, die bis vor wenigen Jahren unter Aegon Asset Management firmierte. Dafür verantwortlich war der Verlust eines Mandats in Milliardenhöhe, das bislang Kames Capital für eine Schwestergesellschaft innerhalb der Aegon-Gruppe anvertraut war. Zu einem spürbaren Verlust an Assets führte bei Vontobel AM der Abgang von Starfondsmanager Rajiv Jain. Dieser gründete in Florida die Boutique GQG Partners. ­Einige institutionelle Investoren folgten ihm mit ihren Geldern beziehungsweise nahmen die Unsicherheit nach Jains Abgang zum Anlass, um Gelder von Vontobel AM ab­zuziehen.

Besser lief es für Hauck & Aufhäuser. Laut Sikandar Salam, Leiter Institutionelle Kunden / Asset Management, profitierte man von nennenswerten Mittelzuflüssen in die sehr gut performende H&A-Aktien-Small-Cap-Strategie. „Auch die H&A-Multi-Asset-Strategien mit einem flexiblen und auf die individuellen Vorgaben der institutionellen Kunden zugeschnittenen Risiko­steuerungssystem fanden großes Interesse“, erklärte Salam. Gut unterwegs ist auch die Helaba Invest. Während im Wertpapierbereich gemäß Uwe Trautmann, Vorsitzender der Helaba-Invest-Geschäftsführung, vor allem Multi-Asset- und Overlay-Management-Mandate zum Wachstum beigetragen haben, konnte sein Haus im noch jungen Geschäftsfeld Immobilien mit der Expertise als Multi-Manager und der konsequenten Erweiterung des Produktangebots überzeugen. „Im Jahr unseres 25-jährigen Firmenjubiläums erfreut uns diese positive Entwicklung natürlich umso mehr“, betont Trautmann. Zufrieden mit der Geschäftsentwicklung ist auch Dirk von Velsen, Vorstand bei Flossbach von Storch. „Wir etablieren uns als eine gefragte Adresse für Multi-Asset-Lösungen im deutschsprachigen Raum. Über das Vertrauen unserer Investoren und Vertriebspartner freuen wir uns natürlich sehr.“ Ins Auge sticht der für den zweiten Cluster auffällige Zuwachs von 78 Prozent bei der Commerzbank. Das ist einerseits von relativ niedrigem Niveau aus dem „Basiseffekt“ geschuldet. Auf der anderen Seite profitierte die Bank laut An­dreas Neumann, Leiter Aktives Asset Management im Geschäftsbereich Corporates & Markets der Commerzbank, vom Gewinn respektive der Aufstockung institutioneller Spezialfondsmandate in diesem Geschäftsbereich der Bank. Der Wiederaufstieg in Cluster zwei gelang dieses Mal Tocqueville Asset Management sowie Triuva.

Interessante Boutiquen
An der Spitze der dritten Clusters (eine bis zehn Milliarden Euro Assets) stehen Bantleon und RWC Partners, die nach dem diesmaligen Ausscheiden aus dem zweiten Clus­ter eifrig am Wiedereinstieg arbeiten. Den Aufstieg visiert eindeutig auch Fisch AM an, wo man vom Boom bei Wandelanleihen als darauf spezialisiertes Haus profitiert. „Die höchsten Inflows verzeichneten unsere Wandelanleihenfonds. Ein deutlicher Beleg dafür, dass Investoren in der momentanen Situation das ‚vorsichtige Aktieninvestment‘ suchen“, sagt Patrick Gügi, CEO bei Fisch Asset Management.

