Vortrag: Montag, 18. Februar 2008
Saal Harmonie: 14:30 – 15:30
»Die Konsequenzen der US-Immobilienkrise«
Der aktuelle Rückgang der Immobilienpreise für privaten Wohnraum in den USA ist offenkundig verbunden mit einer Abnahme des spekulativen Enthusiasmus unter den Investoren, der gleichzeitig kaum Bezug zur Geldpolitik aufweist. Daher werden die Notenbanken erhebliche Schwierigkeiten haben, den Abstieg wie auch die damit verbundenen Probleme zu stoppen, genauso wie es auch schwierig gewesen wäre, den enormen Anstieg aufzuhalten, der der jetzigen Krise vorausgegangen ist. In seinem Vortrag analysiert Robert Shiller die Konsequenzen wie auch die Lehren, die aus dieser Entwicklung zu ziehen sind.
Was Friedrich Schiller für Germanisten ist, das könnte Robert Shiller für Börsianer werden – „ein Klassiker“, schrieb einmal die „Süddeutsche Zeitung“ über den US-Wirtschaftswissenschaftler Robert Shiller. Der Satz entstammt der Rezension seines Buches „Irrational Exuberance“, das der Yale-Professor im März 2000 auf dem Höhepunkt der Übertreibung an den sogenannten Neuen Märkten veröffentlichte. Seine darin ausgedrückte kritisch-skeptische Haltung im Hinblick auf die weitere Entwicklung der Aktienmärkte, vor allem aber das mehr als passende Timing haben dazu geführt, dass er seither als so etwas wie ein Orakel der Kapitalmärkte gilt.
Unter Wissenschaftskollegen, aber auch fachkundigen Praktikern gilt Shiller nicht erst seit damals als scharfer Kritiker der traditionellen Kapitalmarktlehre. Schon kurz vor seiner Berufung an die Yale University, an der der 61-jährige bereits seit 1982 lehrt, hatte er durch einen Aufsatz für die Zeitschrift „American Economic Review“ auf sich aufmerksam gemacht. Der Ökonom nahm darin das „Efficient Market Model“ aufs Korn, das damals eine dominierende Rolle in der wirtschaftswissenschaftlichen Lehre einnahm. Unter dem Titel „Do stock prices move too much to be justified by subsequent changes in dividends?“ argumentierte Shiller, die Volatilität des Aktienmarktes sei weitaus größer, als dass sie – mit welchem rationalen Blick auf die Zukunft auch immer – zu erklären wäre.
Doch der umtriebige Wissenschaftler blieb keineswegs stecken in seiner harschen Kritik der gängigen Kapitalmarktlehre. Denn auch er weiß natürlich, dass es im Prinzip keine Alternative zum Kapitalmarkt gibt. Im Grunde ist Shiller ein überzeugter Kapitalist, wenn auch mit einem deutlich spürbaren Hang zum Sozialreformer. Das wird nicht nur im persönlichen Gespräch mit dem Wirtschaftswissenschaftler deutlich (siehe IM-Ausgabe 1/2007), sondern auch in seinem 2003 erschienenen Buch „The New Financial Order: Risk in the 21st Century“, das in der deutschen Fassung unter dem Titel „Die neue Finanzordnung“ im Campus Verlag erschienen ist. Darin ist von Kritik an den Kapitalmärkten kaum noch zu lesen, vielmehr beschreibt Shiller, wie aus seiner Sicht Aktienmärkte, Versicherungen und Hedgefonds zu einer Lösung der „wirklich großen Probleme“ der Menschheit wie der Altersabsicherung oder auch der Rettung des Sozialstaats eingesetzt werden könnten.
In jüngster Zeit hat sich Shiller insbesondere mit dem Immobilienmarkt auseinandergesetzt. Dabei ist der Yale-Professor schon lange vor dem Ausbruch der Sub-Prime-Krise in den USA der Frage nachgegangen, wie sich Hausbesitzer vor einem Preisverfall an den Immobilienmärkten schützen können. Gemeinsam mit anderen Wissenschaftskollegen konzipierte er ein Instrument, mit dem Investoren mittels Futures-Kontrakten auf den von ihm mit entwickelten US National Home Price Index das Problem besser in den Griff bekommen sollen.