Vortrag: Dienstag, 19. Februar 2008
Saal Harmonie: 15:30 – 16:15
»Euro, Währung ohne Staat«
Mit dem Beginn der Europäischen Währungsunion am 1. Januar 1999 ist ein in der Geschichte einmaliges institutionelles Arrangement entstanden. Auf der einen Seite eine Notenbank, die Europäische Zentralbank, als supranationale Institution, auf der anderen Seite (ab 2008) 15 nationale Regierungen, die weitgehend ihre nationale Souveränität behalten haben. Aus dieser Konstellation resultieren zwangsläufig Spannungen. Dies wird nicht zuletzt aus den Verstößen gegen den Stabilitäts- und Wachstumspakt deutlich, der geschaffen wurde, um potenzielle Konflikte zwischen der stabilitätsorientierten Geldpolitik der EZB und der Finanzpolitik wenn schon nicht ganz zu vermeiden, so doch wesentlich zu entschärfen. Längerfristig wirft der gegenwärtige Stand der europäischen Integration die Frage auf: Kann die Europäische Währungsunion ohne politische Union überhaupt bestehen?
Als Chefvolkswirt und ehemaliges Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank war Issing maßgeblich am Entwurf der geldpolitischen Strategie der EZB beteiligt. Issing verfasste zahlreiche Fachbücher, deren Hauptschwerpunkte die Gebiete Geldtheorie und -politik sowie die internationalen Wirtschaftsbeziehungen sind. Issing widmete sich auch der Dogmengeschichte der Nationalökonomie, wobei er immer wieder die Grenzen des eigenen Fachgebiets überschritt, wie die Publikationen zum Themengebiet Geld und Ethik belegen. Seit Juni 2006 ist Otmar Issing Präsident des Centers for Financial Studies (CFS) an der Johann Wolfgang Goethe Universität, Frankfurt. Prof. Issing hat in diesen Tagen ein Buch über den Euro und die Europäische Zentralbank verfasst, das im März/April 2008 im Beck-Verlag erscheinen wird. Am Institutional Money Kongress widmet sich Issing dem Thema „Euro-Währung ohne Staat“.