Vortrag: Dienstag, 19. Februar 2008
Saal Harmonie: 9:00 – 10:00
»Making globalization work«
In seinerm Vortrag wird Joseph Stiglitz – basierend auf seinem neuen Buch „Making Globalization Work“, seine Vorstellungen einer sinnvollen Globalisierung präsentieren. Durch die wachsende wechselseitige Abhängigkeit der einzelnen Länder voneinander steht die Welt vor ganz neuen Herausforderungen. Vor allem, so erklärt Stiglitz, müssten wir unser Denken verändern. Denn mehr als je zuvor wachsen die Menschen der Welt zu einer Gemeinschaft zusammen. Das erfordere nicht nur globales Handeln, sondern auch globales Denken.
Warum ist es eigentlich für eine Versicherungsgesellschaft vorteihaft, ihren Kunden ein ganzes Menü von Verträgen anzubieten, bei denen ein höherer Eigenanteil zu niedrigeren Prämien für den Kunden führt?“ So lautete eine der Beispielfragen, mit denen die schwedische Reichsbank im Jahr 2001 zu erläutern versuchte, warum sie sich damals bei der Verleihung der im allgemeinen Sprachgebrauch als „Wirtschaftsnobelpreis“ bekannten Auszeichnung gleich für drei Wissenschaftler entschieden hatte. Zu den Laureaten gehörte damals neben George A. Akerlof von der kalifornischen Universität Berkeley und A. Michael Spence von der Stanford University auch Joseph E. Stiglitz, Professor für Ökonomie an der Columbia University im New Yorker Stadtteil Manhattan.
Die drei Wissenschaftler erhielten die Auszeichnung für ihre bereits in den siebziger Jahren veröffentlichten Grundlagenarbeiten zu einem Problem der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung, das im Allgmeinen als „asymmetrische Information“ bezeichnet wird.
Stiglitz beispielsweise zeigte – gemeinsam mit seinem Co-Autor Michael Rothschild – in seinen Arbeiten, wie Versicherungsgesellschaften das Problem lösen können, dass sie im Prinzip keine Informationen über die individuelle Risikosituation ihrer Kunden besitzen. Rothschild und Stiglitz konnten aufzeigen, wie eine Versicherungsgesellschaft einem Kunden effiziente Anreize geben kann, Informationen über seine Risikosituation zu offenbaren.
Der Columbia-Professor – in den neunziger Jahren zunächst Vizepräsident und später Chefökonom der Weltbank – hat aber keineswegs nur durch seine Arbeiten zur asymmetrischen Information auf sich aufmerksam gemacht. Über den vergleichsweise engen Zirkel des Fachpublikums hinaus bekannt wurde Stiglitz vor allem mit seiner ab 2000 immer wieder vorgetragenen Kritik an der Weltbank selbst, am Internationalen Währungsfonds und am amerikanischen Finanzministerium. In seinen Büchern „Die Schatten der Globalisierung“ und „Die Chancen der Globalisierung“ hat sich Stiglitz mit der aktuellen Form der Globalisierung kritisch auseinandergesetzt, ohne diese Entwicklung an sich in Frage zu stellen.
Damit die Globalisierung zu Wohlstand für alle führt, müsse es einen neuen globalen Gesellschaftsvertrag geben, der unter anderem eine faire Handelsordnung beinhalte, lautet eine der zentralen Forderungen, die Stiglitz in diesem Zusammenhang formuliert hat. Damit wurde er zwar zu so etwas wie einer Ikone der Globalisierungsgegner, hat sich damit andererseits aber keineswegs nur Freunde gemacht. Umso spannender dürfte es sein, seine aktuellen Thesen in seinem Live-Vortrag in Frankfurt zu hören.