Vorträge
Starreferenten am Institutional Money Kongress 2012
Vortrag: Dienstag, 28. Februar 2012
Großer Saal: 9:45 – 10:35
»Staatliche Regulierung und ihre Auswirkungen auf die Inflation«
Thomas Sargent spricht über die Ergebnisse seiner jahrzehntelangen Forschungsarbeit und ihre Relevanz für die aktuelle Situation in Europa und den USA.
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Thomas Sargent
Nobelpreisträger im Banne der Rationalität
Mit der Verleihung des Wirtschaftsnobelpreises rückte der Wirtschaftsforscher Thomas Sargent in den Mittelpunkt des Interesses. Doch schon längst bilden die Ergebnisse seiner Forschungen auf dem Gebiet der Makroökonomie Grundlagen für die Arbeiten internationaler Ökonomen. Sargent lehrt auch als Professor of Economics and Business an der New York University.
Vortrag: Dienstag, 28. Februar 2012
Großer Saal: 14:25 – 15:15
»Der große Crash kommt noch«
Marc Faber spricht in seinem Referat darüber, welche Gefahren der Weltwirtschaft in den nächsten Jahren drohen und worin die großen Systemschwächen der wichtigen Industrienationen liegen. Und er zeigt auf, wie man in der aktuellen Situation an den Finanzmärkten verdienen kann.
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Marc Faber
Mit Zopf und greller Krawatte
Der Schweizer Börsenexperte, Fondsmanager und Buchautor gilt als pessimistischer Börsenguru, da er vergangene Crashs – wie die Japanbaisse, den Börsencrash von 1987, die Asienkrise und das Platzen der Technologieblase 2000 – richtig prognostiziert hat. Der 65-Jährige ist außerdem Herausgeber des bekannten Finanzinformationsmediums "Gloom Boom & Doom Report".
Vortrag: Dienstag, 28. Februar 2012
Großer Saal: 17:45 – 18:35
»Wendezeit – die Eurokrise«
Beatrice Weder die Mauro beschreibt zukunftsweisende Strategien, die nötig sein werden, um im Euroraum den Teufelskreis aus Schuldenproblematik und Bankenkrise zu durchbrechen.
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Beatrice Weder di Mauro
Eine Weise mit Weitblick
Die erste Frau, das jüngste Mitglied und die erste Ausländerin – die öffentliche Aufmerksamkeit war groß, als die Schweizerin Beatrice Weder di Mauro 2004 in den Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung berufen wurde. Die Finanzwissenschaftlerin, die an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz unterrichtet, genießt außerdem einen exzellenten Ruf als gefragte Rednerin und Fachautorin.
Vortrag: Mittwoch, 29. Februar 2012
Großer Saal: 9:30 – 10:20
»Die Irrationalität der Finanzmärkte«
Nassim N. Taleb setzt sich in seinem Vortrag kritisch mit herrschenden mathematischen Modellen und statistischen Interpretationen sowie gängigen Instrumenten wie Risikomanagement auseinander und hinterfragt die Thesen von Erklärungsmodellen wie Behavioral Finance.
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Nassim N. Taleb
Mr. "Black Swan"
Mit seinem 2007 veröffentlichten Buch "Der schwarze Schwan" sorgte der libanesische Finanzmathematiker für kontroversielle Diskussionen. Der laut eigener Aussage "skeptische Empirist" warnte darin vor den Gefahren, die durch die Konzentration und gegenseitige Abhängigkeiten im Bankenwesen geschaffen werden.
Vortrag: Mittwoch, 29. Februar 2012
Saal Illusion: 16:30 – 17:20
»Europa in der Krise«
Hans-Werner Sinn wagt in seinem Vortrag eine umfassende Analyse der Eurokrise und der Folgen des aktuellen Krisenmanagements der verantwortlichen Politiker. Sinn entwirft dabei Reformszenarien und beschäftigt sich mit deren möglichen Auswirkungen auf unsere nächste Zukunft.
