Vortrag: 18. Februar 2008
Saal Harmonie: 9:30 – 10:30
»Expected Utility Asset Allocation«
Die meisten Asset-Allocation-Analysen bedienen sich des sogenannten „Mean-Variance-Ansatzes“, um den „Trade-off“, gewissermaßen die gegenseitige Abhängikeit zwischen Risiko und erwartetem Ertrag, zu analysieren. Wllliam Sharpe präsentiert seine neuesten Arbeiten zu einem alternativen Ansatz, bei dem das Ziel der Asset Allocation in der Maximierung des erwarteten Nutzens besteht.
Nicht erst seit er sich mit so bekannten Persönlichkeiten wie Merton H. Miller und Harry M. Markowitz im Jahr 1990 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften teilte, gehört William Sharpe zu den bedeutendsten Wirtschaftswissenschaftlern der Erde. Die Basis dafür legte der 1934 in Boston geborene Sharpe bereits im September 1964. Damals erschien sein Aufsatz „Capital Asset Prices: A Theory of Market Equilibrium under Conditions of Risk“ im „Journal of Finance“, womit er wesentliche Grundlagen zum „Capital Asset Pricing Model“ (CAPM) formulierte, das noch heute als so etwas wie das Rückgrat der modernen Theorie zur Preisfindung an den Finanzmärkten gilt.
Sharpe entstammt einer intellektuell geprägten Familie. Es war seine Mutter, die sich gewünscht hatte, ihr Sohn möge sein Glück in der Medizin versuchen, und so schrieb sich der spätere Wirtschaftswissenschaftler 1951 zunächst an der naturwissenschaftlichen Fakultät der University of California in Berkeley ein. Doch Sharpe erkannte sehr schnell, dass die Medizin nicht seinen Interessen entsprach. Nur ein Jahr später wechselte er deshalb zur University of California in Los Angeles, um ein Studium der Betriebswirtschaft aufzunehmen.
Nach seinem Abschluss im Jahr 1956 heuerte Sharpe bei der RAND Corporation („Research ANd Development“) an, einer Art Denkfabrik, die nach Ende des Zweiten Weltkriegs ursprünglich als Berater der US-Streitkräfte gegründet worden war. Dort traf er auch auf Harry M. Markowitz, der Sharpe nicht nur entscheidend durch seine Ideen und Theorien prägte, sondern den noch jungen Wissenschaftler auch bei der Arbeit an dessen Dissertation unterstützte.
Ab 1961 folgten mehrere Professuren, unter anderem an der University of Washington in Seattle und von 1970 bis zu Sharpes Emeritierung 1989 an der Stanford University’s Graduate School of Business. Gleichzeitig arbeitete Sharpe unter anderem als Berater von Merrill Lynch und Wells Fargo, gründete verschiedene eigene Consulting-Unternehmen wie die William F. Sharpe Associates. Im Jahr 1996 schließlich baute Sharpe gemeinsam mit zwei weiteren Partnern das Unternehmen „Financial Engines“ auf, das Anbieter von Altersvorsorgelösungen und andere Finanzdienstleister bei der Beratung ihrer Kunden unterstützt.
Der Finanzwelt ist der mit einer Malerin verheiratete Vater von zwei Kindern nicht nur durch seine eingangs erwähnten Arbeiten zum CAPM bekannt. Nach ihm benannt ist bekanntermaßen auch die „Sharpe Ratio“, eine Kennzahl zur Messung und Beurteilung des Rendite-Risiko-Verhältnisses von Kapitalanlagen. Zu seinen weiteren Forschungserfolgen zählen auch die zur Bewertung von Optionen entwickelte „Binomial-Methode“ wie auch die „Gradient-Methode“ zur Optimierung der Asset Allocation, im Grunde eine Art praktische Umsetzung der Erkenntnisse aus der Portfoliotheorie von Markowitz. Entsprechend spannend dürfte es für die Besucher des Institutional Money Kongress werden, wenn sie den US-Wissenschaftler am 18. und 19. Februar 2008 im Congress Center in Frankfurt live erleben dürfen.