Security KAG freut sich
Das Interesse institutioneller Investoren an Rentenfonds kam auch der österreichischen Security KAG zugute. „Besonders freut uns, dass unsere Flaggschiff-Produkte Apollo 2 Global Bond (internationale Renten) und der Apollo New World (Emerging Markets in Hartwährung) von institutionellen Investoren in Österreich und in Deutschland nachgefragt werden“, erklärt der für das Fondsmanagement und den Vertrieb ­zuständige Security-KAG-Vorstand Univ.-Doz. DDr. Peter Ladreiter. Zusätzlich wurden die Spezialfonds der aufgelösten Schelhammer & Schattera KAG übernommen. Die Publikumsfonds der „Superior“-Reihe folgten jedoch erst nach dem Stichtag im dritten Quartal. Einen zumindest aus prozentualer Sicht auffälligen Sprung machte Yielco Investments, ein laut eigenem Bekunden unabhängiger und „führender“ Münchener Manager für Infrastruktur-, Private-Debt- und Private-Equity-Beteiligungen. Schweizer Immobilien respektive die hohe Nachfrage nach diesen spielen seit Längerem Swiss Finance & Property in die Hände. Partner Adrian Schenker erklärt: „Sicherlich hat das stark gestiegene Inter­esse an Immobilien in den letzten Jahren unsere Wachstumsbemühungen unterstützt, dennoch sind wir überzeugt, dass die deutliche Zunahme der Assets under Management ohne unsere sehr gute inhaltliche ­Arbeit nicht möglich gewesen wäre.“ Ab­gestiegen aus dem dritten Cluster ist Stralem & Company.
Im vierten Cluster, in dem wir alle Asset Manager listen, die zwischen 200 Millionen und einer Milliarde Euro verwalten, finden institutionelle Investoren vielfach junge, ­dynamische Boutiquen. Um überhaupt von Großanlegern wahrgenommen zu werden, setzen diese Gesellschaften oftmals auf renditeträchtige Nischenstrategien. Nennenswerte Zuwächse hatten zum Stichtag Greiff Capital Management, QC Partners, RP Crest, Robus Capital Management, Deutsche Investment KVG sowie die beiden Neueinsteiger Invest in Visions und GPEP. Die auf Volatilitätsstrategien spezialisierte QC Partners profitierte unter anderem von Aufstockungen langjähriger Spezialfondsmandate und einigen Neuinvestments.

Das institutionelle Interesse an Volatilitätsstrategien verdeutlicht auch der Zuwachs bei RP Crest respektive beim RP Vega Fonds. Laut RP-Crest-Geschäftsführer Matthias van Randenborgh habe sich der RP Vega Fonds inzwischen als größter banken- und versicherungsunabhängiger Volatilitätsrisikoprämienfonds Europas etabliert: „Wir sind kurz davor, unserer fünftes Jahr abzuschließen, und etablieren uns mit unserem Track Rekord im Topquantil der Absolute-Return-Manager und erst recht der Vola-Manager.“ Auf eine andere Nische setzt ­Robus. Von Büros Frankfurt und London aus hat man sich auf Fremdkapitalinstrumente wie syndizierte Darlehen, Anleihen, Schuldscheindarlehen und Wandelanleihen von mittelgroßen Emittenten in Kontinentaleuropa spezialisiert. „Robus profitiert ­davon, dass wir mit dem Fokus auf mittelgroße Hochzinsemittenten Investmentprodukte in einer Nische anbieten, die weiterhin ansprechende Renditen verspricht“, erklärt CEO und Co-Founder Dieter Kaiser. Der Deutschen Investment KVG kam der Boom nach deutschen Wohnimmobilien zugute. Laut deren Gründer und Geschäfts­führer Florian Mundt sind derzeit weitere Fonds für institutionelle Investoren in Vorbereitung.

Großes Investoreninteresse findet der IIV Mikrofinanzfonds von Aufsteiger Invest in Visions, der vorübergehend sogar geschlossen werden musste. „Gerade im aktuellen Niedrigzinsumfeld ist der IIV Mikrofinanzfonds mit seiner geringen Volatilität und ­einer geringen Korrelation zu anderen Anla­geklassen eine sehr geeignete Beimischung für Portfolios“, weiß Invest-in-Visions-Gründerin und -Geschäftsführerin Edda Schröder über einen der Gründe für das ­hohe ­Interesse zu berichten. Zweiter Aufsteiger ist GPEP aus Frankfurt, denen die Nachfrage nach Handelsimmobilien nutzt. „Im ersten Halbjahr 2016 haben institutionelle Investoren auf der Suche nach Rendite zunehmend die vergleichsweise hochrentierlichen und risi­ko­­armen Handelsimmobilien wie Super­märk­te und Fachmarktzentren neu entdeckt“, ­erklärt GPEP-Geschäftsführer ­Jochen Frie­drich.  


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