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Hans-Werner Sinn
Einflussreicher Querdenker
Nicht zuletzt aufgrund seiner Buchveröffentlichungen wie "Ist Deutschland noch zu retten?" oder "Der Kasino-Kapitalismus" zählt der gebürtige Westfale zu den meistzitierten Wirtschaftsexperten Deutschlands. Sinn ist seit 1999 Präsident des ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung.
Vortrag: Mittwoch, 29. Februar 2012
Großer Saal: 9:30 – 10:20
»Die Irrationalität der Finanzmärkte«
Nassim N. Taleb setzt sich in seinem Vortrag kritisch mit herrschenden mathematischen Modellen und statistischen Interpretationen sowie gängigen Instrumenten wie Risiko management auseinander und hinterfragt die Thesen von Erklärungsmodellen wie Behavioral Finance.
NASSIM N. TALEB
Mr. "Black Swan"
Als Nassim N. Taleb in seinem Buch "Der Schwarze Schwan" im Jahr 2007 vor einer globalen Finanzkrise warnte, hätte niemand gedacht, dass der Titel zum Synonym für derartige Krisen werden könnte.
Durch seine zutreffenden Wetten auf den Zusammenbruch der Banken hat Nassim Taleb Millionen verdient. Er war als Finanzmathematiker und Hedgefondsberater an der Wall Street tätig und ist ein Spezialist für Derivate. Er gehört aber zu den wenigen, die von innen heraus und mit dem entsprechenden Fachwissen und Einblick ausgestattet die Finanzinstitute und spekulativen Instrumente scharf kritisieren. Als Börsenhändler ging er mit einer skeptischen Haltung an die übliche mathematische Betrachtungsweise gegen über Risiko und Ungewissheit heran – und er misstraute den herrschenden mathematischen Modellen und statistischen Interpretationen.
Kritik an Statistikern
Talebs Bücher "Narren des Zufalls" und "Der Schwarze Schwan" wurden in 31 Sprachen veröffentlicht und mehr als dreimillionenmal verkauft. Er hat es zu seinem Stil gemacht, seriöse Ausführungen mit autobiografischen Anekdoten auszuschmücken. Sein Vorbringen, dass sich Statistiker als Pseudowissenschaftler herausstellten, sobald finanzielle Risiken auftauchen, weil dann die Statistiker versuchten, ihre mangelnde Kompetenz durch komplizierte mathematische Gleichungen zu verdecken, löste bei dieser Berufsgruppe wenig Begeisterung, dafür aber umso heftigere Kritik an Talebs Büchern aus. Die US-Statistiker-Vereinigung griff dabei insbesondere Talebs Schreibstil und seine Bezugnahme auf die statistische Literatur an. Der Mathematiker Robert Lund beispielsweise meint, dass "Black Swan" manchmal "unbekümmert vorgeht und zu großartigen Übertreibungen neigt – der berufsmäßige Statistiker wird das Buch für universell naiv halten". Im Gegensatz dazu lobt Nobelpreisträger Daniel Kahnemann den "Schwarzen Schwan" und zählt Taleb zu den weltweit bedeutendsten Intellektuellen. Und das "manager magazin" schrieb anlässlich der Buchveröffentlichung: "Es gibt nur wenige herausragende Wirtschaftspublizisten. Und es gibt noch weniger ausgezeichnete Wirtschaftsbücher. Deshalb ist es eigentlich unwahrscheinlich, ein ausgezeichnetes Wirtschaftsbuch von einem herausragenden Wirtschaftspublizisten zu finden. Taleb ist dieser schwarze Schwan."
Bewegte Familiengeschichte
Nassim Nicholas Taleb wurde am 1. Januar 1960 im Libanon geboren und stammt aus einer griechisch-orthodoxen Familie. Seine Familie spielte seit vielen Generationen eine bedeutende Rolle in der libanesischen griechisch-orthodoxen Gemeinschaft, verlor jedoch im libanesischen Bürgerkrieg ab 1975 ihren Einfluss und ihren Reichtum. Taleb schloss als MBA an der Wharton School der University of Pennsylvania sowie als PhD in Betriebswissenschaft an der Universität Paris-Dauphine ab. Gegenwärtig ist er Ehrenprofessor für Risikoanalyse am Polytechnischen Institut der New York University und Gastprofessor für Marketing (Kognitionswissenschaft) an der London Business School. Er war Professor an der University of Massachusetts Amherst, außerordentlicher Professor für Mathematik am Courant Institute der New York University und Fakultätsmitglied an der Wharton Business School. Sein ehemaliges Unternehmen Empirica LLC beteiligt sich an Hedgefonds und betreibt Forschung, doch der Hauptteil der Geschäftstätigkeit besteht aus Strategien zum Portfolioschutz für Hedgefonds. Aktuell fungiert Taleb als Berater von Universal-Investment, ein Investmentunternehmen, das auf asymmetrische Auszahlungen spezialisiert ist.
Vortrag: Dienstag, 28. Februar 2012
Großer Saal: 9:45 – 10:35
»Staatliche Regulierung und ihre Auswirkungen auf die Inflation«
Thomas Sargent spricht über die Ergebnisse seiner jahrzehntelangen Forschungsarbeit und ihre Relevanz für die aktuelle Situation in Europa und den USA.
THOMAS SARGENT
Nobelpreisträger im Banne der Rationalität
Die aktuelle Wirtschaftskrise wirft eine Vielzahl von Fragen zur Rolle des Staates bei der Regulierung der Märkte auf – ein Mann liefert auch Antworten: Thomas J. Sargent.
Ob Thomas Sargent von seiner Ehrung genauso überrascht wurde wie viele Experten, darüber kann derzeit nur spekuliert werden. Im Hinblick auf die Nobelpreisverleihungen für Wirtschaftswissenschaften der letzten Jahre sowie der aktuellen Wirtschaftskrise konnte man eigentlich mit einer Auszeichnung von Makroökonomen rechnen. Doch dass es sich mit Sargent und Christopher A. Sims um zwei neoklassische Ökonomen handelt, die sich in jüngs ter Zeit kaum mit Beiträgen zur Krisenanalyse und -bewältigung zu Wort gemeldet haben, kam für viele eher unerwartet. Trotzdem gab es kaum Stimmen, die die Ehrung Sargents als unverdient bezeichnet hätten. Denn kein Ökonom kommt an seinen Arbeiten vorbei – Zeitreihen- und Wirkungsanalysen gehören zu den Grundwerkzeugen guter Ökonometrie.
Vier Jahrzehnte Forschung
Sargent und Sims wurden vom Nobelpreiskomitee für ihre Pionierarbeit auf dem Gebiet der Makroökonomie in den vergangenen 40 Jahren ausgezeichnet. Die beiden US-Forscher haben untersucht, wie sich die Geldpolitik der Notenbanken und Schocks wie steigende Ölpreise auf Produktion, Inflation und Beschäftigung auswirken. Sie gehen von grundsätzlich rational han delnden Akteuren aus und haben auf dieser Annahme ihre mathematischen Modelle aufgebaut. Sargent ist Protagonist einer Umbruchphase in seiner Disziplin: Er gehörte in den siebziger Jahren zu einer Reihe von Ökonomen, die mit ihrer "neuen klassischen Makroökonomie" die damals vorherrschende Lehre von John Maynard Keynes kri tisierten – dieser erklärte ihrer Meinung nach zu wenig, aus welchen Motiven heraus Menschen ihre Entscheidungen treffen. Von seinen empirischen Arbeiten sind insbesondere jene über Inflation und Hyperinflation am bekanntesten. Ein Beispiel ist Sargents Arbeit über die hohen Inflationsraten der 70er Jahre. Er zeigt darin, warum eine Zentralbank, die eine falsche Konzeption von den Erwartungen der Menschen hat, höhere Inflation erzeugt, diese aber reduziert, wenn sie lernt, wie sich die Erwartungen der Menschen bilden. In einer Rede vor Berkeley-Absolventen im Jahr 2007 sagte Sargent den ernüchternden Satz: "Wenn eine Regierung Geld ausgibt, werden das die Bürger bezahlen. Entweder gleich oder später, entweder in Form von offiziellen Steuern oder in Form von in offiziellen Steuern wie etwa der Inflation."
Grundsätzlich rational
Nach Ansicht von Sargent handeln Menschen prinzipiell rational, indem sie ihren Nutzen maximieren. Entscheidend sind dabei Erwartungen, die sie über künftige wirtschaftliche Ereignisse haben. Sie berücksichtigen alle wichtigen Informationen und lernen mit der Zeit aus ihren Fehlern. Sargent erklärte diese Annahme mit einem Zitat des früheren USPräsidenten Abraham Lincoln: "Man kann manche Menschen immer rein legen und alle Menschen manchmal – aber nicht alle Menschen immer." In den vergangenen Jahren hat Sargent seine Theorien über Erwartungen auch auf nichtrationale Erwartungen ausgedehnt beziehungsweise gezeigt, dass Erwartungen und ihre Rationalität auch "erlernt" werden können.
Top-Universitäten
Der 1943 in Pasadena, Kalifornien, geborene Ökonom studierte an der University of California in Berkeley und diente nach seiner Promotion an der Harvard University in der US-Armee. In weiterer Folge lehrte er an der University of Pennsylvania und der University of Minnesota – ab 1975 als Professor – sowie an der Stanford University. 1987 wurde der Kalifornier zum Senior Fellow der Hoover Institution an der Stanford University ernannt. Seit 2002 ist Sargent Berkley Professor of Economics and Business an der New York University.
Vortrag: Mittwoch, 29. Februar 2012
Großer Saal: 16:30 – 17:20
»Europa in der Krise«
Hans-Werner Sinn wagt in seinem Vortrag eine umfassende Analyse der Eurokrise und der Folgen des aktuellen Krisenmanagements der verantwortlichen Politiker. Sinn entwirft dabei Reformszenarien und beschäftigt sich mit deren möglichen Auswirkungen auf unsere nächste Zukunft.
HANS-WERNER SINN
Einflussreicher Querdenker
Für die einen ist er "Deutschlands klügster Wirtschaftsprofessor", die anderen bezeichnen ihn als "Boulevardökonomen", weil er ungeliebte Wahrheiten offen ausspricht: Hans-Werner Sinn.
2006 wollte die "Financial Times Deutschland" in einer Umfrage unter den 550 bekanntesten deutschen Wirtschaftsexperten wissen, wem sie innerhalb ihrer Gruppe nennenswerten Einfluss auf die Politik zuschreiben. Das Ergebnis waren nur zwei Namen: Bert Rürup und Hans-Werner Sinn. Der Mann mit dem Backenbart zählt zu den meistzitierten Ökonomen Deutschlands, weil er mit seinen Meinungen regelmäßig aufhorchen lässt: Er ist für ein – freiwilliges – Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone, und er befürwortet eine Insolvenzordnung für Saaten. Auch seine Bücher sorgten mehrmals für Aufsehen und wurden teils heftig kritisiert – beispielsweise als er 2003 in seinem Bestseller "Ist Deutschland noch zu retten?" gegen Mindestlöhne wetterte und sich gleichzeitig für die Schaffung eines Niedriglohnsektors sowie längere Arbeitszeiten und weniger Macht der Gewerkschaften starkmachte. Oder als er 2009 den "Kasino-Kapitalismus" anprangerte und die Sozialisierung von Verlusten in der Finanzkrise geißelte.
Klares Nein zu Eurobonds
Zu aktuellen Wirtschaftsthemen meldet sich der ifo-Chef regelmäßig zu Wort. So hat er zu den vieldiskutierten Eurobonds eine klare Haltung: Sie seien keinesfalls ein Sanierungswerkzeug. Ganz im Gegenteil würde damit die Axt an den Euro gelegt. Denn Eurobonds machten seiner Meinung nach die Schuldenmoral kaputt, die Krisenländer würden weiter über ihre Verhältnisse leben. Sinn betont, dass er für den Erhalt des Euro sei. Auch mit seiner Kritik an den Banken hält der streitbare Ökonom nicht hinterm Berg. Er befürwortet den griechischen Schuldenschnitt und meint im Hinblick auf die Finanzinstitute, dass die Banken dadurch endlich lernten, dass Staatspapiere riskant seien. Er hofft, dass die Banken in Zulunft vorsichtiger sein werden, bevor sie im großen Stil anderen Ländern Kredit gewähren. Der Krise gewinnt er auch Positives ab. Das deutsche Geld fließe nicht mehr wie früher ins Ausland ab. Es werde investiert am Bau, in Wohnungen, in Fabriken. Dadurch stiegen die Einkommen, der Binnenkonsum nehme zu. Sinn ist überzeugt, dass Deutschland von einem Trendwechsel in Europa profitieren werde, ungeachtet der fortwährenden konjunkturellen Schwankungen, denen sich kaum einer entziehen kann.
Bewegtes Leben
Der 1948 in Brake, Westfalen, geborene Ökonom wechselte nach seinem Studium der Volkswirtschaftslehre an der Westfälischen Wilhelms-Universität an die Universität Mannheim, wo er 1978 promovierte und sich 1983 habilitierte. Sinn war zwei Jahre lang Professor an der University of Western Ontario in Kanada und ist seit 1984 Professor für Nationalökonomie und Finanzwissenschaft an der Ludwig Maximilians-Universität in München. Weiters war der dreifache Familienvater als Gastprofessor an der London School of Economics sowie an den Universitäten Bergen, Stanford, Princeton und Jerusalem tätig. Nachdem er von 1997 bis 2000 den Vorsitz des Vereins für Socialpolitik geführt hatte, war Sinn von 2006 bis 2009 Präsident des International Institute of Public Finance, des Weltverbandes der Finanzwissenschaftler. Der wegen seiner pressewirksamen Wortwahl und Öffentlichkeitsarbeit auch als "Boulevardprofessor" bezeichnete Sinn ist seit 1999 Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung, das unter seiner Leitung von einer Service- zu einer Forschungseinrichtung umgewandelt wurde.
Vortrag: Dienstag, 28. Februar 2012
Großer Saal: 14:25 – 15:15
»Der große Crash kommt noch«
Marc Faber spricht in seinem Referat darüber, welche Gefahren der Weltwirtschaft in den nächsten Jahren drohen und worin die großen Systemschwächen der wichtigen Industrienationen liegen. Und er zeigt auf, wie man in der aktuellen Situation an den Finanzmärkten verdienen kann.
MARC FABER
Mit Zopf und greller Krawatte
Leider hat Marc Faber mit negativen Prophezeiungen für die Finanzmärkte sehr oft recht behalten. Heute zählt "Dr. Doom" zu den am häufigsten zitierten Finanzmarktexperten der Welt.
Dr. Doom", wie der gebürtige Schweizer auch genannt wird, kennt kein Pardon. Der Wall Street wirft der unkonventionelle Querdenker vor, korrupt zu sein, die Notenbanken bezeichnet er als Rauschgifthändler, die der Welt Drogen – Geld zum Nullzins – geben, um sie ruhig zustellen. Marc Faber kann sich solche Aus sagen leis ten, denn er zählt heute zu den bekanntesten Investmentexperten der Welt.
Unkonventioneller Guru
Das war nicht immer so. Anfangs musste Faber, der schon mit 24 Jahren seinen Doktor in Wirtschaftswissenschaften in der Tasche hatte, akzeptieren, dass seine Überlegungen nicht ganz ernst genommen wurden, vor allem dann nicht, wenn er Warnungen aussprach. Sein unangepass tes Äußeres – Zopf und grelle Krawatte – machte es ihm sicher nicht leichter, in der Finanzwelt mit ihrem strengem Dresscode akzeptiert zu werden. Doch längst ist er zur Investmentlegende geworden: Heute suchen Banken und Anlagehäuser den Rat des Mannes, der in den siebziger Jahren nach Hongkong ging, um dort eine Vermögensverwaltung zu gründen. Seinen Wohnsitz hat er inzwischen nach Thailand verlegt, von wo aus er die Welt mit seinen gefragten Marktanalysen versorgt. Als begehrter Redner begeistert Faber mit seinen Vorträgen das Publikum und schockiert es zugleich. Seinen guten Ruf verdankt Faber nicht zuletzt seinen Crash-Prognosen, mit denen er in der Vergangenheit meist richtig lag. Der Ökonom sagte den Japan-Crash vor zwei Dekaden, den Börsenkollaps zur Jahrtausendwende und die Finanzkrise voraus. Kultstatus genießen auch sein monatlicher "Gloom, Boom & Doom Report" und seine Website. Darüber hinaus ist Faber Autor zahlreicher Fachbücher wie etwa "Zukunftsmarkt Asien. Die Entdeckung der asiatischen Märkte" oder "Riding the Millennial Storm".
Einheitliche Steuergesetze
Dem aufgeblähten Finanzsektor prophezeit Faber einen gewaltigen Schrumpfungsprozess um bis zu ein Drittel. Der Euro wird seiner Einschätzung nach gerettet werden – nicht zuletzt um den Preis, dass künftig in der Eurozone einheitliche Standards etwa im Bereich der Steuergesetze gelten und es nur mehr eine Steuerbehörde geben werde. Dann könnten etwa die Steuern reicher Griechen auch in London eingetrieben werden. In China sieht Faber aber die nächste große Blase platzen. Die Inflationsrate sei viel höher als offiziell ausgewiesen, Faber schätzt sie auf 10 bis 15 Prozent. Zudem drohe Gefahr durch den milliar denschweren Untergrunddar lehensmarkt, auf dem lokale Kreditbüros Kapital zu einem erhöhten Zinssatz an Personen verleihen, die von den Banken keine Hypotheken er halten. Ein Sinken der Immobilienpreise würde diesen Markt unweigerlich zusammen brechen lassen. Dies werde das Wirtschaftswachstum in China stark beeinträchtigen und damit die gesamte Weltwirtschaft in eine weitere Krise stürzen. Deshalb hält Dr. Doom auch wenig von "Fluchtwährungen" wie dem australischen oder dem Singapur Dollar, da diese Märkte extrem von China abhängig sind. Faber selbst setzt auf Aktien, Gold, Immobilien und Bargeld.
Rückkehr zum Goldstandard
Als möglichen Ausweg aus dem aktuellen Dilemma sieht der Finanzexperte eine massive Erhöhung des Goldpreises und eine Rückkehr zum Goldstandard. Der Dollar könnte mit 10.000 Dollar pro Unze gedeckt werden. Dann allerdings könnten die Regierungen privates Gold einsammeln, so wie es die Amerikaner in den 30er Jahren schon einmal getan haben.
Vortrag: Dienstag, 28. Februar 2012
Großer Saal: 17:45 – 18:35
»Wendezeit – die Eurokrise«
Beatrice Weder die Mauro beschreibt zukunftsweisende Strategien, die nötig sein werden, um im Euroraum den Teufelskreis aus Schuldenproblematik und Bankenkrise zu durchbrechen.
BEATRICE WEDER DI MAURO
Eine Weise mit Weitblick
Erste Frau, jüngstes Mitglied und erste Ausländerin – als sie 2004 als fünftes Mitglied in Deutschlands höchstes Gremium der Politikberatung einzog, sorgte sie für enormes Aufsehen: Beatrice Weder di Mauro.
In einer "Ich über mich"-Rubrik einer Tageszeitung ergänzte Beatrice Weder di Mauro den Satz "Mein Weg führt mich ..." spontan mit "… immer weiter" – mit dieser Aussage charakterisiert sich die Schweizerin selbst wohl am treffendsten. "Die erste Frau", "das jüngste Mitglied" und "die erste Ausländerin" stand in den Berichten über Weder di Mauros Berufung in den Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung – besser bekannt als die "fünf Wirtschaftsweisen". 2004 wurde sie vom damaligen Wirtschaftsminister Wolfgang Clement als fünftes Mitglied in Deutschlands höchstes Gremium der Politikberatung aufgenommen. Kaum ein anderer wissenschaftlicher Job in der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt ist prestigeträchtiger als ein Sitz in diesem Gremium. Starallüren kennt die 46-Jährige dennoch nicht, im Gegenteil, jeder Rummel um ihre Person ist ihr unangenehm. "Ich gehe sparsam mit meinen Auftritten um", so die Wissenschaftlerin. Als hätte sie eine Vorahnung über die aktuellen Turbulenzen rund um Griechenland gehabt, forderte Weder di Mauro bereits im Januar dieses Jahres "eine glaubwürdige Insolvenzverordnung für Staaten". "Länder, die sich aus welchem Grund auch immer zu hoch verschuldet haben, sollten künftig in der Lage sein, ihre Schulden nach klaren Regeln neu zu strukturieren – und daran müssen die privaten Gläubiger nach ebenso klaren Regeln beteiligt werden."
"Angeborene" Internationalität
Weder di Mauro, am 3. August 1965 in Basel geboren, verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Guatemala, wo sie eine deutsche Schule besuchte. 1982 kehrte sie mit ihrer Familie in die Schweiz zurück und absolvierte nach dem Abitur ein Studium der Volkswirtschaftslehre an der Universität Basel. Von 1994 bis 1996 war sie als Ökonomin beim Internationalen Währungsfonds und danach ein Jahr bei der Weltbank tätig. Weitere berufliche Stationen führten sie von der Assistenzprofessorin (1998 bis 2000) und Titularprofessorin der Nationalökonomie (2000 bis 2001) an der Universität Basel bis zu regelmäßigen Gastaufenthalten im Internationalen Währungsfonds, bei der Universität der Vereinten Nationen in Tokio sowie der Harvard University und schließlich zum Federal Reserve Board of New York. Im April 2001 übernahm Weder di Mauro eine Professur an der Johannes-Gutenberg Universität Mainz mit dem Hauptforschungsgebiet Fragen der internationalen Wirtschaftsbeziehungen und der internationalen Finanzmärkte. Von 2002 bis 2004 war sie Mitglied der Eidgenössischen Kommission für Konjunkturfragen in Bern. Seit 2003 ist Weder di Mauro Mitherausgeberin des "Applied Economics Quarterly" und Research Affiliate des Center for Economic Policy Research (CEPR) in London. Im Juni 2004 erfolgte schließlich der Ruf in den "Weisenrat". Weiter war sie noch von 2005 bis 2010 Mitglied des Aufsichtsrats der Ergo Versicherungsgruppe, gehört seit 2006 dem Verwaltungsrat von Hoffmann-La Roche an und befindet sich aktuell im Aufsichtsrat von Thyssen Krupp und der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft. Weder di Mauro veröffentlichte zahlreiche Beiträge in renommierten Fachzeitschriften, verfasste populärwissenschaftliche Artikel und schrieb eine regelmäßige Kolumne in der "Basler Zeitung" über Konjunktur, Börse, internationale Finanzströme und Entwicklungshilfe. Zudem ist sie seit 2006 Mitglied der Jury des "Postbank Finance Award". Die Mutter eines elfjährigen Sohnes spricht fließend Deutsch, Englisch, Italienisch und Spanisch.





